„Lang­sam, lei­se, aus­dau­ernd: Der Zep­pe­lin ist un­schlag­bar gut“

Die ZLT-Chefs Tho­mas Brandt und Eckhard Breu­er über 20 Jah­re Erst­flug und die un­ge­bro­che­ne Fas­zi­na­ti­on für das Luft­schiff

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Immobilien -

- Kri­ti­ker spra­chen von ei­nem flie­gen­den Schild­bür­ger­streich, als der Zep­pe­lin Neu­er Tech­no­lo­gie (NT) am 18. Sep­tem­ber 1997 zum Erst­flug auf­ge­stie­gen ist. 20 Jah­re spä­ter fliegt das Luft­schiff im­mer noch, be­rei­te­te in­zwi­schen na­he­zu 240 000 Pas­sa­gie­ren ein himm­li­sches Ver­gnü­gen und war mehr­fach im Auf­trag der Wis­sen­schaft un­ter­wegs. Ein Weg­be­rei­ter des Er­folgs ist Tho­mas Brandt, der sich En­de Ju­ni nach 13 Jah­ren als Chef der Zep­pe­lin Luft­schiff­tech­nik (ZLT) ver­ab­schie­det hat. Er und sein Nach­fol­ger Eckhard Breu­er un­ter­hiel­ten sich im Dop­pel-In­ter­view mit Tan­ja Po­i­mer dar­über, was sie den Vä­tern und den Geg­nern des Zep­pe­lins NT zu sa­gen ha­ben, wie viel ein Luft­schiff heu­te kos­tet und war­um es ei­ne Ein­zel­an­fer­ti­gung wie in ei­ner Ma­nu­fak­tur bleibt.

20 Jah­re Jung­fern­flug Zep­pe­lin NT – wann und wo ha­ben Sie von dem Spek­ta­kel in Friedrichshafen am Bo­den­see er­fah­ren?

Tho­mas Brandt: Ich muss zu­ge­ben, dass ich da­von erst so rich­tig ge­hört ha­be, als ich 2004 von ei­nem Per­so­nal­ver­mitt­ler an­ge­spro­chen wur­de, ob ich mir vor­stel­len könn­te, die Zep­pe­lin Luft­schiff­tech­nik zu über­neh­men. Da war das Luft­schiff erst zwei Jah­re im ge­werb­li­chen Be­trieb, und es war für mich über­ra­schend, wel­che His­to­rie da­hin­ter­steckt.

Eckhard Breu­er: Ich ha­be den Zep­pe­lin erst­mals 2007 als Be­su­cher der Luft­fahrt­mes­se Ae­ro be­wusst wahr­ge­nom­men. Da­mals saß man drau­ßen am Han­gar noch vor wei­ßen Zel­ten auf Bier­bän­ken. Rich­tig klick hat es bei mir auf der Ae­ro 2015 ge­macht, auf der ich als Aus­stel­ler für mei­ne bis­he­ri­ge Fir­ma Bom­bar­dier war. Ich fand es ab­so­lut fas­zi­nie­rend, von der Ter­ras­se des Han­gar-Re­stau­rants die Start- und Lan­de­ma­nö­ver zu be­ob­ach­ten. Als ich dann im Herbst 2016 an­ge­spro­chen wur­de, ob ich mich auf die Po­si­ti­on des ZLT-Ge­schäfts­füh­rers be­wer­ben wol­le, muss­te ich nicht lan­ge über­le­gen und freue mich jetzt sehr, dass wir zu­sam­men­ge­kom­men sind.

Was ent­geg­nen Sie heu­te den Kri­ti­kern von da­mals?

Brandt: Ich ent­geg­ne, dass der Zep­pe­lin, der schon im­mer ei­ne Iko­ne war und auch heu­te ist, ei­nen sehr, sehr gro­ßen Wert für die ge­sam­te Re­gi­on hat. Wir ha­ben ins­ge­samt um die 240 000 Flug­gäs­te glück­lich ge­macht, al­lein 21 000 im ver­gan­ge­nen Jahr, und sind zu­dem auf Son­der­mis­sio­nen im Ein­satz, leis­ten al­so ei­nen wert­vol­len wis­sen­schaft­li­chen Bei­trag. Kurz­um: Der Un­ter­neh­mens­sinn ist durch­aus ge­ge­ben.

