Bern­hard Sten­ge­le bril­liert beim Heim­spiel

Über­lin­ger Som­mer­thea­ter fei­ert Pre­mie­re mit „Wenn uns nur Lie­be bleibt“

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Salem/deggenhausertal/überlingen -

(li­ma) - Am Sams­tag hat das Über­lin­ger Som­mer­thea­ter in der Ka­pu­zi­ner­kir­che un­ter neu­er Lei­tung sei­ne ers­te von vier Pre­mie­ren ge­fei­ert. „Wenn uns nur Lie­be bleibt“von und mit Bern­hard Sten­ge­le, ist ei­ne gut ge­lun­ge­ne Ein­la­dung zu ei­ner mu­si­ka­li­schen Welt­rei­se. Ei­ne wei­te­re Vor­stel­lung gibt es am Sonn­tag, 30. Ju­li.

„Wenn der Som­mer nicht mehr weit ist“singt Bern­hard Sten­ge­le gleich zu Be­ginn, be­glei­tet von sei­nem jah­re­lan­gen Be­glei­ter am Pia­no: Paul Am­rod. Und bes­ser hät­te der ehe­ma­li­ge Spiel­zeit­lei­ter des Som­mer­thea­ters Meers­burg und Überlingen den Auf­takt nicht wäh­len kön­nen. Im Nu füh­len sich al­le knapp 200 Be­su­cher der Ka­pu­zi­ner­kir­che in Überlingen in das Jahr 2006 zu­rück­ver­setzt oder min­des­tens da­ran er­in­nert, als Sten­ge­le ge­nau die­ses Lied von Kon­stan­tin We­cker sang. Auf­grund der jüngs­ten Ve­rän­de­run­gen beim Som­mer­thea­ter trig­gert er da­mit ein hoch­ex­plo­si­ves und emo­tio­na­les The­ma an, was nicht nur po­si­ti­ve Er­in­ne­run­gen wach­wer­den lässt. Das nutzt Sten­ge­le durch­aus für sich und sein Pro­gramm: „Sei­en Sie da­bei!“, for­dert er das Pu­bli­kum laut­stark auf, sich für das Som­mer­thea­ter zu en­ga­gie­ren und hat da­mit schon gleich zu An­fang sei­nen Fan­club. Denn ei­nes ist durch den Abend hin­weg spür­bar: Das Som­mer­thea­ter in Überlingen soll wei­ter­le­ben.

Das Pro­gramm selbst ist ei­ne gut in­sze­nier­te Mi­schung aus Lie­dern, Ge­dich­ten, Mär­chen und Ge­schich­ten aus den drei Län­dern der Künst­ler. Ein zeit- und kul­tur­über­grei­fen­der Brü­cken­schlag zu heu­te, der von Bern­hard Sten­ge­le, Paul Am­rod und Ou­el­go Té­né mit viel Freu­de und Lei­den­schaft, Rhyth­mus und Ge­fühl; spre­chend, sin­gend und mu­si­zie­rend dar­ge­bo­ten wird. Die drei Prot­ago­nis­ten spie­len sich Bäl­le zu, er­gän­zen sich und las­sen sich ge­gen­sei­tig Raum in der Kir­che, die zwar ein spar­ta­ni­sches Büh­nen­bild, aber ei­nen stim­mi­gen Hin­ter­grund mit her­vor­ra­gen­der Akus­tik lie­fert.

Sten­ge­le packt das Pu­bli­kum mit sei­nen In­ter­pre­ta­tio­nen von tief­sin­ni­gen Kon­stan­tin We­cker Lie­dern, wie „Ge­fro­re­nes Licht“oder „…du magst es grei­fen, doch du be­greifst es nicht“, oder Ge­dicht und Bal­la­de­ein­la­gen, wie „Die Bürg­schaft“von Fried­rich Schil­ler. Sei­ne hu­mor­vol­len Er­läu­te­run­gen, Hin­füh­run­gen oder Kom­men­ta­re da­zwi­schen sind zwar durch­weg kurz­wei­lig, lö­sen aber die auf­ge­bau­te Span­nung in Tei­len zu schnell auf. Die So­li von Pia­nist Paul Am­rod mit sei­nen Ei­gen­kom­po­si­tio­nen „Song of the new world“oder „Pa­ra­di­se is the pain­ted des­sert“lässt den sonst de­zent und sou­ve­rän im Hin­ter­grund be­glei­ten­den Kom­po­nis­ten auf­le­ben und ist ei­ne pas­sen­de Über­lei­tung zum afri­ka­ni­schen Trom­mel­wir­bel­wind Ou­el­go Té­né, der mit ei­ner un­glaub­li­chen Ener­gie und fri­scher Spiel­freu­de ei­ne ganz ei­ge­ne Stim­mung in das Trio hin­ein­trägt. Spä­tes­tens bei sei­ner im­pro­vi­sier­ten In­ter­pre­ta­ti­on des Mär­chens „Die Bre­mer Stadt­mu­si­kan­ten“, die er ge­mein­sam mit Sten­ge­le un­ter vol­lem Kör­per­ein­satz in­klu­si­ve Pu­bli­kums­be­tei­li­gung vor­trägt, hat er das Pu­bli­kum mit links um den Fin­ger ge­wi­ckelt.

Die Es­senz des Abends: „Wir sind al­le at­men­de mensch­li­che We­sen“ist ganz wun­der­bar und ver­sucht an den hoch mo­ti­vier­ten Be­ginn des Abends an­zu­knüp­fen, ob­wohl man sich un­ter­wegs et­was ver­lau­fen hat. Es bleibt ein net­ter Pro­gramm­auf­takt, der sich wie von al­lein in das „Som­mer­thea­ter Überlingen Ge­fühl“ein­fügt und ein groß­ar­ti­ges Heim­spiel für Sten­ge­le selbst ist.

FO­TO: LI­MA

Paul Am­rod, Bern­hard Sten­ge­le und Ou­el­go Té­né ste­hen mit viel Freu­de und Lei­den­schaft auf der Büh­ne.

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