Al­pen­Vol­leys Ha­ching wol­len die Li­ga auf­mi­schen

In der Vol­ley­ball-Bun­des­li­ga star­tet zur neu­en Sai­son ei­ne deutsch-ös­ter­rei­chi­sche Spiel­ge­mein­schaft

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Lokalsport - Von Chris­ti­an Schy­ma

- Manch­mal scheint wirk­lich nichts un­mög­lich. Der FC Bay­ern Mün­chen sucht ei­ne neue sport­li­che Her­aus­for­de­rung, schießt sei­ne To­re fort­an in Spa­ni­ens Pri­me­ra Di­vi­si­on. Und Bo­rus­sia Dortmund star­tet in der eng­li­schen Pre­mier Le­ague, fei­ert dort ein Wie­der­se­hen mit Ex-Trai­ner Jür­gen Klopp. Ei­ne un­denk­ba­re Vor­stel­lung? Im Fuß­ball si­cher­lich, im deut­schen Vol­ley­ball aber durch­aus mach­bar. Dank ei­ner Wild­card spielt der TSV Un­ter­ha­ching ab der kom­men­den Sai­son wie­der in der Bun­des­li­ga – ei­ne grenz­über­grei­fen­de Ko­ope­ra­ti­on mit dem ös­ter­rei­chi­schen Meis­ter Hy­po Ti­rol Inns­bruck macht die Rück­kehr des TSV drei Jah­re nach sei­nem Bun­des­li­ga-Ab­schied mög­lich. Die Hy­po Ti­rol Al­pen­Vol­leys Ha­ching wer­den als No­vum in die His­to­rie der Vol­ley­ball-Bun­des­li­ga ein­ge­hen – und auch als No­vum im deut­schen Spit­zen­sport.

2014 hat­ten sich die Ha­chin­ger nach 14 er­folg­rei­chen Jah­ren im Vol­ley­ball-Ober­haus vom Spiel­be­trieb ab­ge­mel­det. Nach dem Rück­zug des da­ma­li­gen Haupt­spon­sors, dem Ver­si­che­rungs­kon­zern Ge­ne­ra­li, sah sich der Ver­ein au­ßer­stan­de, wei­ter­hin Vol­ley­ball auf al­ler­höchs­tem Ni­veau prä­sen­tie­ren zu kön­nen. Schließ­lich hat­te das Team aus dem Münch­ner Sü­den drei­mal in Fol­ge den DVV-Po­kal ge­won­nen, war zwi­schen 2009 bis 2012 drei­mal deut­scher Vi­ze­meis­ter und lehr­te da­bei auch Se­ri­en­meis­ter VfB Fried­richs­ha­fen in schö­ner Re­gel­mä­ßig­keit das Fürch­ten. Ganz zu schwei­gen von der mehr­ma­li­gen Qua­li­fi­ka­ti­on für die Cham­pi­ons Le­ague.

Doch für den da­ma­li­gen Trai­ner Mi­hai Pa­du­re­tu, heu­te Ge­schäfts­füh­rer des Ver­eins, gab es nur ei­ne Rich­tung: „Ent­we­der ganz oder gar nicht.“Jah­re­lang und bei­na­he rund um die Uhr hat­te sich der Ru­mä­ne mit dem Vor­stand im Groß­raum Mün­chen auf Spon­so­ren­su­che be­ge­ben. Oh­ne Er­folg. „Das war, ist und bleibt hier in Mün­chen ein ganz schwie­ri­ges Un­ter­fan­gen“, sagt Pa­du­re­tu, der sich seit­dem mit gleich gro­ßem En­ga­ge­ment und En­thu­si­as­mus der För­de­rung des Ha­chin­ger Vol­ley­ball-Nach­wuch­ses ver­schrie­ben hat­te. An­fang März war es, da wur­de Vol­leys-Ma­na­ger Han­nes Krontha­ler aus dem 135 Ki­lo­me­ter ent­fern­ten Inns­bruck erst­mals mit der Idee ei­ner Ko­ope­ra­ti­on in Un­ter­ha­ching vor­stel­lig. „Bei uns stand nach 20 Jah­ren die Fra­ge im Raum“, er­zählt Krontha­ler, „ob wir das Er­reich­te nur noch ver­wal­ten oder ob es noch ei­ne an­de­re Mo­ti­va­ti­on gibt.

Da kam die Mög­lich­keit, ei­ne Wild­card lö­sen zu kön­nen, ge­ra­de rich­tig.“Was gar nicht mal so über­ra­schend für Mi­hai Pa­du­re­tu kam. Schließ­lich pfleg­te der TSV schon seit vie­len Jah­ren en­ge Kon­tak­te mit dem ös­ter­rei­chi­schen Nach­barn. Zu­dem gab es wäh­rend die­ser Zeit zahl­rei­che, ge­gen­sei­ti­ge Be­su­che ge­ra­de im Ju­gend­be­reich.