Breu­er: Der Zep­pe­lin ist ein Luft­fahr­zeug, das ganz spe­zi­el­le Ei­gen­schaf­ten hat und in ei­nem ganz spe­zi­el­len An­wen­dungs­be­reich un­schlag­bar gut ist. Er kann sehr tief und gleich­zei­tig lang­sam flie­gen und ist da­bei sehr, sehr lei­se, spar­sam und aus­dau­ernd. Und es gibt spe­zi­el­le Mis­sio­nen, da sind ge­nau die­se Fä­hig­kei­ten ge­for­dert. Zum Bei­spiel über­all dort, wo es aus ge­rin­ger Hö­he et­was aus der Luft aus­dau­ernd zu be­ob­ach­ten gibt. Das hat das Un­ter­neh­men in der Ver­gan­gen­heit bei der Dia­man­ten­su­che in Afri­ka von 2005 bis 2007, bei wis­sen­schaft­li­chen Mis­sio­nen 2016 über der Ost­see für die Helm­holtz-Ge­sell­schaft, aber na­tür­lich auch bei tou­ris­ti­schen Flü­gen über dem Bo­den­see er­folg­reich de­mons­triert. Die­se Qua­li­tä­ten müs­sen wir noch bes­ser her­aus­ar­bei­ten und ganz ge­zielt sol­che Kun­den an­spre­chen, bei de­nen es auf die­se Ei­gen­schaf­ten an­kommt.

Und was sa­gen Sie den Vä­tern des Zep­pe­lins NT, die das Luft­schiff wie­der­auf­er­ste­hen lie­ßen?

Breu­er: Es ge­hört ei­ne ge­hö­ri­ge Por­ti­on Mut da­zu, ein Luft­fahr­zeug auf ei­nem wei­ßen Blatt Pa­pier neu zu kon­stru­ie­ren. Das ist im­mer ein gro­ßes Wag­nis und gilt für ein Luft­schiff ge­nau­so wie für ein Ver­kehrs­flug­zeug. Und im­mer wenn man ein sol­ches Wag­nis ein­geht, wird man auch mit un­er­war­te­ten Schwie­rig­kei­ten kon­fron­tiert. Die Vä­ter des Zep­pe­lins NT, die In­ge­nieu­re und Tech­ni­ker kön­nen wirk­lich stolz auf das sein, was sie voll­bracht ha­ben. Dar­auf, dass sie es ge­schafft ha­ben, die­ses Luft­fahr­zeug zu ent­wi­ckeln, das auf der ori­gi­na­len tech­ni­schen Idee des Gra­fen Zep­pe­lin be­ruht, al­so mit ei­nem Auf­triebs­gas leich­ter als Luft fliegt, ver­se­hen mit mo­der­ner Tech­no­lo­gie in der Steue­rung, in der Avio­nik und auch in der Struk­tur. Der Zep­pe­lin NT ist das ein­zi­ge Luft­schiff welt­weit, das für den kom­mer­zi­el­len Flug­be­trieb zu­ge­las­sen ist.

Brandt: Her­vor­zu­he­ben ist die tech­ni­sche Grund­kon­zep­ti­on ei­nes halb­star­ren Luft­schif­fes mit fle­xi­blem An­trieb, der es er­laubt, fast wie ein Hub­schrau­ber zu flie­gen, und auf den Me­ter ge­nau zu steu­ern. Der Zep­pe­lin NT war da­mals ein gro­ßer Wurf, sonst wä­re das Pro­dukt heu­te nicht mehr am Le­ben. Ich gra­tu­lie­re den Vä­tern des Luft­schif­fes zu ih­rem un­ter­neh­me­ri­schen Durch­hal­te­ver­mö­gen, dass sie bei al­len Pro­ble­men ei­nen lan­gen Atem be­wie­sen ha­ben und im­mer an den Er­folg ge­glaubt ha­ben. Heu­te ist es so, dass sich die al­ten Prall­luft­schif­fe nach und nach vom Markt ver­ab­schie­den, weil sie mit ih­ren ein­ge­schränk­ten Flug­fä­hig­kei­ten kei­ne An­wen­dung mehr fin­den, und der Zep­pe­lin fast schon ei­ne Mo­no­pol­stel­lung ein­nimmt. Tho­mas Brandt

Wie un­ter­schei­det sich der neu­es­te Zep­pe­lin NT vom Pro­to­ty­pen, Herr Brandt?

