Steu­er­ge­schen­ke für die Mit­te

Die SPD zählt Ein­kom­men von bis zu 100 000 Eu­ro da­zu

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Nachrichten & Hintergrund - Von Han­nes Koch

- Die An­sa­ge der SPD für die Zeit nach der Bun­des­tags­wahl ist klar. Man pla­ne „Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer mit mitt­le­ren und klei­nen Ein­kom­men bei Steu­ern und Ab­ga­ben zu ent­las­ten“. Steu­er­ent­las­tun­gen „mit der Gieß­kan­ne“, al­so auch für Groß­ver­die­ner, wer­de es nicht ge­ben.

Wäh­rend heu­te ab 850 Eu­ro mo­nat­li­chem Brut­to­ein­kom­men die vol­len So­zi­al­bei­trä­ge von knapp 20 Pro­zent fäl­lig wer­den, wol­le die SPD „Nied­rig­ver­die­ner zu­sätz­lich ent­las­ten, die bis zu 1300 Eu­ro mo­nat­lich ver­die­nen“, sagt Lothar Bin­ding, fi­nanz­po­li­ti­scher Spre­cher der SPD im Bun­des­tag. Zwi­schen 851 und 1300 Eu­ro Brut­to­lohn könn­ten die Ab­ga­ben dann all­mäh­lich an­stei­gen – in wel­chen Schrit­ten, ist noch nicht klar.

Au­ßer­dem for­dert die Par­tei, zur pa­ri­tä­ti­schen Fi­nan­zie­rung der Kran­ken­ver­si­che­rung zu­rück­zu­keh­ren. Das heißt: Die Ar­beit­ge­ber müss­ten et­was mehr, die Ar­beit­neh­mer we­ni­ger ent­rich­ten als heu­te.

Bei der Steu­er will die Par­tei den Ta­rif­ver­lauf än­dern. Die Sät­ze der Ein­kom­men­steu­er sol­len für Jah­res­ein­kom­men zwi­schen et­wa 20 000 und 60 000 Eu­ro im Ver­gleich zu heu­te sin­ken. Da­nach stei­gen sie an. Weil je­doch al­le hö­he­ren Ein­kom­men eben­falls von der Ent­las­tung der Mit­te pro­fi­tie­ren, zah­len auch Men­schen we­ni­ger Steu­ern, die um 100 000 Eu­ro im Jahr ver­die­nen (gut 8000 pro Mo­nat). Die­se zählt die SPD noch zur Mit­tel­schicht – ei­ne De­fi­ni­ti­on, über die man strei­ten kann.

Frank Hecht­ner, Pro­fes­sor für Steu­er­wir­kungs­leh­re an der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin, hat aus­ge­rech­net, dass Singles oh­ne Kin­der bis zu ei­nem Jah­res­brut­to­ein­kom­men von knapp 102 000 Eu­ro ent­las­tet wür­den. Dem­ent­spre­chend pro­fi­tier­ten bei­spiels­wei­se auch ver­hei­ra­te­te Dop­pel­ver­die­ner mit zwei Kin­dern, die ge­mein­sam um die 200 000 Eu­ro jähr­lich ein­neh­men.

SPD plant Fa­mi­li­en­split­ting

Erst jen­seits sol­cher Ein­kom­men soll die Steu­er an­stei­gen, weil die SPD den Spit­zen­steu­er­satz auf 45 Pro­zent, ab 250 000 Eu­ro Jah­res­brut­to auf 48 Pro­zent an­he­ben will. Um die Steu­er für Fa­mi­li­en mit Kin­dern fai­rer zu ma­chen, wol­len die So­zi­al­de­mo­kra­ten ein so­ge­nann­tes Fa­mi­li­en­split­ting ein­füh­ren. Im Ver­gleich zum heu­ti­gen Ehe­gat­ten­split­ting wer­den die Vor­tei­le für Al­lein­ver­die­ner-Ehen be­grenzt und Kin­der in die Be­rech­nun­gen ein­be­zo­gen. Al­lein durch ei­nen neu­en Kin­der­bo­nus von 150 Eu­ro könn­te „ein Ehe­paar mit drei Kin­dern 900 Eu­ro im Jahr spa­ren“, heißt es im Kon­zept. Man kann aber zwi­schen dem al­ten und neu­en Split­ting wäh­len.

Der So­li-Zu­schlag auf die Ein­kom­men­steu­er soll ab 2020 für Leu­te ab­ge­schafft wer­den, die bis zu 52 000 Eu­ro pro Jahr ver­steu­ern – spä­ter für al­le.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.