„Ver­part­nert“gibt es künf­tig nicht mehr

Die recht­li­chen Fol­gen des Bun­des­tags­be­schlus­ses zur Ho­mo­se­xu­el­len-Ehe

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Nachrichten & Hintergrund -

- Der Bun­des­tag hat die „Ehe für al­le“be­schlos­sen. Chris­toph Arens (KNA) be­ant­wor­tet die wich­tigs­ten Fra­gen da­zu:

Wie vie­le ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaf­ten gibt es?

Laut Sta­tis­ti­schem Bun­des­amt gab es in Deutsch­land im Jahr 2015 ge­schätz­te 94 000 gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re, die ge­mein­sam in ei­nem Haus­halt leb­ten. Bei 43 000 han­del­te es sich um ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaf­ten, da­von 20 000 les­bi­sche Paa­re.

Tritt die „Ehe für al­le“jetzt au­to­ma­tisch in Kraft?

Nein. Zu­nächst muss das Ge­setz vom Bun­des­prä­si­den­ten un­ter­zeich­net wer­den; dann müs­sen sich die Stan­des­äm­ter auf die neue Ge­set­zes­la­ge vor­be­rei­ten. Als frühst­mög­li­cher Ter­min gilt der 1. No­vem­ber. Auch wer­den die Le­bens­part­ner­schaf­ten nicht au­to­ma­tisch in Ehen um­ge­wan­delt: Aus­drück­lich müs­sen die bei­den Part­ner in An­we­sen­heit ei­nes Stan­des­be­am­ten er­klä­ren, dass sie ih­re Le­bens­part­ner­schaft in ei­ne Ehe auf Le­bens­zeit um­wan­deln wol­len.

Was wird mit der ein­ge­tra­ge­nen Le­bens­part­ner­schaft?

Be­ste­hen­de Le­bens­part­ner­schaf­ten kön­nen ein­fach wei­ter­ge­führt wer­den. Neue las­sen sich al­ler­dings nicht mehr schlie­ßen – es gibt künf­tig nur noch die Ehe.

Muss das Grund­ge­setz ge­än­dert wer­den?

Das ist um­strit­ten. Be­für­wor­ter ei­ner Gleich­stel­lung ar­gu­men­tie­ren, dass der Ar­ti­kel sechs des Grund­ge­set­zes „Ehe und Fa­mi­lie ste­hen un­ter dem be­son­de­ren Schut­ze der staat­li­chen Ord­nung“in­ter­pre­ta­ti­ons­fä­hig ist und das Ehe­ver­ständ­nis auch auf ho­mo­se­xu­el­le Paa­re aus­ge­dehnt wer­den kann. Aus Sicht der Kri­ti­ker meint Ehe im Sin­ne des Grund­ge­set­zes al­lein die Ehe zwi­schen Mann und Frau. Auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt sei in sei­nen bis­he­ri­gen Ent­schei­dun­gen im­mer von die­ser De­fi­ni­ti­on aus­ge­gan­gen. Es ist des­halb nicht aus­ge­schlos­sen, dass noch ei­ne Ver­fas­sungs­kla­ge in Karlsruhe er­ho­ben wird. Auch der Bun­des­prä­si­dent könn­te ei­ne Un­ter­zeich­nung des Ge­set­zes ab­leh­nen, wenn er Zwei­fel an der Ver­fas­sungs­ge­mäß­heit hat.

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