Adels­pos­se in Pap­pen­heim

Ein pro­mi­nen­ter Bür­ger der Stadt will ein Stück Stra­ße ein­zäu­nen und da­mit den Ver­kehr blo­ckie­ren

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Seite Drei -

Weil dies nicht ge­sche­hen sei, kön­ne der Ei­gen­tü­mer da­mit nun ma­chen, was er wol­le. „Die Stra­ße exis­tiert auf die­sen vier Qua­drat­me­tern of­fi­zi­ell gar nicht.“

Die Fa­mi­lie von Al­brecht Graf von und zu Egloffstein hat das Haus samt Grund­stück vor et­was mehr als zehn Jah­ren ge­kauft. Dass der Graf dort nun ei­nen Zaun auf­stel­len will, hängt aus Sicht des Bür­ger­meis­ters mit ei­nem an­de­ren Streit zu­sam­men: Die Stadt wirft der gräf­li­chen Fa­mi­lie vor, sie ha­be sich bei der Sa­nie­rung des Neu­en Schlos­ses in Pap­pen­heim nicht an ver­trag­li­che Ab­spra­chen ge­hal­ten.

In sechs Bau­ab­schnit­ten soll­te das Pri­vat­schloss sa­niert wer­den. Da­für flos­sen rund 1,3 Mil­lio­nen Eu­ro Zu­schüs­se von Bund, Frei­staat und Stadt. „Sa­niert wur­de aber ent­ge­gen der Ver­trä­ge nur der Teil des Schlos­ses, den man nicht von der Alt­stadt aus se­hen kann. Am Ost­flü­gel ist nichts pas­siert“, sagt der Bür­ger­meis­ter ver­är­gert. Pi­kant dar­an: Der Graf ist Vi­ze-Chef des Lan­des­denk­mal­ra­tes und stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der Deut­schen Bur­gen­ver­ei­ni­gung.

Zu­schüs­se ver­wei­gert

Die Stadt hat dem Gra­fen der­weil wei­te­re Zu­schüs­se aus der Städ­te­bau­för­de­rung ver­wei­gert und ver­langt ei­nen Nach­weis, wo­für die bis­he­ri­gen För­der­gel­der ver­wen­det wur­den. Als Re­ak­ti­on blo­ckie­re die­ser jetzt zahl­rei­che Vor­ha­ben der Stadt, sagt Sinn – et­wa ei­nen neu­en Fuß­gän­ger­steg über die Alt­mühl, die Er­neue­rung ei­nes Trepp­chens als Aus­stiegs­hil­fe für Boot­fah­rer oder das Fäl­len ma­ro­der Bäu­me. Die ge­plan­te Ein­zäu­nung set­ze dem Gan­zen den Gip­fel auf.

Auch im Land­tag war die strit­ti­ge Schloss-Sa­nie­rung be­reits The­ma das Baye­ri­sche Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge prüft den Fall seit Mo­na­ten. Die Gräf­lich Pap­pen­heim'sche Ver­wal­tung äu­ßer­te sich auf An­fra­ge zu­nächst nicht zu den Vor­wür­fen. Über was ge­nau der Stadt­rat am Don­ners­tag­abend be­rät, ist „streng ge­heim“, sagt der CSU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Flo­ri­an Gal­lus. Für ihn steht aber fest, dass ei­ne Ent­eig­nung „das al­ler­letz­te Mit­tel sein muss, wenn wirk­lich al­les an­de­re aus­ge­schöpft ist“. Gall­aus kann sich zum Bei­spiel ei­nen run­den Tisch mit der gräf­li­chen Fa­mi­lie vor­stel­len. „Und wenn der Graf nicht mit dem Bür­ger­meis­ter spre­chen will, dann soll­te man es doch mal mit dem stell­ver­tre­ten­den Bür­ger­meis­ter pro­bie­ren“, meint Gal­lus, der persönlich „vie­le Din­ge“in dem Fall „an­ders ge­macht“hät­te. „Zwi­schen­mensch­lich soll­te man sol­che Si­tua­tio­nen lö­sen kön­nen.“

Ne­ben ei­ner Ent­eig­nung gibt es Sinn zu­fol­ge zwei Al­ter­na­ti­ven für die Stadt: „Dem Gra­fen die vier Qua­drat­me­ter ab­kau­fen oder die Stra­ße auf­wen­dig ver­le­gen. Bei­des wür­de viel Geld kos­ten.“Über ei­ne Ent­eig­nung müss­te wie­der­um das Land­rats­amt Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen ent­schei­den. Wenn der Stadt­rat ei­nen ent­spre­chen­den An­trag stel­le, wer­de die­ser vom Staat­li­chen Land­rats­amt ge­prüft, sagt ei­ne Be­hör­den­spre­che­rin.? Doch in dem Gre­mi­um hat Sinns SPD kei­ne Mehr­heit. Die stellt ein Block aus CSU, Bür­ger­lis­te und Freie Wäh­ler – und der Graf ist CSU-Mit­glied.

FO­TO: DPA

Pep­pen­heims Bür­ger­meis­ter Uwe Sinn (SPD) auf der vier Qua­drat­me­ter gro­ßen Flä­che, die Al­brecht Graf von und zu Egloffstein ein­zäu­nen möch­te.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.