Fromm und streit­bar bis zu­letzt

Kar­di­nal Joa­chim Meis­ner ist mit 83 Jah­ren im Ur­laub in Bad Füs­sing ge­stor­ben

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Nachrichten & Hintergrund -

be­son­ders in der DDR ent­wi­ckelt. Mit der Fa­mi­lie flüch­te­te er 1945 nach Thü­rin­gen, wo er nach ei­ner Bank­leh­re Pries­ter und dann Weih­bi­schof in Er­furt wur­de. 1980 kam er als Bi­schof in die ge­teil­te Stadt Ber­lin und leg­te sich mit Hone­cker und Ge­nos­sen an. An­ge­sichts der So­wjet­ster­ne auf vie­len öf­fent­li­chen Ge­bäu­den der DDR rief er beim Dresd­ner Ka­tho­li­ken­tag 1987 in die Men­ge, dass die Ka­tho­li­ken „kei­nem an­de­ren Stern fol­gen als dem von Beth­le­hem“.

Jo­han­nes Paul II., zu dem Meis­ner ein en­ges per­sön­li­ches Ver­hält­nis pfleg­te, woll­te ihn nach dem Tod von Kar­di­nal Jo­seph Höff­ner ge­gen den Wil­len des Dom­ka­pi­tels an der Spit­ze des Erz­bis­tums Köln ha­ben. Meis­ner wech­sel­te am 12. Fe­bru­ar 1989 von der Spree an den Rhein – neun Mo­na­te vor dem Fall der Mau­er. In Köln, sei­ner vier­ten „Hei­mat“, kämpf­te er seit­dem nicht mehr ge­gen staat­lich ver­ord­ne­ten At­he­is­mus, son­dern ge­gen die Gott­ver­ges­sen­heit in ei­ner kon­sum­ori­en­tier­ten Welt.

Ge­gen Ab­trei­bung

Die be­son­de­re Auf­merk­sam­keit Meis­ners galt dem Le­bens­schutz. Scharf wand­te er sich ge­gen Ver­su­che, ak­ti­ve Ster­be­hil­fe zu er­lau­ben: „Der Mensch soll an der Hand des Men­schen ster­ben, nicht aber durch sei­ne Hand.“Nicht min­der en­er­gisch pran­ger­te er Ab­trei­bun­gen und For­schun­gen an Em­bryo­nen an, um „alt und krank ge­wor­de­nes Le­ben sa­nie­ren zu kön­nen“.

Meis­ner woll­te den Glau­ben an den Mann oder die Frau brin­gen, oh­ne die­sen „zu ver­bil­li­gen“. Glau­bens­fes­te wie der Köl­ner Welt­ju­gend­tag 2005 oder der Eu­cha­ris­ti­sche Kon­gress 2013 in der Stadt mit Ele­men­ten wie An­be­tun­gen und Beich­ten la­gen ihm mehr als Ka­tho­li­ken­ta­ge, wo „zu viel dis­ku­tiert und zu we­nig ge­be­tet“wer­de. Ihm ge­fiel auch nicht das abs­trak­te Dom-Fens­ter des Künst­lers Gerhard Rich­ter, weil es „eher in ei­ne Mo­schee oder ein an­de­res Ge­bets­haus“als in die go­ti­sche Ka­the­dra­le pas­se.

Er­schüt­tert re­agier­te der Kar­di­nal 2013 auf den Rück­tritt von Papst Be­ne­dikt XVI., mit dem er eben­falls

FO­TO: IMAGO STOCK & PEOP­LE

Kar­di­nal Meis­ner bei sei­ner Ver­ab­schie­dung im Köl­ner Dom im Jahr 2014.

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