„Die Lust auf was Neu­es tra­ge ich im­mer in mir“

Das Thi­lo-Wolf-Jazz-Trio spielt am 21. Ju­li bei „Kul­tur un­term Dach“im Vi­n­e­um Bo­den­see

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Meersburg/überlingen -

- Der Mu­si­ker Thi­lo Wolf spricht im In­ter­view mit der „Schwä­bi­schen Zei­tung“über sei­ne Lie­be zur Mu­sik und wie es zu­sam­men­passt, dass er auch Un­ter­neh­mer ist. Mit dem Thi­lo-Wolf-Trio steht er bei sei­nem Kon­zert „A Swin­ging Af­fair“am Frei­tag, 21. Ju­li, um 20 Uhr im Vi­n­e­um Bo­den­see auf der Büh­ne.

Herr Wolf, Sie fei­ern gera­de das 25 jäh­ri­ge Be­ste­hen Ih­rer Thi­lo-Wol­fBig-Band. Herz­li­chen Glück­wunsch!

Dan­ke sehr! Ja, tat­säch­lich ha­be ich mir mit der Grün­dung mei­ner ei­ge­nen Big Band im Al­ter von 24 Jah­ren ei­nen Her­zens­wunsch er­füllt. Be­son­ders stolz bin ich auch dar­auf, dass fünf der et­wa 17 Band­mit­glie­der noch aus der Ori­gi­nal­trup­pe stam­men. Schon im jun­gen Al­ter von 15 Jah­ren be­gann der Wunsch ei­ne ei­ge­ne Big Band zu grün­den in mei­nem Kopf kon­kre­te For­men an­zu­neh­men. Zu die­ser Zeit be­kam ich auch schon meh­re­re Jah­re Ak­kor­de­on und Kla­vier­un­ter­richt …

Wahr­schein­lich gibt es ei­nen Grund für Ih­re Af­fi­ni­tät zur Mu­sik?

Selbst­ver­ständ­lich! Ich bin prak­tisch mit Mu­sik auf­ge­wach­sen. Mein Va­ter und ich hat­ten über die Mu­sik ei­ne sehr en­ge Be­zie­hung zu­ein­an­der. Ge­nau ge­nom­men war er mein größ­ter Fan! Er stand dem Swing sehr na­he, spiel­te selbst Kla­vier und führ­te mich so ganz ne­ben­bei an die­se Art von Mu­sik her­an. Er war es auch, der mich zu vie­len Kon­zer­ten be­glei­te­te, zu de­nen ich sonst im Al­ter von 15 /16 nicht hin­ge­kom­men wä­re. Dar­aus ent­stand u.a. auch ein für mich sehr wich­ti­ger Kon­takt zu dem groß­ar­ti­gen Schlag­zeu­ger Char­ly An­to­li­ni, der in der Jazz­sze­ne der 80er Jah­re ei­ne ech­te Be­kannt­heit war und auch heu­te noch ein her­vor­ra­gen­der Mu­si­ker ist.

Sie spie­len dem­nach auch Schlag­zeug?

Ja, und das auch sehr, sehr gern. Im Al­tern von 16 be­gann mein Un­ter­richt bei eben­die­sem Char­ly An­to­li- ni. Er hat­te mir bei un­se­rer ers­ten Be­geg­nung ei­ne von ihm selbst auf­ge­nom­me­ne Kas­set­te mit­ge­ge­ben und ich durf­te erst wie­der­kom­men, nach­dem ich all das nach­trom­meln konn­te. Nach vier Wo­chen be­herrsch­te ich die zwei­stün­di­ge Haus­auf­ga­be und durf­te als Schü­ler zwei Jah­re lang bei ihm blei­ben.

Ist Ih­nen ein In­stru­ment lie­ber als das an­de­re?

Nun ja, das Kla­vier bot schon viel mehr Mög­lich­kei­ten als das Ak­kor­de­on und das Schlag­zeug wie­der­um ist das wah­re Herz ei­ner Big Band. Wenn das nicht gut funk­tio­niert, gibt es ein wirk­lich gro­ßes Pro­blem! Im Prin­zip ist das wie im mensch­li­chen Kör­per auch – oh­ne das Herz geht gar nichts. Das heißt, ir­gend­wie ge­hört dem Schlag­zeug schon mei­ne größ­te Lei­den­schaft, wes­halb es die Schlag­zeu­ger in mei­ner Big Band wohl auch nicht im­mer so leicht ha­ben (lacht). Die wer­den im­mer be­son­ders kri­tisch dran­ge­nom­men….

