Als Diddl-Mäu­se hoch im Kurs stan­den

Neue Son­der­aus­stel­lung „Kult! auf dem Schul­hof“im Schul­mu­se­um er­öff­net heu­te

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Friedrichshafen - Von Lin­da Eg­ger

- Was einst der Zau­ber­wür­fel war, ist heu­te der Fid­get Spin­ner – Seit eh und jeh ist der All­tag von Schul­kin­dern auf dem Pau­sen­hof von Kult­ge­gen­stän­den ge­prägt. Was Kult ei­gent­lich ist und wie er sich im Lau­fe der Zeit ge­wan­delt hat, ist The­ma der neu­en Son­der­aus­stel­lung „Kult! auf dem Schul­hof“im Fried­richs­ha­fe­ner Schul­mu­se­um, die am heu­ti­gen Di­ens­tag um 18.30 Uhr er­öff­net wird.

Er ist ei­ne Art Grau­zo­ne, ein Ort zwi­schen Schul­bank und El­tern­haus: Auf dem Schul­hof tau­schen Kin­der und Ju­gend­li­che bun­te Diddl-Blö­cke aus, sprin­gen durch Gum­mi­bän­der oder len­ken sich mit Klatsch­spie­len vom Ler­nall­tag ab. Bis zum 14. Ja­nu­ar 2018 ist die Son­der­aus­stel­lung mit acht The­men­be­rei­chen im Häf­ler Schul­mu­se­um zu se­hen, die den ei­nen oder an­de­ren Be­su­cher zum Schmun­zeln an­re­gen dürf­te. Kaum ei­ner hat nicht in sei­ner Schul­zeit ei­nen Trend mit­er­lebt, der auf dem Pau­sen­hof die Run­de mach­te, sei­en es Ge­gen­stän­de, Mo­de oder Spie­le. Ent­stan­den ist das Pro­jekt in Ko­ope­ra­ti­on mit dem Zep­pe­lin­mu­se­um, das sich der­zeit in der Aus­stel­lung „Kult! Le­gen­den Stars und Bil­di­ko­nen“ähn­li­chen The­men wid­met.

Ex­po­na­te we­cken Er­in­ne­run­gen

„Vie­les fla­ckert nur kurz auf und ist schnell wie­der ver­ges­sen, an­de­re Din­ge sind da­ge­gen ech­te Dau­er­bren­ner“, sagt Schul­mu­se­ums­lei­te­rin Fre­de­ri­ke Lutz. So ist et­wa Gum­mit­wist auf den Schul­hö­fen von heu­te noch genau­so be­liebt wie vor 30 Jah­ren, wie Fried­richs­ha­fe­ner Grund­schü­ler in ei­nem Vi­deo­pro­jekt für die Aus­stel­lung zei­gen. Auch das klas­si­sche Fan­gen- und Ver­steck­spiel oder „Him­mel und Höl­le“, bei dem die Kin­der durch auf den Bo­den ge­zeich­ne­te Fel­der sprin­gen, ste­hen noch im­mer hoch im Kurs.

So­wohl zeit­ge­nös­si­sche als auch his­to­ri­sche Ex­po­na­te sind Teil der Son­der­aus­stel­lung: Ab­ge­grif­fe­ne Sam­mel­kar­ten, ver­gilb­te BRAVOHef­te, Peit­schen­krei­sel oder Trol­le mit bun­ten Haa­ren las­sen Er­in­ne­run­gen an die ei­ge­ne Schul­zeit wach wer­den. Gleich­zei­tig will die Aus­stel­lung je­doch auch kri­tisch hin­ter­fra­gen, wie Kul­te häu­fig stark durch Wer­bung und Mar­ke­ting ge­prägt sind und kom­mer­zia­li­siert wer­den.

Weil Kult nicht nur an Ge­gen­ständ­li­ches ge­bun­den ist, er­gän­zen Vi­de­obei­trä­ge und Mu­sik die Aus­stel­lung. So fla­ckert bei­spiels­wei­se in ei­nem Zim­mer ei­ne Pu­muckl-Fol­ge über den Bild­schirm. Auch Bü­cher wie „Har­ry Pot­ter“oder „Das flie­gen­de Klas­sen­zim­mer“rei­hen sich in die Vi­tri­nen.

Da ver­mut­lich so man­ches in­ter­es­san­te Aus­stel­lungs­stück noch auf Dach­bö­den oder in Kel­lern schlum­mert, sind Häf­ler da­zu ein­ge­la­den, ih­re Kult­ge­gen­stän­de für die Aus­stel­lung zur Ver­fü­gung zu stel­len, die dann in ei­ner ei­ge­nen Vi­tri­ne ih­ren Platz fin­den.

Die Pau­se an sich sei erst seit den 70er Jah­ren et­was, was die Schü­ler in­di­vi­du­ell ge­stal­ten kön­nen, er­klärt die Ku­ra­to­rin Ca­ro­lin Gen­ner­mann und ver­weist auf die Zeit vor dem zwei­ten Welt­krieg, als die Schul­kin­der in der Pau­se drau­ßen im Kreis ge­hen muss­ten, um Be­we­gung zu be­kom­men. Auch im NS-Raum des Mu­se­ums ist das The­ma der Son­der­aus­stel­lung mehr als prä­sent. „Hier muss­ten wir im Grun­de gar nichts ver­än­dern, der Füh­rer­kult ist hier all­ge­gen­wär­tig“, er­klärt Fre­de­ri­ke Lutz.

„Was Kult letzt­end­lich ist, kön­nen wir nicht be­ant­wor­ten“, stellt Ca­ro­lin Gen­ner­mann klar, „aber wir zei­gen, was Kult auf dem Schul­hof meint und auch, wel­che Ge­fah­ren da­von aus­ge­hen“.

FOTO: LIN­DA EG­GER

Echt kul­tig: Auf die neue Son­der­aus­stel­lung im Schul­mu­se­um be­rei­ten sich (von links) Mu­se­ums­lei­te­rin Fre­de­ri­ke Lutz, Ku­ra­to­rin Ca­ro­lin Gen­ner­mann und Mu­se­ums-Mar­ke­ting-Mit­ar­bei­ter Do­mi­nik Hart­lieb vor. Nicht feh­len darf da­bei das Hüpf­spiel „Him­mel und Höl­le“.

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