Bei Ma­ros steht die Zeit nie still

Der Uhr­ma­cher aus Sa­lem nimmt sei­nen Be­ruf wört­lich und baut Uh­ren

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Salem/deggenhausertal - Von Ju­lia Frey­da

- We­der Ro­lex noch Ca­sio. Uhr­ma­cher Andre­as Ma­ros sind die Zeit­mes­ser am Arm zu läs­tig. „Ich ha­be ein sehr gu­tes Zeit­ge­fühl, so­zu­sa­gen ei­ne ein­ge­bau­te Uhr“, sagt der 52-Jäh­ri­ge. Den­noch fas­zi­nie­ren ihn Uh­ren seit er zehn Jah­re alt ist.

Mit dem We­cker sei­nes Groß­va­ters hat al­les be­gon­nen. „Den und ei­ne rus­si­sche Au­to­ma­tik­uhr hat mei­ne Tan­te mir ge­schenkt als ich zehn Jah­re alt war“, er­in­nert sich Ma­ros. Ihn pack­te der Ehr­geiz, den al­ten We­cker wie­der zum Lau­fen zu brin­gen. Mit sei­nem Va­ter nahm er ihn aus­ein­an­der, tüf­tel­te am Uhr­werk und hat es ge­schafft. Bis heu­te tickt der We­cker im La­den des Uh­ren­und Op­ti­ker­meis­ters in Sa­lem.

Nach dem Abitur Mit­te der 1980er-Jah­re stand für Ma­ros fest, dass er ins Hand­werk will. „Das liegt bei uns in der Fa­mi­lie“, be­grün­det er. Der Va­ter war Mecha­ni­ker­meis­ter, der Opa Schmied, der Uro­pa Schlos­ser und Schmid. So be­warb Andre­as Ma­ros sich bei ei­nem Ka­ros­se­rie­bau­er und ei­nem Augenoptiker. „Der Op­ti­ker hat als Ers­ter ge­ant­wor­tet und da war die Sa­che für mich klar.“Mit dem Meis­ter­brief in der Ta­sche be­kam er rund zehn Jah­re spä­ter in Sa­lem die Ge­le­gen­heit, ei­ne Uhr­ma­cher­leh­re an­zu­hän­gen und spä­ter das Fach­ge­schäft von Ed­win Mau­rer zu über­neh­men. Dies war dann be­reits 1999 der Fall.

Am An­fang steht das Werk

Im All­tag ist er vor al­lem mit Re­pa­ra­tu­ren be­schäf­tigt. Doch vor rund 15 Jah­ren pack­te ihn er­neut der Ehr­geiz. Er nahm sei­nen Be­ruf wört­lich und mach­te ei­ne ei­ge­ne Arm­band­uhr. So nahm ei­ne klei­ne Kol­lek­ti­on ih­ren Lauf. Am An­fang steht bei ei­ner Uhr im­mer das Werk. Das zer­legt Ma­ros und macht sich an die Fein­ar­beit. Schrau­ben wer­den po­liert und blau an­ge­las­sen. Ein Zahn­rad be­kommt auch mal ei­nen spe­zi­el­len Schliff, un­wich­ti­ge Tei­le wer­den weg­ge­sägt, um ei­nen bes­se­ren Blick auf die Mecha­nik zu ge­ben. In­di­vi­du­ell wer­den Zif­fern­blatt, Zei­ger und Ge­häu­se zu­sam­men­ge­setzt. Als wich­tigs­te Ga­be ei­nes Uhr­ma­chers sieht Ma­ros nicht et­wa ei­ne ru­hi­ge Hand. „Ein Höchst­maß an tech­ni­schem Ver­ständ­nis und Ge­duld, Ge­duld, Ge­duld sind un­er­läss­lich.“Aus­wei­ten will er sei­ne Pro­duk­ti­on aber auf kei­nen Fall. „Ich will kein Uh­ren­lie­fe­rant sein und 500-mal ein iden­ti­sches Stück bau­en“, sagt Ma­ros.

Ein Fai­b­le hat der Uhr­ma­cher für Mi­li­tär­uh­ren. Zu sei­ner Samm­lung ge­hö­ren ei­ne rus­si­sche Be­ob­ach­tungs­uhr so­wie ein Schiff­s­chro­no­me­ter aus den 1950er-Jah­ren. Die stan­den einst auf der Brü­cke ei­nes rus­si­schen Kampf­schif­fes. „Für die Na­vi­ga­ti­on wur­den sie je­den Tag mit­ein­an­der ab­ge­gli­chen. Ver­ar­bei­tung, Mecha­nik und Prä­zi­si­on die­ser Uh­ren su­chen ih­res­glei­chen. Der Schiff­s­chro­no­me­ter weicht pro Mo­nat ma­xi­mal zehn Se­kun­den ab“, schwärmt Ma­ros. Zum Ver­gleich: Um für ei­ne mo­der­ne Uhr ei­ne Chro­no­me­ter­zer­ti­fi­zie­rung zu be­kom­men, darf sie pro Tag bis zu fünf Se­kun­den da­ne­ben lie­gen.

Mit 60 will Ma­ros den Job an den Na­gel hän­gen. „Dann ist Schluss, dann will ich mich nur noch um Uh­ren küm­mern“, sagt Ma­ros. Denn bis­lang muss er sich die Zeit für sein Hob­by re­gel­recht steh­len. Dass er für sein Ge­schäft ei­nen Nach­fol­ger fin­det, glaubt er nicht. Denn die Bran­che su­che hän­de­rin­gend nach Nach­wuchs.

FOTO: JUL

Mit dem We­cker sei­nes Groß­va­ters fing Andre­as Ma­ros’ Lei­den­schaft für Uh­ren an. Zu sei­ner Samm­lung ge­hö­ren auch rus­si­sche Mi­li­tär­uh­ren.

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