Ge­nau, der Big-Band-Le­a­der sind Sie ja auch noch ….

Ja, das stimmt. Aber wis­sen Sie, der Schlag­zeu­ger ist so ein biss­chen wie der Ka­pi­tän ei­ner Fuß­ball­mann­schaft und der Band­lea­der ist so was wie der Trai­ner. Das heißt, ich als Band­lea­der be­stim­me die Aus­rich­tung der Band, ach­te auf ein stim­mi­ges und aus­ge­gli­che­nes Ge­fü­ge in­ner­halb der Band und bin das Ge­sicht nach au­ßen. Aber wenn dann wirk­lich ge­spielt wird auf der Büh­ne, kann ich – wie ein Fuß­ball­trai­ner am Rand – nur noch we­nig be­ein­flus­sen.

Sie sind nicht nur Mu­si­ker, son­dern auch er­folg­rei­cher Un­ter­neh­mer - wie passt das zu­sam­men?

Ich ha­be auf ei­ge­nen Wunsch das Un­ter­neh­men mei­nes Va­ters nach mei­nem BWL Stu­di­um über­nom­men. Ich woll­te wis­sen, wie die Din­ge von Grund auf funk­tio­nie­ren, wie man et­was rich­tig macht. Im Prin­zip geht es mir mit der Mu­sik auch nicht an­ders, auch da bin ich of­fen und neu­gie­rig und möch­te es nicht nur rich­tig, son­dern auch rich­tig gut ma­chen. Auf der an­de­ren Seite ha­ben sich bei­de Stand­bei­ne über die ver­gan­ge­nen Jah­re sehr gut er­gänzt und be­fruch­tet. Mein Un­ter­neh­men gibt mir die fi­nan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten auch ein­mal neue Din­ge aus­zu­pro­bie­ren und die Mu­sik gibt mir Ener­gie und Wert­schät­zung, die ich wie­der­um für mein Un­ter­neh­men brau­che.

Das hört sich nach ei­ner per­fekt funk­tio­nie­ren­den Kom­bi­na­ti­on an.

Im Grun­de schon, gu­te Mu­si­ker und er­folg­rei­che Un­ter­neh­mer sind oft auch gar nicht so weit von­ein­an­der ent­fernt – bei­de soll­ten in der La­ge sein, im rich­ti­gen Au­gen­blick Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men und al­lein für et­was zu ste­hen und auf der an­de­ren Seite auch wis­sen, wann es Zeit ist sich zu­rück­zu­neh­men, um an­de­ren Mit­spie­lern Raum zu ge­ben.

Ih­nen eilt der Ruf vor­aus, dass sie mit Ih­rer Big Band auch im­mer wie­der mu­si­ka­li­sche Gren­zen über­schrei­ten und gern Neu­es aus­pro­bie­ren. Ist das der Grund, war­um Sie bei der neu­en „Kul­tur un­term Dach“-Rei­he der Ab­tei­lung Kul­tur und Mu­se­um in Meers­burg da­bei sind?

Ich ha­be mit der stell­ver­tre­ten­den Ab­tei­lungs­lei­te­rin Ja­na Man­tel be­reits in Nürnberg bei ei­nem über­aus er­folg­rei­chen Ko­ope­ra­ti­ons­pro­jekt der Spar­kas­se Nürnberg mit den Nürn­ber­ger Sym­pho­ni­kern und mei­ner Big Band zu­sam­men­ge­ar­bei­tet. Da­her bin ich si­cher, dass auch das Meers­bur­ger Pro­jekt Hand und Fuß hat. Aber im Grun­de ha­ben Sie schon recht: die Lust auf Neu­es tra­ge ich im­mer in mir. Ich freue mich wirk­lich auf den wun­der­schö­nen Raum im Dach­ge­schoss des neu­en Mu­se­ums Vi­n­e­um Bo­den­see, wo ich der Auf­takt der „Kul­tur un­term Dach“Rei­he bin, ge­mein­sam mit mei­nen bei­den Band­kol­le­gen Mar­kus Schie­fer­de­cker und Paul Höch­städ­ter. Aber na­tür­lich freue ich mich auch, nach lan­gen Jah­ren ein­mal wie­der An­lass zu ha­ben, an den Bo­den­see zu kom­men. (lacht)

FOTO: PR

Schlag­zeu­ger, Big-Band-Le­a­der, Un­ter­neh­mer: Thi­lo Wolf.

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