Da stau­nen die ehr­wür­di­gen Kai­ser im Kai­ser­saal

Lud­wigs­bur­ger Blä­ser brin­gen Ba­rock, Jazz und Neue Mu­sik mit

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Salem/deggenhausertal - Von Hel­mut Voith

- Vie­le Plät­ze sind am Sonn­tag­abend frei­ge­blie­ben beim Gast­spiel der Lud­wigs­bur­ger Schloss­fest­spie­le im Kai­ser­saal von Schloss Sa­lem. Das End­spiel Deutsch­land-Chi­le um den Con­fed-Cup 2017 mag da­zu bei­ge­tra­gen ha­ben, eben­so der Ti­tel „Si­gnals from Hea­ven“, der nichts über die zu er­war­ten­de Mu­sik ver­riet. Dass der­zeit an den Wo­che­n­en­den ein Über­an­ge­bot in der Re­gi­on herrscht, kommt er­schwe­rend da­zu.

Vi­el­leicht ganz gut, dass das Pro­gramm aus den Pla­ka­ten nicht er­sicht­lich war, denn Lieb­ha­ber klas­si­scher Kam­mer­kon­zer­te wur­den hier mit ei­nem ge­wöh­nungs­be­dürf­ti­gen Kon­zert kon­fron­tiert, in sehr ho­her Qua­li­tät ge­spielt von den Blä­sern der Lud­wigs­bur­ger Schloss­fest­spie­le, an­ge­führt vom bel­gi­schen Star­trom­pe­ter Je­ro­en Ber­wa­erts, von dem das Kon­zept stamm­te.

Groß­ar­tig und ganz zum er­ha­be­nen Kai­ser­saal pas­send war der Auf­takt mit Clau­dio Mon­te­ver­dis fest­li­cher Toc­ca­ta aus der Oper „Or­feo“, bei der die Mu­si­ker noch im Raum ver­teilt wa­ren. Auch die fol­gen­de Can­zon aus Gio­van­ni Ga­b­rie­lis Samm­lung „Sa­crae Sym­pho­niae“stamm­te noch aus der Zeit vor der des ein­ma­li­gen Kai­ser­saa­les. Ga­b­rie­li blieb der ro­te Fa­den für Ber­wa­erts Pro­gramm, durch das er selbst führ­te. Denn die dort noch üb­li­che Dop­pel­chö­rig­keit – in Sa­lem stan­den je zwei Trom­pe­ten und Po­sau­nen ein­an­der ge­gen­über – ha­be auch spä­te­re Kom­po­nis­ten in- spi­riert. So­mit pen­del­te der Abend zwi­schen Ba­rock, Spi­ri­tu­als, Jazz und Neu­er Mu­sik bis zu den „Si­gnals from Hea­ven“des Ja­pa­ners Tö­ru Ta­ke­mi­t­su.

Ei­ne deut­sche Erst­auf­füh­rung wa­ren die im Fe­bru­ar 2017 ur­auf­ge­führ­ten „Dis­tant Ho­ri­zons“des SchweFer­tig­stel­lung den To­bi­as Broström, der mit fil­mi­schen Har­mo­ni­en Sci­ence-Fic­tionS­to­rys er­zählt: „Star Wars“auf der Kon­zert­büh­ne. Ver­söhn­lich da­nach das Spi­ri­tu­al „No­bo­dy knows the trou­ble I’ve se­en“, bei dem Ber­wa­erts nicht nur be­tö­rend weich und warm auf sei­ner Trom­pe­te spiel­te, als strö­me die Mu­sik gera­de aus ihm her­aus, son­dern mit eben­so sug­ges­ti­ver Stim­me auch sang. Nach ei­ner So­na­ta von Ga­b­rie­li wan­der­te das Pro­gramm zu Gershwins „Sum­mer­ti­me“in ei­ner Be­ar­bei­tung, die dem Jazz wie auch sa­kra­len Tö­nen Raum gab. Be­son­de­re Ge­nüs­se für je­ne, die ger­ne neue kam­mer­mu­si­ka­li­sche Tö­ne hö­ren.

„So et­was hat der Kai­ser­saal noch nicht ge­hört“, mein­te schmun­zelnd Schloss­ver­wal­te­rin Bir­git Rü­ck­ert. Das gilt auch für Ta­ke­mi­t­sus „Si­gnals from Hea­ven“, die teils in den Jazz, teils in die Neue Mu­sik ver­wei­sen. Ob das in 100 Jah­ren noch ge­spielt wird wie Hän­dels Feu­er­werks­mu­sik, sei da­hin­ge­stellt. Glanz­voll ging mit Hän­dels Fest­mu­sik das Kon­zert zu En­de. Auch wenn es hier nicht 17 Trom­pe­ten wie bei der Urauf­füh­rung wa­ren, spreng­te das Vo­lu­men fast den Saal. Herr­lich dif­fe­ren­ziert war das Spiel der Trom­pe­ten, Po­sau­nen, Hör­ner und Tu­ben. Hör- und Seh­ge­nuss bot die Schlag­zeu­ge­rin an den Pau­ken: Sie schweb­te, tanz­te gleich­sam und zau­ber­te mit kräf­ti­gen und hauch­fei­nen Schlä­gen den be­schwing­ten Rhyth­mus. Als Zu­ga­be wie­der­hol­ten die Mu­si­ker die „Réjouis­sance“, „nicht lau­ter, aber noch schnel­ler“, wie Je­ro­en Ber­wa­erts au­gen­zwin­kernd an­kün­dig­te.

FOTO: HEL­MUT VOITH

Trom­pe­ter Je­ro­en Ber­wa­erts di­ri­giert, spielt und singt beim Kon­zert der Blech­blä­ser der Lud­wigs­bur­ger Schloss­fest­spie­le in Sa­lem - hier das feu­ri­ge Fi­na­le mit Hän­dels Feu­er­werks­mu­sik.

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