Ko­ope­ra­ti­on für drei Jah­re

Die künf­ti­ge Zu­sam­men­ar­beit ist auf drei Jah­re an­ge­legt und soll die Al­pen­re­gi­on in un­ge­ahn­te Vol­ley­bal­lHö­hen schmet­tern. Das Kon­strukt ist ein­fach: Bei­de Ver­ei­ne be­hal­ten ih­re ei­gen­stän­di­gen Zweit­li­ga-Teams und Nach­wuchs-Mann­schaf­ten, ha­ben für die Bun­des­li­ga ei­ne Be­triebs­Gm­bH ge­grün­det. Der fi­nan­zi­el­le Back­ground ist ge­ge­ben, Spon­sor der Al­pen­Vol­leys ist die Hy­po­ti­rol Bank mit ei­nem Etat von rund 1,1 Mil­lio­nen Eu­ro. „Wenn man ir­gend­wann mal Cham­pi­ons Le­ague spie­len möch­te“, so Han­nes Krontha­ler, „dann ist Ös­ter­reich zu klein. Und Deutsch­land hat die viert­stärks­te Li­ga in Eu­ro­pa, hier will man Vol­ley­ball wei­ter­ent­wi­ckeln.“Und in an­de­ren Län­dern und Sport­ar­ten sei ei­ne län­der­über­grei­fen­de Ko­ope­ra­ti­on doch schon all­täg­lich – wie bei Eis­ho­ckey in den USA und Ka­na­da. „Nur das kann die Zu­kunft sein.“

„Wa­ren zu stark für die Li­ga“

Mi­hai Pa­du­re­tu for­mu­liert je­den­falls schon mal kla­re sport­li­che Zie­le: „Im ers­ten Jahr Platz eins bis fünf, dann un­ter die ers­ten drei und im drit­ten Jahr ins Fi­na­le.“Trai­nings- und Wohn­ort der Spie­ler wird Inns­bruck sein, das be­dingt al­lein schon die Wohn­si­tua­ti­on der bei­den Städ­te. „Ver­su­chen Sie mal, im Raum Mün­chen 15 Woh­nun­gen für die Spie­ler zu fin­den. Un­mög­lich“, schmun­zelt der 50-Jäh­ri­ge. Et­wa ein Drit­tel der Heim­spie­le wer­den im ers­ten Jahr im Mün­che­ner Sü­den aus­ge­tra­gen. Vier Spie­ler stam­men aus dem Meis­ter­ka­der der Ös­ter­rei­cher, das üb­ri­ge Ge­rüst soll in Kür­ze prä­sen­tiert wer­den. Als Über­gangs­trai­ner fun­giert Ste­fan Chr­tians­ky se­ni­or.

„Uns war klar, dass wir sport­lich ge­se­hen et­was än­dern müs­sen. Wir wa­ren zu stark für die Li­ga, ha­ben ge­won­nen, auch wenn wir schlecht ge­spielt ha­ben.“Die Zu­schau­er hät­ten sich mehr und mehr ge­lang­weilt, zu den Heim­spie­len wa­ren nicht mehr als 200 ge­kom­men. In der Qua­li­fi­ka­ti­on zur Cham­pi­ons-Le­ague-Sai­son 2016/17 ge­gen den VfB Fried­richs­ha­fen im No­vem­ber des Vor­jah­res war das an­ders, da ström­ten mehr als 2000 Fans in die Olym­pia­hal­le. „Wir müs­sen den Leu­ten was Bes­se­res an­bie­ten.“Der Ver­ein hat­te sei­ne Füh­ler auch schon mal Rich­tung Ita­li­en aus­ge­streckt, doch dort gab es Pro­ble­me mit der Aus­län­der­re­ge­lung. In Deutsch­land stieß man da­ge­gen auf of­fe­ne Oh­ren. „Wir ha­ben ei­nen star­ken Spon­sor, der TSV die Ba­sis. Da­mit star­ten wir ei­ne neue Ära in bei­den Ver­ei­nen.“

„Kei­ne Schwie­rig­kei­ten“

Fu­sio­nen ru­fen je­doch ge­ra­de im Sport schnell die Kri­ti­ker auf den Plan. „Es gab in bei­den Ver­ei­nen aber über­haupt kei­ne Schwie­rig­kei­ten, kei­ne kri­ti­schen Stim­men,“be­tont Mi­hai Pa­du­re­tu. Für den frü­he­ren Er­folgs­coach wird es al­ler­dings kein Come­back auf der Trai­ner­bank ge­ben. „Ich ha­be das über 20 Jah­re ge­macht, das muss rei­chen. Was ich jetzt ma­che, be­rei­tet mir genau­so gro­ßen Spaß. Mein Hob­by ist der Vol­ley­ball.“Und um des­sen Zu­kunft geht es. „Wir müs­sen et­was an den Struk­tu­ren än­dern. Nur wenn wir das schaf­fen, se­he ich ei­ne Zu­kunft für den Sport.“

AR­CHIV­FO­TO: GKR

VfB-Dia­go­nal­an­grei­fer Da­ni­el Ma­le­scha ver­sucht den Zwei­er­block von Hy­po Ti­rol zu über­win­den. In der neu­en Bun­des­li­ga­sai­son tref­fen die Häf­ler Vol­ley­ball­pro­fis erst­mals auf die Al­pen­Vol­leys.

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