Zwie­späl­ti­ges Ver­hält­nis

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Meinung & Dialog -

Zum Ar­ti­kel „Re­li­giö­ser Dia­log soll in Kom­mu­nen an­kom­men“(26.5.): Wo run­de Ti­sche nö­tig schei­nen, läuft et­was nicht rund. Im Fall der run­den Ti­sche zum in­ter­re­li­giö­sen Dia­log liegt das am zwie­späl­ti­gen Ver­hält­nis der Re­li­gio­nen zu den Grund­wer­ten des sä­ku­la­ren Staa­tes.

Lei­der ha­ben vie­le Re­li­gi­ons­an­hän­ger ih­ren Frie­den noch nicht da­mit ge­macht, dass re­li­giö­se Be­tä­ti­gung in ei­ner mo­der­nen, auf­ge­klär­ten Ge­sell­schaft nur in­ner­halb der Gren­zen de­mo­kra­ti­scher Ver­fas­sung er­laubt ist. Aber da­ran wol­len die­se „run­den Ti­sche“gar nicht an­knüp­fen.

Sie tun so, als be­ste­he un­se­re Ge­sell­schaft nur aus re­li­giö­sen Men­schen, die ler­nen soll­ten, mit­ein­an­der aus­zu­kom­men, und über­ge­hen den Um­stand, dass die größ­te ge­sell­schaft­li­che Grup­pe längst aus Re­li­gi­ons­fer­nen oder re­li­gi­ös „Un­mu­si­ka­li­schen“be­steht. Mit die­sen soll­ten die Re­li­gi­ons­grup­pen dis­ku­tie­ren, um in ei­ner mo­der­nen, sä­ku­la­ren Ge­sell­schaft an­kom­men zu kön­nen.

Im Üb­ri­gen ist Re­li­gi­on Pri­vat­sa­che, und der Staat hat kei­nes­falls die Auf­ga­be, re­li­giö­se Iden­ti­tä­ten zu stär­ken und zu för­dern. Wer es den­noch tut, macht sich zum Steig­bü­gel­hal­ter der Re­sa­kra­li­sie­rung der Ge­sell­schaft und setzt da­mit die Er­run­gen­schaf­ten der Auf­klä­rung leicht­fer­tig aufs Spiel.

Klaus Go­er­gen, Wald­burg

Lie­be Le­se­rin­nen, lie­be Le­ser,

wir freu­en uns über Ih­re Brie­fe. Bit­te ha­ben Sie aber Ver­ständ­nis da­für, dass wir für die Ver­öf­fent­li­chung ei­ne Aus­wahl tref­fen und uns auch Kür­zun­gen vor­be­hal­ten müs­sen. Le­ser­zu­schrif­ten stel­len kei­ne re­dak­tio­nel­len Bei­trä­ge dar. An­ony­me Zu­schrif­ten kön­nen wir nicht ver­öf­fent­li­chen.

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