Ba­rock­mu­sik war auch im frü­hen Ame­ri­ka be­liebt

Ei­ne Wie­der­be­geg­nung mit dem Ar­sa­ti­us Cons­ort Frei­burg in Immenstaad

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Immenstaad - Von Chris­tel Voith

- Pas­send zum Bo­den­see­fes­ti­val mit „Va­ria­ti­ons on Ame­ri­ca“hat das Ar­sa­ti­us Cons­ort Frei­burg am Sonn­tag­abend in St. Jo­dok in Immenstaad „Frü­he Be­geg­nun­gen mit Ame­ri­ka“ge­bo­ten. Un­ter an­de­rem war „The Pre­si­dent’s March“zu hö­ren, den Phi­lip Phi­les zur Amts­ein­füh­rung von Ge­or­ge Washington (30. April 1989) kom­po­nier­te.

Das 1988 von Ge­org Brun­ner, heu­te Pro­fes­sor für Mu­sik und ih­re Di­dak­tik an der PH Frei­burg, ge­grün­de­te In­stru­men­tal­ensem­ble ver­eint Mu­si­ker mit ei­ner Leidenschaft für das 17. und 18. Jahr­hun­dert, ge­spielt wird auf Ori­gi­nal­in­stru­men­ten. Die Mu­si­ker kom­men aus ei­nem wei­ten Um­kreis zu­sam­men, ih­re Zahl wech­selt je nach Pro­gramm. Un­ter zehn Spie­lern hät­ten dies­mal zwei Leh­rer AN­ZEI­GEN der Mu­sik­schu­le Friedrichshafen da­bei sein sol­len, doch And­res Schrei­ber muss­te krank­heits­hal­ber ab­sa­gen, wäh­rend Kol­le­ge Jo­han­nes Be­cher am Cel­lo zu se­hen war. Mit leb­haf­tem Blick­kon­takt lei­tet Ge­org Brun­ner als Ers­ter Gei­ger das be­wun­derns­wert ho­mo­ge­ne En­sem­ble.

Ver­wun­dert blick­te man auf Na­men wie Co­rel­li, Vi­val­di, Hän­del oder Carl Phil­ipp Ema­nu­el Bach. Das sehr aus­führ­li­che Pro­gramm­blatt gab Auf­schluss: In der Früh­zeit, de­ren Mu­sik das Ar­sa­ti­us Cons­ort sich ver­schrie­ben hat, gab es in Ame­ri­ka noch kei­ne ei­ge­ne Mu­sik­kul­tur. Ers­te Kon­zer­te sei­en seit 1731 über­lie­fert, wo­bei eu­ro­päi­sche Mu­si­ker ih­re Mu­sik und ih­re In­stru­men­te mit­brach­ten. Ge­spielt wur­den die oben ge­nann­ten Meis­ter. Nur zwei ame­ri­ka­ni­sche Kom­po­nis­ten wa­ren da­her auf dem Pro­gramm: der deut­schame­ri­ka­ni­sche Gei­ger Phi­lip Phi­le (ca. 1734-1793) und der aus En­g­land stam­men­de Alex­an­der Rei­nag­le (1756-1809), der sich in New York und Phil­adel­phia nie­der­ließ.

Phi­lip Phi­les „The Pre­si­dent’s March“ließ so­gleich den fei­nen sil­ber­nen und doch vol­len Klang der In­stru­men­te ge­nie­ßen. In schö­nem Spiel von Span­nung und Ent­span­nung folg­te von Phi­les noch das tän­ze­ri­sche Stück „Ça ira“. Vom zwei­ten ame­ri­ka­ni­schen Kom­po­nis­ten, Alex­an­der Rei­nag­le, ist we­gen ei­nes Bran­des 1820 nur sehr we­nig er­hal­ten, so hat Brun­ner sei­nen „Fe­deral March“und „Mrs Ma­di­son’s Mi­nu­et“mit ein­zel­nen Stü­cken aus Opus 1 zu ei­ner „Ame­ri­can Sui­te“zu­sam­men­ge­fasst. Be­zau­bernd fe­dernd war der Marsch, be­schwingt hei­ter, ja frech wa­ren Al­le­gret­to und Al­le­gro, hö­fi­sche Ele­ganz zeig­te das ers­te An­dan­te, leich­tes Schwe­ben das zwei­te, ehe die Sui­te an­mu­tig mit dem Mi­nu­et aus­klang.

Ernst und kla­gend war da­ge­gen Bia­gio Ma­ri­nis Pas­sa­ca­glia, sehr ze­re­mo­ni­ell Co­rel­lis Con­cer­to gros­so D-Dur op. 6/7. Hei­ter be­schwingt und reich ver­ziert war da­ge­gen Al­bi­no­nis Sin­fo­nia G-Dur. Deut­lich wur­de der sich ver­än­dern­de Stil in Carl Phil­ipp Ema­nu­el Bachs Sin­fo­nie Nr. 3 für Strei­cher und Bas­so, die mit star­ken Kon­tras­ten und Sturm­ge­braus den Über­gang vom Ba­rock zur Wie­ner Klas­sik an­zeig­te. Viel­far­big ge­stal­te­ten die Mu­si­ker Hän­dels Con­cer­to gros­so G-Dur op. 6/1 und en­de­ten mit dem be­zau­bern­den Con­cer­to g-Moll RV 152 von Vi­val­di.

FO­TO: HV

Mit ei­nem fei­nen Ba­rock­kon­zert hat das Ar­sa­ti­us Cons­ort Frei­burg die Zu­hö­rer in Immenstaad er­freut. Zwei­ter von links ist der Lei­ter Prof. Ge­org Brun­ner, am Cel­lo sitzt Jo­han­nes Be­cher aus Friedrichshafen.

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