„Ehe für al­le“ist ein Men­schen­recht

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Leserbriefe - Ma­thi­as Schwarz, Nel­ly Gi­u­lia­no, Wolf­gang Trei­ber, Pe­tra Fi­scher, Eugen Schlach­ter, Ma­ria Bott, Ih­re Re­dak­ti­on

Zum The­ma „Bun­des­tag ver­ab­schie­det ,Ehe für al­le’“(1.7.): Die for­ma­le recht­li­che Gleich­stel­lung von Mann und Frau wur­de schon vor Jahr­zehn­ten ins Ge­setz­buch ge­schrie­ben und den­noch wer­den Frau­en heu­te im­mer noch schlech­ter be­zahlt als Män­ner, selbst bei glei­cher Tä­tig­keit und Leis­tung. Das zeigt ganz deut­lich, dass die „Ehe für al­le“nicht bloß ein Wahl­kampf­zu­ge­ständ­nis an „we­ni­ge“ist, son­dern ein ganz wich­ti­ger Schritt in Rich­tung Gleich­be­rech­ti­gung. Die Gleich­be­hand­lung ho­mo­se­xu­el­ler Part­ner­schaf­ten ist ein Men­schen­recht! Dies ist das Kern­an­lie­gen.

Es wä­re gar kei­ne na­ment­li­che Ab­stim­mung im Bun­des­tag nö­tig, um zu wis­sen, dass der ein­zi­ge Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te un­se­res Wahl­krei­ses Vol­ker Kau­der mit Nein stimmt, und das ist nicht nur sym­pto­ma­tisch für die CDU-Füh­rungs­rie­ge, son­dern ganz be­son­ders für Re­gio­nen im länd­li­chen Raum fern­ab vom Groß­stadt­le­ben. Die Ein­stel­lung ge­gen­über Schwu­len und Les­ben reicht oft von nur of­fe­ner Ab­leh­nung bis hin zu Pseu­do-To­le­ranz. Ei­nen wirk­lich of­fe­nen Um­gang mit Les­ben, Schwu­len, Bise­xu­el­len, Trans­se­xu­el­len, Trans­gen­der, In­ter­se­xu­el­len und Quee­ren (LSBTTIQ) ha­ben vie­le Men­schen noch nicht ge­fun­den. Glück­li­cher­wei­se le­ben zu­neh­mend mehr gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re of­fen schwul oder les­bisch und zei­gen da­mit, dass sie ge­nau so nor­mal sind wie he­te­ro­se­xu­el­le Paa­re.

Die „Ehe für al­le“setzt ein wich­ti­ges Si­gnal da­für. Ech­te ge­sell­schaft­li­che To­le­ranz, Ak­zep­tanz und Gleich­heit kann es nur ge­ben, wenn die recht­li­che Gleich­stel­lung da ist. Bis al­le Vor­ur­tei­le und Dis­kri­mi­nie­run­gen ab­ge­baut sind, wird es den­noch ein lan­ger Weg, aber die Zei­chen ste­hen gut. Tutt­lin­gen

Ein rich­ti­ger Schritt

Zum sel­ben The­ma: Ich bin im­mer wie­der er­staunt, wor­über Men­schen sich auf­re­gen und wor­über nicht. Die Ehe für al­le ist nun be­schlos­se­ne Sa­che. Mei­ner Mei­nung nach ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Soll sich lie­ben wer will und hei­ra­ten wen er/sie will. Über die Sor­ge man­cher, das Kin­des­wohl könn­te in ei­ner gleich­ge­schlecht­li­chen Part­ner­schaft ge­fähr­det sein, muss ich doch sehr schmun­zeln. In Deutsch­land wird ak­tu­ell je­des ach­te Kind Op­fer von Ge­walt (Miss­hand­lun­gen, Miss­brauch, Ge­walt, see­li­sche Grau­sam­kei­ten …), die meis­ten Fäl­le pas­sie­ren in der Fa­mi­lie. Was ist hier mit dem Kin­des­wohl? Spaichin­gen

Gleich­stel­lung ist nicht mög­lich

Zum sel­ben The­ma: Der An­trag wur­de zwar mit gro­ßer Mehr­heit im Hau­ruck-Ver­fah­ren und den Ko­ali­ti­ons­ver­trag ver­let­zend be­schlos­sen. Doch Mehr­heits­mei­nun­gen bie­ten noch kei­ne Ge­währ für die Recht­mä­ßig­keit ei­ner Sa­che. Da wer­den gleich­sam per de­fi­ni­tio­nem die Be­grif­fe Ehe und ho­mo­se­xu­el­le Part­ner­schaft gleich­ge­schal­tet, was ei­ner Sprach­klit­te­rung gleich­kommt. Denn nur in ei­ner ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft gibt es die Re­la­ti­on „Mann-Frau“und „Va­ter-Mut­terKind“. Des­halb ist ei­ne Gleich­stel­lung nicht mög­lich und zu­läs­sig. Auch ha­ben Kin­der das un­ein­ge­schränk­te Recht auf die spe­zi­fisch müt­ter­li­che und vä­ter­li­che Zu­wen­dung und Für­sor­ge. Erst in die­sem na­tür­li­chen Span­nungs­feld kann sich ein Kind ganz­heit­lich ent­fal­ten.

Die­sen Ge­ge­ben­hei­ten hat das Grund­ge­setz Rech­nung ge­tra­gen, in­dem es für Ehe und Fa­mi­lie ei­nen be­son­de­ren Schutz vor­sieht. Auch wenn es ei­nen Wan­del des tra­di­tio­nel­len Ehe­ver­ständ­nis­ses gibt, so ist doch die Ehe als sol­che, ih­re Sub­stanz und Ein­ma­lig­keit, kei­ner Ve­rän­de­rung un­ter­wor­fen. Ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner­schaf­ten sind ein Mo­dell, das je­dem of­fen­steht, der es be­an­spru­chen möch­te.

