Wenn die Kin­der nicht al­les er­ben sol­len

Ex­per­ten er­klä­ren, wel­che Mög­lich­kei­ten es gibt

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Familie -

Teil kann man frei ent­schei­den.

Da­mit der ei­ge­ne Wil­le nach dem Tod be­rück­sich­tigt wird, muss man ein Tes­ta­ment auf­set­zen. Sonst wird al­les un­ter den Erb­be­rech­tig­ten – Ehe­part­ner, Kin­der oder El­tern – auf­ge­teilt. Wenn je­mand kei­ne El­tern, Kin­der oder Ehe­part­ner mehr hat, be­kommt das Geld der nächs­te Bluts­ver­wand­te – zum Bei­spiel Ge­schwis­ter, Tan­ten oder Nef­fen. Wer we­der An­ge­hö­ri­ge hat noch ein Tes­ta­ment auf­ge­setzt hat, hin­ter­lässt sein Ver­mö­gen dem Staat. „Ein Tes­ta­ment muss von A bis Z hand­ge­schrie­ben oder von ei­nem No­tar be­ur­kun­det sein, da­mit es Gül­tig­keit hat“, be­tont Her­zog.

No­tar muss be­glau­bi­gen

Fach­an­walt für Er­brecht be­ra­ten las­sen, emp­fiehlt Lenz. Vor al­lem, wenn es sich um ein grö­ße­res Ver­mö­gen han­delt.

Nicht im­mer muss ein Streit der Grund da­für sein, dass man­che Men­schen ih­ren nächs­ten An­ge­hö­ri­gen An­tei­le statt des ge­sam­ten Hab und Guts zu­wen­den möch­ten. „Vie­le möch­ten mit ih­rem Ver­mö­gen Gu­tes tun“, sagt Wil­lich. Das sei­en zum Bei­spiel Men­schen, die im Krieg und in der Nach­kriegs­zeit Leid er­fah­ren ha­ben. „Die wis­sen, wie es ist, nichts zu Es­sen zu ha­ben.“Hin­zu kommt: „Kin­der, die er­ben, ste­hen meist mit­ten im Le­ben“, sagt Wil­lich. Dann über­le­ge sich manch ei­ner, ei­nen Teil des Ver­mö­gens an die gut ge­stell­ten Kin­der zu ge­ben, und ei­nen an­de­ren Teil ei­ner ge­mein­nüt­zi­gen Or­ga­ni­sa­ti­on zu spen­den.

Für ei­nen sol­chen Fall rät Lenz: „Möch­te man der Fa­mi­lie nicht al­les zu­kom­men las­sen, son­dern auch zum Bei­spiel ei­ner so­zia­len Or­ga­ni­sa­ti­on oder Freun­den, wür­de ich per­sön­lich das auch sa­gen.“Und Wil­lich er­gänzt: „Das ist häu­fig ei­ne Lö­sung, mit der auch die Kin­der ein­ver­stan­den sind.“

Wich­tig ist, ein in­ne­res Ge­spräch mit sich selbst zu füh­ren, wie Lenz es nennt. „Was möch­te ich? Wem möch­te ich et­was zu­kom­men las­sen?“Hilf­reich sei si­cher auch ein Ge­spräch mit ei­nem Ver­trau­ten – ein Freund, ein Pfar­rer oder die Lei­te­rin der Se­nio­ren­grup­pe zum Bei­spiel. „Ge­mein­nüt­zi­ge Or­ga­ni­sa­tio­nen bie­ten Be­ra­tungs­ge­sprä­che und In­for­ma­tio­nen für die­je­ni­gen an, die sich mit dem Ge­dan­ken tra­gen, ihr Tes­ta­ment zu­guns­ten die­ser Ver­bän­de zu ma­chen“, sagt Lenz. Auch ein Fach­an­walt für Er­brecht kann hel­fen – ei­ne sol­che Be­ra­tung muss man al­ler­dings be­zah­len. „Man soll­te sich un­be­dingt vor­her über die Kos­ten in­for­mie­ren“, sagt Her­zog. „Da muss sich auch nie­mand ge­nie­ren, beim Bä­cker fragt man ja auch, was die Bröt­chen kos­ten.“

Für die jet­zi­ge Se­nio­ren­ge­ne­ra­ti­on scheint der Wunsch, sich selbst et­was zu gön­nen, stär­ker zu sein als ih­ren Kin­dern oder En­keln ihr ge­sam­tes Er­spar­tes zu hin­ter­las­sen. Ein schlech­tes Ge­wis­sen müs­sen sie des­halb nicht ha­ben. „Grund­sätz­lich hat je­der Mensch das Recht, sein Geld für das aus­zu­ge­ben, was ihm wich­tig ist“, be­tont Lenz. Wer schon ein Tes­ta­ment auf­ge­setzt hat, muss sich auch dann kei­ne Sor­gen ma­chen, sagt Wil­lich: „Ver­erbt wird nur, was am En­de noch da ist und nicht der Sta­tus quo zum Zeit­punkt des Ver­fas­sens.“

FO­TO: DPA

Hat je­mand Kin­der und En­kel, de­nen er sein Ver­mö­gen hin­ter­las­sen möch­te, ist das ver­gleichs­wei­se ein­fach. Wer die­se Mög­lich­keit nicht hat oder mit der Fa­mi­lie zer­strit­ten ist, soll­te sich recht­zei­tig dar­um küm­mern, wer be­dacht wird – und wer nicht.

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