Brandt: Das neue Luft­schiff, wir nen­nen es die Ver­si­on 101, ist ei­ne op­ti­mier­te Ver­si­on der Ver­si­on 100 von da­mals. Un­ter­schie­de sind zum Bei­spiel, dass der neue Zep­pe­lin 14 Sit­ze an­statt zwölf, ei­ne bes­se­re Trag­fä­hig­keit oder ei­ne mo­der­ne­re Avio­nik be­sitzt. Das Luft­schiff ist mul­ti­funk­tio­nal und sehr fle­xi­bel auf ver­schie­de­nen An­wen­dungs­ge­bie­ten ein­setz­bar.

Herr Breu­er, wie sieht’s aus: Sind Sie schon Zep­pe­lin ge­flo­gen?

Breu­er: Ich hat­te so­gar schon die Ge­le­gen­heit, den Zep­pe­lin un­ter Flug­leh­rer­auf­sicht selbst zu steu­ern. Es ist fas­zi­nie­rend, die Land­schaft aus den gro­ßen Pan­ora­ma­fens­tern zu be­ob­ach­ten, aus de­nen man ei­nen 360-Grad-Rund­um­blick hat. Ein Flug mit dem Zep­pe­lin ist wirk­lich ein­ma­lig und un­ver­gleich­lich.

Der Zep­pe­lin be­ein­druckt Sie ganz of­fen­sicht­lich. Und wie steht es mit un­se­rer herr­li­chen Re­gi­on?

Breu­er: Mei­ne ers­te Rei­se in die Re­gi­on liegt 37 Jah­re zu­rück. Wir wa­ren auf Klas­sen­fahrt in Kon­stanz und ha­ben die Klas­si­ker be­sucht, wie die Pfahl­bau­ten in Un­te­ruhl­din­gen oder den Sän­tis. Wenn mir da­mals je­mand gesagt hät­te, dass ich vie­le Jah­re spä­ter Ge­schäfts­füh­rer in ei­nem Luft­fahrt­un­ter­neh­men am Bo­den­see wer­den könn­te, hät­te ich ge­fragt, wo ich un­ter­schrei­ben muss.

Herr Brandt, kurz zu­rück zur Ge­schich­te: Wie vie­le Luft­schif­fe sind in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren ge­baut wor­den ?

Brandt: Wir bau­en ge­ra­de den ach­ten Zep­pe­lin. Ein De­tail: Ein Luft­schiff, das in Ja­pan im Ein­satz war, wur­de nach sei­ner Rück­kehr an den Bo­den­see wie­der auf­ge­baut, und wir zäh­len es als neu­es, weil es auch wirk­lich rund­her­um er­neu­ert wur­de. Zwei Zep­pe­line sind in Friedrichshafen im Ein­satz, drei hat der US-ame­ri­ka­ni­sche Rei­fen­her­stel­ler Goo­dye­ar ge­kauft, zwei flie­gen be­reits, das drit­te bau­en wir ge­ra­de. Den Pro­to­ty­pen gibt es nicht mehr, nach­dem er 2007 bei der Dia­man­ten­su­che für den Kon­zern De Beers in Bots­wa­na am An­ker­mast von ei­ner Wind­ho­se ir­re­pa­ra­bel be­schä­digt wor­den war. Ein wei­te­res Luft­schiff, das in Ka­li­for­ni­en un­ter­wegs war, la­gert au­ßer­dem bei ZLT in Con­tai­nern und soll wie­der auf­ge­baut wer­den und ei­nen der bei­den Zep­pe­line am Bo­den­see er­set­zen, der in die Jah­re ge­kom­men ist und in ein, zwei Jah­ren aus­ge­mus­tert wer­den muss.

Geht der Zep­pe­lin NT mit Ih­nen in Se­rie, Herr Breu­er?

Breu­er: Zep­pe­line wa­ren nie Se­ri­en­pro­duk­te wie es Ver­kehrs­flug­zeu­ge sind, son­dern Ein­zel­fer­ti­gun­gen nach Auf­trags­ein­gang. Ich den­ke, so wird es auch in Zu­kunft blei­ben. Na­tür­lich be­mü­hen wir uns, im An­schluss an das Goo­dye­ar-Ge­schäft Neu­kun­den zu fin­den. Ganz wich­tig ist für uns, dass wir den Flug­be­trieb in Friedrichshafen aus­bau­en und vor­an­brin­gen. Wenn es bei der Deut­schen Zep­pe­lin-Ree­de­rei (DZR) gut läuft, ist das die bes­te Wer­bung fürs Pro­dukt und das bes­te Mar­ke­ting, um wei­te­re Kun­den im In- und Aus­land ge­win­nen zu kön­nen.