Doch die nun durch par­la­men­ta­ri­schen Mehr­heits­be­schluss er­folg­te Gleich­stel­lung mit ei­ner ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft wi­der­spricht ei­ner lo­gi­schen Nach­voll­zieh­bar­keit. War­um wird der Be­griff Ehe so prio­ri­siert, ob­wohl die­se Le­bens­form doch für vie­le ein eher aus­lau­fen­des Mo­dell mit ver­blas­sen­der Be­deu­tung ist? Wan­gen

Wirt­schaft wich­ti­ger als Na­tur?

Zur Mel­dung „Kret­sch­mann sorgt sich um Flo­ra und Fau­na“(22.6.): Das klingt sehr gut und wir soll­ten al­le dar­an mit­ar­bei­ten, das Ar­ten­ster­ben auf­zu­hal­ten und die Flo­ra und Fau­na zu schüt­zen. Aus die­sem Grund wur­den in den letz­ten Jah­ren zwölf Pro­zent der Lan­des­flä­che von Ba­den-Würt­tem­berg zu Fau­na-Flo­ra-Ha­bi­tat und wei­te­re fünf Pro­zent zu Vo­gel­schutz­ge­bie­ten im Rah­men des eu­ro­päi­schen Schutz­ge­biets­netz Na­tu­ra-2000 aus­ge­wie­sen. Das sind Baustei­ne, die hel­fen, das Ar­ten­ster­ben zu ver­rin­gern oder zu­min­dest ab­zu­schwä­chen. Es soll­te al­les dar­an ge­setzt wer­den, hier noch mehr zu tun und das Schutz­ge­biets­netz wei­ter aus­zu­bau­en und nicht wie­der zu re­du­zie­ren.

Doch ge­nau so ei­ne Re­du­zie­rung soll jetzt in An­griff ge­nom­men wer­den. Di­rekt vor der Haus­tür von Herrn Kret­sch­mann, in Beu­ronThier­gar­ten im obe­ren Do­nau­tal, mit­ten im Na­tu­ra-2000 Ge­biet, soll ein hal­ber Berg ab­ge­tra­gen wer­den um hoch­rei­ne Kal­ke zu ge­win­nen. Mit ei­nem ge­sun­den Men­schen­ver­stand kann man sich leicht vor­stel­len, dass ein St­ein­bruch wei­te­re Ar­ten ver­trei­ben wird. Die Pflan­zen im Ab­bau­ge­biet wer­den ver­nich­tet, In­sek­ten, Schmet­ter­lin­ge, Na­ger und Säu­ge­tie­re so­wie Vö­gel wer­den ver­trie­ben.

Kann der wirt­schaft­li­che Nut­zen denn so viel grö­ßer sein als der Na­tur­schutz? Und das in ei­nem solch sen­si­blen Ge­biet, in dem die Na­tur bis­lang noch re­la­tiv in­takt ist; wo Men­schen aus den Bal­lungs­ge­bie­ten ger­ne Ur­laub ma­chen und die Ru­he und un­be­rühr­te Na­tur ge­nie­ßen wol­len.

In­no­va­ti­ve Kon­zep­te ge­sucht

Zum Ar­ti­kel „Wir­bel um Kret­sch­manns Läs­ter-Vi­deo“(24.6.): Die Welt – zu­min­dest die grü­ne Welt und die Me­di­en­welt – ge­rät in Wal­lung, wenn ein pro­mi­nen­ter Po­li­ti­ker wie Mi­nis­ter­prä­si­dent Kret­sch­mann sei­ne Mei­nung sagt. Wir müs­sen froh sein, dass es sol­che Po­li­ti­ker noch gibt. In der gro­ßen Mehr­zahl wird von die­ser Spe­zi­es doch eher viel ge­re­det und (fast) nichts ge­sagt. Man fragt sich, was die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten die­ser Par­tei die letz­ten vier Jah­re so ge­macht ha­ben. Ei­gent­lich Zeit ge­nug, um klu­ge Ide­en für ei­ne öko­no­misch-öko­lo­gisch-so­zi­alori­en­tier­te Er­neue­rung in Kon­zep­te zu gie­ßen. Lie­ber fal­len sie de­nen in den Rü­cken, die in Stutt­gart re­gie­ren. Die Par­tei soll­te end­lich er­wach­sen wer­den und sich vom ewi­gen Emo­tio­nal-Fun­da­men­ta­lis­mus ver­ab­schie­den. Wir brau­chen für un­ser Land in­no­va­ti­ve Kon­zep­te – kei­ne Ver­bo­te. Das Kon­zep­tio­nel­le ist die be­vor­zug­te Her­an­ge­hens­wei­se von Mi­nis­ter­prä­si­dent Kret­sch­mann.

Ma­sel­heim

Mu­tig

Beu­ron-Thier­gar­ten Zum Le­ser­brief „Zum Ar­ti­kel ,Grü­ne: Ho­frei­ter ver­tei­digt sich ge­gen Kri­tik von Kret­sch­mann“‘ (26.6.): Bra­vo Herr Kret­sch­mann, da hat ei­ner den Mut, sich zu äu­ßern und nicht im­mer mit­zu­ju­cken.

Tett­nang

Lie­be Le­se­rin­nen, lie­be Le­ser,

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Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne).

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