Künst­ler stel­len in ehe­ma­li­ger Schle­cker-Fi­lia­le aus

Der Freun­des­kreis Kunst Uhl­din­gen-Mühl­ho­fen zeigt „Akt, Fi­gur, Gestalt“im Kunst­raum Uhl­din­gen-Mühl­ho­fen

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Meersburg/überlingen - Von Na­di­ne Sapot­nik

- Dort wo sich vor ei­ni­gen Jah­ren Dusch­gel an Dusch­gel ge­reiht hat, hängt heu­te Kunst. In den Räu­men der ehe­ma­li­gen Schle­cker-Fi­lia­le an der Linz­gau­stra­ße 32 in Uhl­din­gen-Mühl­ho­fen zeigt der Freun­des­kreis Kunst Uhl­din­gen Mühl­ho­fen sei­ne ak­tu­el­le Aus­stel­lung „Akt, Fi­gur, Gestalt“– zu ent­de­cken gibt es ei­ni­ge nam­haf­te Künst­ler.

Viel wer­keln in dem ehe­ma­li­gen La­den­lo­kal muss­ten die Mit­glie­der des Ver­eins nicht. „Wir ha­ben rund ei­ne Wo­che auf­ge­räumt und die Wän­de weiß ge­stri­chen“, sagt Eli­sa­beth He­cken­ber­ger-Hol­stein, Vor­sit­zen­de des Ver­eins. An das Ge­schäft von frü­her er­in­nert mitt­ler­wei­le nur noch die Be­leuch­tung. Ne­on­röh­re, an Ne­on­röh­re strah­len von der De­cke – die kom­men den Künst­lern nun zu­gu­te und set­zen ih­re Kunst ins op­ti­ma­le Licht.

Für das The­ma „Akt“ha­ben sich die Or­ga­ni­sa­to­ren be­wusst ent­schie­den. „Je­der Künst­ler hat schon mal ei­nen Akt ge­zeich­net und sol­cheWer­ke zu­hau­se“, sagt Car­la Ch­le­ba­rov, zwei­te Vor­sit­zen­de des Freun­des­krei­ses, die auch selbst aus­stellt. Au­ßer­dem ha­be der Akt ei­nen ge­wis­sen Reiz für die Künst­ler, denn beim Zeich­nen wür­den sie sich in­ten­siv in ih­re Mo­del­le ein­füh­len und zu­gleich vie­les aus­pro­bie­ren, zum Bei­spiel wie die Kom­po­si­ti­on von Pro­por­tio­nen funk­tio­niert. „Es ist ein­fach die bes­te Schu­le um Zeich­nen zu ler­nen“, sagt sie.

Die­se Ex­pe­ri­men­te ha­ben die Künst­ler auf ver­schie­de­ne Ar­ten um­ge­setzt. Ne­ben zwei ver­gleichs­wei­se un­schein­ba­ren Ak­ten mit Tu­sche hängt Chel­ba­rovs „Bo­ris“. Ein groß­flä­chi­ger Akt, der es sich auf ei­nem ro­sa­far­be­nen So­fa be­quem ge­macht hat. „Bo­ris ist mein Akt­mo­dell aus Mün­chen“, sagt sie. Vor ei­ni­gen Jah­ren ha­be er sie in Uhl­din­gen in ih­rem Ate­lier be­sucht und dort sei dann das Bild ent­stan­den.

Die Aus­stel­lung zeigt nicht nur Ma­le­rei. Auch Skulp­tu­ren und ei­ne Klang­in­stal­la­ti­on sind un­ter den Wer­ken. Die In­stal­la­ti­on stammt von Micha­el Kussl. „El­fen­rei­gen“nennt sie sich und zeigt ei­ne Me­tall­ar­beit, die sich zu Ge­sang und Klän­gen sei­ner Frau Dor­le Fer­ber be­wegt. Kussl stellt in der Aus­stel­lung auch sei­ne (ehe­ma­li­ge) Werk­t­statt­s­tür aus – ver­ziert mit zwei py­ra­mi­den­för­mi­gen Kör­pern, die durch ih­re An­ord­nung an Brüs­te er­in­nern. „Su-Su“hat er sei­ne Tür ge­nannt. „Das ist In­do­ne­sisch und heißt Brüs­te“, sagt der Künst­ler. Al­le Wer­ke ste­hen auch zum Ver­kauf. Doch dass sich je­mand sei­ne Tür zu­hau­se auf­hängt oder sie viel­leicht so­gar als Tür be­nutzt er­war­tet der Künst­ler nicht. „Ich er­war­te gar nichts“, sagt Kussl und lacht.

Un­ter den Künst­lern sind auch ei­ni­ge, die nicht im Ver­ein sind, son­dern als Gäs­te aus­stel­len. Dar­un­ter Joa­chim Lam­becht, Bar­ba­ra Baum­gart oder Uli Wink­ler. „Der Kunst­raum ist ei­ne Be­geg­nunsg­stät­te von un­ter­schied­li­chen Men­schen, die das glei­che tun“, sagt Ch­le­ba­rov. Und dar­um ge­he es auch bei der Aus­stel­lung. „Au­ßer­dem ist Akt ein dank­ba­res The­ma“, sagt He­cken­ber­ger-Hol­stein. „Es fühlt sich je­der da­von an­ge­spro­chen.“

Der Kunst­ver­ein hat das La­den­lo­kal nur zwi­schen­ge­mie­tet. Bei der Mie­te sei ih­nen der Be­sit­zer sehr ent­ge­gen ge­kom­men. „Sonst hät­ten wir uns das als klei­ner Ver­ein nicht leis­ten kön­nen“, sagt He­cken­ber­gerHol­stein. Der­zeit ge­hö­ren 40 Mit­glie­der zum Freun­des­kreis. Wenn es ei­nen In­ter­es­sen­ten für die Räu­me des ehe­ma­li­gen Dro­ge­rie­mark­tes gibt, wer­den die Künst­ler das La­den­lo­kal räu­men. „So wie es der­zeit aus­sieht, müs­sen wir En­de Ok­to­ber wie­der aus­zie­hen“, sagt He­cken­ber­gerHol­stein.

Doch das kommt den Mit­glie­dern gar nicht un­ge­le­gen. Da­durch, dass sie den An­spruch ha­ben den Raum stän­dig neu zu be­spie­len, ist die Or­ga­ni­sa­ti­on und Pla­nung recht in­ten­siv. „Ich möch­te auch mal wie­der Zeit zum Kunst­ma­chen ha­ben“, sagt Ch­le­ba­rov – da­für wird dann ab En­de des Jah­res ge­nug Zeit sein.

FO­TO: NA­DI­NE SAPOT­NIK

Micha­el Kussl (links), Eli­sa­beth He­cken­ber­ger-Hol­stein (Mit­te) und Car­la Ch­le­ba­rov sind zu­frie­den mit dem Er­geb­nis der Aus­stel­lung, bei der Au­to­di­dak­ten und pro­fes­sio­nel­le Künst­ler aus­stel­len.

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