Sie wa­ren zu­letzt beim Flug­zeug­her­stel­ler Bom­bar­dier für den Ver­trieb von VIP- und Spe­cial-Mis­si­on-Flug­zeu­gen zu­stän­dig, ha­ben al­so Er­fah­rung mit dem Ver­kauf von ex­klu­si­vem Flug­ge­rät. Wie prei­sen Sie den Zep­pe­lin NT an?

Breu­er: Im We­sent­li­chen mit den Ei­gen­schaf­ten, die ich vor­hin schon er­wähnt ha­be, al­so die Mög­lich­keit, mit dem Zep­pe­lin tief, lang­sam, lei­se, spar­sam und aus­dau­ernd zu flie­gen.

Herr Brandt, Sie ha­ben den Zep­pe­lin wie­der­holt als Exo­ten be­zeich­net. Ist das Luft­schiff tat­säch­lich nur ein­zeln an den Mil­lio­när zu brin­gen?

Brandt: Der Zep­pe­lin ist ein exo­ti­sches, aber auch ein­zig­ar­ti­ges Pro­dukt. Da­zu kommt, dass die Prall­luft­schif­fe, von de­nen frü­her welt­weit bis zu 50 vor­wie­gend für Wer­be­flü­ge ge­nutzt wur­den, aus­ster­ben. Auf die­se Wei­se ent­steht ein Markt, und wir soll­ten in Asi­en, kon­kret in Chi­na, oder an­de­ren Re­gio­nen der Welt punk­tu­ell ein Luft­schiff ab­set­zen kön­nen. Es wird aber nie ei­ne Se­ri­en­fer­ti­gung ge­ben, ZLT ist und bleibt ei­ne Ma­nu­fak­tur. Eckhard Breu­er

Mit wie vie­len Mil­lio­nen ist ein Käu­fer der­zeit da­bei?

Brandt: Je nach Aus­stat­tung lie­gen wir beim Stan­dard-Luft­schiff bei 15 bis 16 Mil­lio­nen Eu­ro. Da­zu kommt die Gr­und­aus­stat­tung am Bo­den mit bei­spiels­wei­se dem Mast­wa­gen. Und der Kun­de kann sich wie beim Au­to aus der Box der Mög­lich­kei­ten aus­su­chen, was er möch­te. So dass wir bei 18 Mil­lio­nen Eu­ro auf­wärts sind. Das ist auf dem Luft­fahrt­markt für solch ein Ge­rät aber ein durch­aus üb­li­cher Preis.

Mit dem Zep­pe­lin vom Band wird es al­so eher nichts. Wie kommt das Geld dann rein?

Brandt: Wir ver­die­nen dank un­se­rer Auf­trags­la­ge Geld. Die Deut­sche Zep­pe­lin-Ree­de­rei schreibt schwar­ze Zah­len. Die ZLT tut sich schwe­rer, weil es Jah­re gibt, in de­nen wir nicht pro­du­zie­ren. In den Jah­ren, in de­nen wir ei­nen Zep­pe­lin bau­en, sieht’s po­si­tiv aus, an­sons­ten müs­sen die Struk­tur­kos­ten von den Ge­sell­schaf­tern ge­tra­gen wer­den. Das Ziel muss sein, auch als Ma­nu­fak­tur et­wa al­le zwei Jah­re ein Luft­schiff zu ver­kau­fen. Zu­sätz­lich wol­len wir mit Li­für zenz- und Ser­vice­ver­trä­gen so­wie Er­satz­teil­ge­schäf­ten für die not­wen­di­ge nach­hal­ti­ge Wirt­schaft­lich­keit sor­gen. Denn ZLT und DZR ha­ben um­fang­rei­ches Po­ten­zi­al, wert­vol­les Wis­sen und Er­fah­rung auf­ge­baut.

Jetzt wird es Ernst, Herr Breu­er! Ein klei­ner Test: Fährt oder fliegt der Zep­pe­lin NT?

