Be­ra­tungs­stel­len fei­ern Ju­bi­lä­um

100 Jah­re An­lauf­stel­le für Fa­mi­li­en – Fest am 18. Ju­li im Bür­ger­haus Kluft­ern

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Bodenseekreis - Von Ly­dia Schä­fer

- Die psy­cho­lo­gi­schen Be­ra­tungs­stel­len der Ca­ri­tas Bo­den­see­kreis in Überlingen und Fried­richs­ha­fen wer­den 100 Jah­re alt. Das soll am Mitt­woch, 12. Ju­li, ab 18.30 Uhr im Bür­ger­haus Kluft­ern ge­fei­ert wer­den. In­ter­es­sier­te sind ein­ge­la­den, die Ar­beit der Be­ra­tungs­stel­len ken­nen­zu­ler­nen und am Fach­vor­trag von Richard Münch­mei­er, Pro­fes­sor für Ju­gend- und So­zi­al­päd­ago­gik, mit dem Ti­tel „Mei­ne El­tern sind blöd – Mei­ne El­tern sind ganz in Ord­nung“teil­zu­neh­men.

„Die 100 steht auf dem Pla­kat in An­füh­rungs­zei­chen“, er­läu­ter­te Ber­na­det­te Lembke von der Be­ra­tungs­stel­le in Überlingen. Der Grund ist, dass sich die 100 auf bei­de Stel­len auf­teilt. Als 1957 die Ca­ri­tas ih­re Be­ra­tungs­stel­le in Überlingen ein­rich­te­te, war es da­mals die ers­te in der Erz­diö­ze­se Frei­burg und des Land­krei­ses Überlingen/Stockach. Ab 1973 ge­hör­te sie zum Bo­den­see­kreis und 1977 kam die Be­ra­tungs­stel­le Fried­richs­ha­fen hin­zu. So­mit ist die An­lauf­stel­le für El­tern, Kin­der und Ju­gend­li­che in Überlingen 60 Jah­re alt und die Häf­ler 40 Jah­re. Vor­her ha­be es zwar in Mark­dorf und Fried­richs­ha­fen Au­ßen­stel­len ge­ge­ben, aber die­se zähl­ten zur Ca­ri­tas in Überlingen.

Was al­le von Be­ginn an hat­ten, war das so­ge­nann­te mul­ti­dis­zi­pli­nä­re Sys­tem. Da be­deu­tet, dass so­wohl Di­plom-Psy­cho­lo­gen als auch So­zi­alund Heil­päd­ago­gen in ei­nem Haus ge­mein­sam be­ra­tend tä­tig sind.

Kos­ten­los und an­onym

Im Jahr be­treu­en die Stel­len gut 1000 Fa­mi­li­en. „Da wir kos­ten­los und an­onym be­ra­ten, wis­sen vie­le Bür­ger die­ses An­ge­bot zu schät­zen“, sagt An­ni­ka Doh­ren­dorf von der Häf­ler Be­ra­tungs­stel­le. Manch­mal sei es auch an­ge­sagt, das Ju­gend­amt als Hel­fer da­zu zu ho­len. „Aber wenn die Fa­mi­li­en das par­tout ab­leh­nen, müs­sen wir das re­spek­tie­ren.“Nur im Fal­le ei­ner Kin­des­wohl­ge­fähr­dung dürf­ten die Mit­ar­bei­ter der Ca­ri­tas das Ju­gend­amt von sich aus ver­stän­di­gen.

In schwie­ri­gen Le­bens­si­tua­tio­nen wie bei ei­ner Tren­nung und Schei­dung, Er­zie­hungs­fra­gen und auch Pro­ble­me, die sich mit der Pu­ber­tät ent­wi­ckeln, sind die An­lauf­stel­len be­ra­tend tä­tig. Sie bie­ten so­wohl Ein­zel­fall­be­ra­tun­gen als auch Gre­mi­en­ar­beit, aber auch Prä­ven­ti­ons­ar­beit an, da­mit es bei­spiels­wei­se im Fal­le ei­ner Schei­dung nicht in­ner­halb der Fa­mi­li­en es­ka­liert. Sie ar­bei­ten im­mer noch mit Fach­kräf­ten aus den un­ter­schied­li­chen päd­ago­gi­schen und psy­cho­lo­gi­schen Be­rei­chen. Es ge­be An­ge­bo­te nur für die El­tern, für die ge­sam­te Fa­mi­lie, aber auch nur für die Kin­der, bei de­nen auch schon mal die Pup­pen zum Ein­satz kom­men, die Ber­na­det­te Lembke und An­ni­ka Doh­ren­dorf auf dem Fo­to in ih­ren Hän­den hal­ten: „Die Pup­pen bie­ten ei­ne gu­te Mög­lich­keit, Hemm­schwel­len ab­zu­bau­en, um mit den Kin­dern Kon­takt auf­zu­neh­men.“

Auf der Ju­bi­lä­ums­fei­er war­tet auf die Be­su­cher ei­ne klei­ne Über­ra­schung, denn das Team der Be­ra­tungs­stel­le möch­ten auf be­son­de­re Art und Wei­se ih­ren Ar­beits­all­tag vor­stel­len. „Wie das aus­sieht, wird aber jetzt noch nicht ver­ra­ten“, sa­gen bei­de. Die Ar­beit ha­be sich in den letz­ten Jah­ren sehr ver­än­dert. Zum ei­nem hät­ten be­trof­fe­ne Fa­mi­li­en nicht mehr ei­ne so ho­he Hemm­schwel­le, auch Hil­fe von au­ßen zu ho­len. Zum an­de­ren sei­en auch die Vä­ter mehr in­vol­viert. Zu Be­ginn ha­be der Schwer­punkt auf der Dia­gnos­tik ge­le­gen – al­ler­dings kei­ne me­di­zi­ni­sche Dia­gnos­tik – und heu­te stün­den Be­ra­tung und Be­glei­tung im Vor­der­grund.

FO­TO: LY­DIA SCHÄ­FER

Ber­na­det­te Lembke (links) von der Ca­ri­tas-Be­ra­tungs­stel­le in Überlingen und ih­re Kol­le­gin aus Fried­richs­ha­fen, An­ni­ka Doh­ren­dorf, la­den zur Ju­bi­lä­ums­fei­er ein.

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