Strei­chel­han­dy weist den Weg nach Rom

He­di und Gün­ther Bret­zel sind be­geis­tert von Ita­li­en-Rad­tour

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Friedrichshafen -

in Bri­sig­hel­la vor dem Pas­so del­la Col­la oder in Cor­to­na in Um­bri­en. „Wir wa­ren et­was leicht­sin­nig, weil wir nicht aufs Pro­fil ge­ach­tet hat­ten“, er­zählt Gün­ther Bret­zel im Hin­blick auf die Tos­ka­na. Schein­bar un­zäh­li­ge der ke­gel­för­mi­gen Ber­ge stan­den auf der Rou­te im Weg und muss­ten er­klom­men wer­den. Die Her­aus­for­de­rung war um­so grö­ßer, weil die bei­den mit nor­ma­len Tou­ren­rä­dern un­ter­wegs wa­ren. „Den Strom hat­ten wir in den Ober­schen­keln da­bei“, sagt Gün­ther Bret­zel scherz­haft. Für Pe­del­ec-Fah­rer hält er die Tour nur be­dingt ge­eig­net, weil es sehr viel berg­auf und über ab­ge­le­ge­ne Stra­ßen geht, wo das Auf­la­den des Ak­kus nicht im­mer mög­lich ge­we­sen wä­re. Au­ßer­dem muss­ten sie die Rä­der fürs Nacht­la­ger mehr­mals über Nacht in den ers­ten Stock tra­gen. Auch un­er­fah­re­nen Tou­ren­fah­rern rät er von der Tour ab. „Die Rou­ten sind nicht be­schil­dert und oh­ne den GPS-Track, den es gra­tis zum Buch da­zu­gab, wä­re es ei­ne Qu­al ge­we­sen“. Et­was ge­wöh­nungs­be­dürf­tig fan­den sie es, mit Na­vi zu fah­ren. „Das hat so­gar in den Ser­pen­ti­nen an­ge­sagt, wenn ei­ne Kur­ve kam“, sagt He­di Bret­zel amü­siert. Und wenn doch mal et­was un­klar war, hat He­di Bret­zels gu­ter Ori­en­tie­rungs­sinn die bei­den wie­der auf den rich­ti­gen Weg ge­bracht.

Zum Über­nach­ten ha­ben sie Ho­tels oder ein Bed-&-Bre­ak­fast-Häu­ser an­ge­steu­ert. Ur­sprüng­lich war ge­plant, sich wie bei bis­he­ri­gen Tou­ren erst spon­tan am Abend nach ei­nem Schlaf­platz um­zu­schau­en. Das ging aber schon am ers­ten Tag gründ­lich da­ne­ben, weil al­le Ho­tels in Adria we­gen ei­nes in­ter­na­tio­na­len Fecht­tur­niers aus­ge­bucht wa­ren. Al­so noch­mal zehn Ki­lo­me­ter stram­peln, bis sie nach 85 Ki­lo­me­tern die Rä­der ab­stel­len konn­ten. Nach dem Er­leb­nis gin­gen Bret­zels auf Num­mer si­cher und buch­ten be­reits von un­ter­wegs ei­ne Un­ter­kunft für die Nacht. Da­bei kam ih­nen das „Strei­chel­han­dy“, das sie von ih­ren Kin­dern samt den be­nö­tig­ten Apps be­kom­men hat­ten, zu­gu­te. „So viel Tech­nik hat­ten wir noch nie da­bei“, er­zählt Gün­ther Bret­zel. Hilf­reich war auch, dass He­di Bret­zel ex­tra noch ih­re Ita­lie­nisch­kennt­nis­se auf­ge­bes­sert hat­te. „Das war gut, denn nicht über­all wird eng­lisch ge­spro­chen“, sagt sie.

Die Rou­te führ­te meis­tens auf ab­ge­le­ge­nen We­gen ab­seits des Au­to­ver­kehrs und der tou­ris­ti­schen Zen­tren. „Uns sind auf der ge­sam­ten Tour kei­ne an­de­ren Rad­fah­rer be­geg­net“, sagt He­di Bret­zel. Das Ge­päck hat­ten sie wie im­mer in je­weils zwei Sat­tel­ta­schen da­bei. Wie bei er­fah­re­nen Rad­ur­lau­bern üb­lich, be­fan­den sich ein Tri­kot plus Rad­ho­se für den Tag und ein Out­fit für den Abend im Ge­päck. „Da ist es be­son­ders är­ger­lich, wenn ei­nem gleich am ers­ten Tag in Ve­ne­dig ei­ne Tau­be aufs Hemd scheißt“, er­zählt Bret­zel und lacht.

Was die bei­den auf ih­rer ins­ge­samt vier­wö­chi­gen Tour be­son­ders fas­zi­niert hat, wa­ren die un­ter­schied­li­chen Land­schaf­ten. „Ita­li­en war für uns bis­her ein gro­ßer Cam­ping­platz mit lau­ter Deut­schen“, ge­steht der Häf­ler. „Wir ha­ben zum ers­ten Mal ge­se­hen, wie viel­fäl­tig das Land ist.“Um­bri­en mit „in­ter­es­san­ten Städ­ten und über­ra­schen­den Land­schaf­ten“hat be­son­ders be­ein­druckt.

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FO­TO: PRI­VAT

Ge­schafft: Auf der 6. Etap­pe ha­ben Gün­ther und He­di Bret­zel den Pas­so del­la Col­la, der auf hal­ber Stre­cke zwi­schen Ra­ven­na und Flo­renz liegt, über­quert.

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