Breu­er: Für mich ist das mehr ei­ne Fra­ge der Phi­lo­so­phie als ei­ne Fra­ge der Phy­sik. Die Bal­lon­fah­rer sa­gen, dass sie fah­ren, weil sie mit ei­nem Trag­gas leich­ter als Luft un­ter­wegs sind. Beim Zep­pe­lin ist das grund­sätz­lich auch so, aber aus dem Trag­gas ho­len wir nur et­wa 95 Pro­zent des er­for­der­li­chen Auf­trie­bes. Die letz­ten fünf Pro­zent, die nö­tig sind, um das Luft­schiff vom Bo­den in die Luft zu brin­gen, die ho­len wir uns durch den An­trieb und den ae­ro­dy­na­mi­schen Auf­trieb. Für mich sieht das Gan­ze ein­deu­tig nach Flie­gen aus. Des­halb sa­ge ich auch, der Zep­pe­lin fliegt.

War­um wol­len Sie mit­flie­gen, was führt Sie zu den Luft­schiff­bau­ern nach Friedrichshafen?

Breu­er: Ei­ne Ge­schäfts­füh­rungs­po­si­ti­on in ei­nem so tra­di­ti­ons­rei­chen, deut­schen Un­ter­neh­men ist ei­ne fan­tas­ti­sche Ge­le­gen­heit, und ich freue mich sehr, dass ich von den Ge­sell­schaf­tern aus­ge­wählt wor­den bin. Was das Un­ter­neh­men mit nicht ein­mal 100 fest­an­ge­stell­ten Mit­ar­bei­tern leis­tet, ist wirk­lich ein­ma­lig. Es pro­du­ziert den Zep­pe­lin und be­treibt ihn mit der Deut­schen Zep­pe­lin-Ree­de­rei. Wir sind auf der Kun­den­sei­te sehr breit auf­ge­stellt, ha­ben gro­ße Kun­den aus der In­dus­trie, wie zum Bei­spiel Goo­dye­ar, be­die­nen aber auch Kun­den aus der Wis­sen­schaft, wie das Helm­holtz-For­schungs­zen­trum, und wir ver­kau­fen Ti­ckets an den tou­ris­ti­schen Pas­sa­gier, der die Re­gi­on be­sucht. Von der Viel­sei­tig­keit her ist das kaum zu über­bie­ten.

Was plant der neue Chef, in wel­cher Flug­hö­he soll es wei­ter­ge­hen?

Breu­er: Ei­ne gan­ze Men­ge. Zu­nächst geht es dar­um, mit­ten in der flie­ge­ri­schen Hoch­sai­son ei­nen rei­bungs­lo­sen Über­gang hin­zu­be­kom­men, die Mit­ar­bei­ter, die Kun­den, die Nach­barn ken­nen­zu­ler­nen. Dann will ich den Schwung aus der ers­ten Hälf­te der Flug­sai­son, die in Friedrichshafen rich­tig gut an­ge­lau­fen ist, ins zwei­te Halb­jahr mit­neh­men. Es wird dar­um ge­hen, das Goo­dye­ar-Pro­jekt sau­ber zu En­de zu brin­gen, das drit­te Luft­schiff or­dent­lich ab­zu­lie­fern und den Kun­den wei­ter zu un­ter­stüt­zen, um den Flug­be­trieb in den USA si­cher­zu­stel­len. Na­tür­lich ha­be ich auch vor, mit dem Teams, die Zie­le das nächs­te Jahr und die Fol­ge­jah­re zu ver­ein­ba­ren, aber das müs­sen wir erst noch be­spre­chen.

Und Sie Herr Brandt, was ha­ben Sie vor, nach­dem Sie von Bord ge­gan­gen sind?

Brandt: Ich weiß es noch nicht. Ich ha­be vor drei Jah­ren ent­schie­den, dass ich mich jetzt zu­rück­zie­he. Man soll den Stab über­ge­ben, wenn es gut läuft und es Raum gibt für Ve­rän­de­rung und Wei­ter­ent­wick­lung. Ich ver­ste­he mich mit mei­nem Nach­fol­ger bes­tens, und wir wer­den die Über­ga­be Hand in Hand voll­zie­hen. Herr Breu­er hat die Ge­schäfts­füh­rung am 1. Ju­li über­nom­men. Ich wer­de ihm noch acht bis zwölf Wo­chen zur Sei­te, je­doch nicht im Weg ste­hen. Da­nach will ich na­tür­lich wei­ter­hin Pro­jek­te ma­chen, aber auch ein Stück frei­er le­ben, wan­dern, Sport trei­ben und vie­les mehr.

Wenn Sie auf Ih­re 13 Jah­re als ZLTChef zu­rück­bli­cken, gab es ei­nen Hö­he­punkt?

Brandt: Das über sechs Jah­re hart er­kämpf­te Goo­dye­ar-Ge­schäft war ei­ne we­sent­li­che Säu­le für die­ses Un­ter­neh­men. Denn es ging nicht nur um den Ver­kauf von drei Zep­pe­linen, der mehr als 43 Mil­lio­nen Eu­ro ein­brach­te, son­dern schon fast um ei­ne Part­ner­schaft. Dass zwei Un­ter­neh­men ih­re Kräf­te der­art bün­deln, ist und bleibt we­sent­lich für die Fir­ma. In­halt­lich wa­ren die Son­der­mis­sio­nen für die Kli­ma- oder Was­ser­for­schung Le­cker­bis­sen für mich, weil sie ei­nen Bei­trag zum Um­welt­schutz leis­ten, was mir ein per­sön­li­ches An­lie­gen ist. Nicht zu ver­ges­sen die tol­le Zu­sam­men­ar­beit mit dem Team, das mir feh­len wird.

Herr Breu­er, vom Rück- zum Aus­blick: Wie wer­den Sie 20 Jah­re Erst­flug fei­ern?

Breu­er: Ich ken­ne selbst­ver­ständ­lich das Fest­pro­gramm, das die Mit­ar­bei­ter um Herrn Brandt am 8. und 9. Ju­li am Zep­pe­lin-Han­gar auf die Bei­ne stel­len. Ich wer­de auch da sein an dem Wo­che­n­en­de, denn das ist ei­ne sehr schö­ne Ge­le­gen­heit, in ei­nem in­for­mel­len Rah­men Pas­sa­gie­re zu tref­fen und vie­le Freun­de des Un­ter­neh­mens ken­nen­zu­ler­nen.

Zum Ab­schluss ei­ne Fra­ge an Sie bei­de: Herr Brandt, Herr Breu­er, was macht die Fas­zi­na­ti­on Zep­pe­lin aus?

„Der Zep­pe­lin NT war da­mals ein gro­ßer Wurf, sonst wä­re das Pro­dukt heu­te nicht mehr am Le­ben.“ „Zep­pe­line wa­ren nie Se­ri­en­pro­duk­te wie es Ver­kehrs­flug­zeu­ge sind, son­dern Ein­zel­fer­ti­gun­gen nach Auf­trags­ein­gang.“

Breu­er: Ich ge­hö­re zu den Men­schen, die auch als be­ruf­li­cher Viel­flie­ger im­mer noch um ei­nen Fens­ter­platz im Flug­zeug bit­ten. Und es ist ein­fach fas­zi­nie­rend, im Zep­pe­lin zu sit­zen und in ge­rin­ger Hö­he bei ge­rin­ger Ge­schwin­dig­keit, über der Land­schaft zu schwe­ben und ei­nen völ­lig neu­en Blick auf un­se­re Welt zu be­kom­men.

Brandt: Da will ich nur noch eins er­gän­zen. Es kann schon fast ei­ne Le­bens­er­fah­rung sein, mit dem Zep­pe­lin zu flie­gen. Man­che Pas­sa­gie­re er­le­ben ir­gend­et­was, das schwer in Wor­te zu fas­sen ist, in­dem sie auf die Welt hin­un­ter­bli­cken, auf Ort­schaf­ten, in de­nen sie le­ben oder zu Gast sind. Es ist ein sinn­li­ches Er­leb­nis, das die Leu­te glück­lich macht. Nicht um­sonst steigt die über­ra­gen­de Mehr­heit der Pas­sa­gie­re mit ei­nem Lä­cheln aus dem Zep­pe­lin aus.

FOTO: TAN­JA PO­I­MER

Flie­gen­der Wech­sel: Eckhard Breu­er (links) löst Tho­mas Brandt als Ge­schäfts­füh­rer der Zep­pe­lin Luft­schiff­tech­nik ab. Ers­ter Hö­he­punkt für den neu­en Chef ist am 8. und 9. Ju­li die Fei­er des Erst­flugs des Zep­pe­lins NT vor 20 Jah­ren.

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