Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge nicht an­ge­mel­det – För­der­geld weg

Bun­des­ge­richts­hof spricht Grund­satz­ur­teil über die Rück­for­de­run­gen der Ein­spei­se­ver­gü­tung von Strom­netz­be­trei­bern bei zu spät re­gis­trier­ten An­la­gen

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Wirtschaft -

(dpa) - Ei­ne klei­ne Schlud­rig­keit kommt et­li­che So­lar­strom-Er­zeu­ger teu­er zu ste­hen: Wer es ver­säumt hat, sei­ne Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge ord­nungs­ge­mäß an­zu­mel­den, muss mit dem Ver­lust ei­nes Groß­teils der Ein­nah­men rech­nen. Das er­gibt sich aus ei­nem Ur­teil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) in Karlsruhe. Dort ver­lor ein Land­wirt aus Schles­wig-Hol­stein am Mitt­woch in letz­ter In­stanz sei­nen Pro­zess we­gen ho­her Rück­for­de­run­gen. Die Ent­schei­dung gibt die Li­nie auch für an­de­re Fäl­le vor.

Der Mann hat­te sei­ne neue An­la­ge nicht wie vor­ge­schrie­ben bei der Bun­des­netz­agen­tur ge­mel­det. Ei­gent­lich nur ei­ne For­ma­lie – der Ge­setz­ge­ber macht da­von aber den An­spruch auf die För­der­mit­tel für den Strom aus er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en ab­hän­gig. Der Netz­be­trei­ber for­der­te des­halb die Ein­spei­se­ver­gü­tung zu­rück, in die­sem Fall rund 45 500 Eu­ro für et­wa zwei­ein­halb Jah­re oh­ne An­mel­dung.

Kein Ein­zel­fall: Laut Bun­des­re­gie­rung mel­de­ten deutsch­land­weit al­lein zwi­schen Ja­nu­ar und Sep­tem­ber 2015 rund 4500 Be­trei­ber ih­re An­la­gen zu spät an. Da­zu ka­men bis An­fang Ok­to­ber 2016 noch ein­mal knapp 8700 neue Fäl­le. Mit­ge­zählt wer­den al­le An­la­gen, die mehr als drei Wo­chen zu spät ge­mel­det wur­den. Nur 83 der knapp 8700 Meldungen gin­gen mit mehr als ei­nem Jahr Ver­spä­tung ein. Für wie vie­le die­ser Be­trei­ber das ei­ne Rück­for­de­rung be­deu­tet, ist nicht be­kannt.

Nicht im­mer geht es um ho­he Ver­lus­te. Aber al­lein die Schles­wig-Hol­stein Netz AG, die für den in Karlsruhe ent­schie­de­nen Fall zu­stän­dig ist, ver­langt der­zeit nach ei­ge­nen An­ga­ben von gut 200 So­lar­strom-Er­zeu­gern ei­ne Ge­samt­sum­me von drei bis vier Mil­lio­nen Eu­ro zu­rück. Beim BGH sind gleich meh­re­re Fäl­le an­hän­gig, dar­un­ter auch der ei­nes Land­wirts, der nach ei­nem Ur­teil des Ober­lan­des­ge­richts Schles­wig rund 200 000 Eu­ro zu­rück­zah­len soll.

Die An­wäl­te des Land­wirts, der jetzt gut 45 500 Eu­ro ver­liert, hat­ten ver­sucht, die Ver­ant­wor­tung dem Netz­be­trei­ber zu­zu­schie­ben, um von die­sem Scha­den­er­satz zu be­kom­men. Bei ei­nem „gan­zen Pa­cken von For­mu­la­ren“hät­te die­ser ge­nau­er dar­auf ach­ten müs­sen, dass al­le Vor­aus­set­zun­gen er­füllt sind, ar­gu­men­tier­te BGH-An­walt Pe­ter Wassermann. Al­ler­dings hat­te die Schles­wig-Hol­stein Netz AG in ei­ner Check­lis­te so­gar ab­ge­fragt, ob die An­la­ge der Bun­des­netz­agen­tur ge­mel­det sei. Der Be­trei­ber hat­te das an­ge­kreuzt und un­ter­schrie­ben.

Und selbst wenn es kei­ne Check­lis­te gibt – die Rich­ter se­hen bei den Netz­be­trei­bern ge­ne­rell kei­ne Ver­säum­nis­se. Ei­ne Auf­klä­rungs­pflicht be­ste­he nicht. Je­der So­lar­strom-Er­zeu­ger ste­he in der Ver­ant­wor­tung, sich zu in­for­mie­ren und sei­ne An­la­ge kor­rekt an­zu­mel­den. Die Netz­be­trei­ber er­füll­ten mit der Rück­for­de­rung nur ih­re Pflicht.

Die An­mel­de­zah­len wer­den be­nö­tigt, um die Sub­ven­tio­nen zen­tral zu steu­ern. Die har­ten Stra­fen sind des­halb ge­wollt. Zeit­wei­se wur­de Be­trei­bern oh­ne An­mel­dung die Ein­spei­se­ver­gü­tung kom­plett ge­stri­chen. Seit der jüngs­ten Re­form des Er­neu­er­ba­re-Ener­gi­en-Ge­set­zes sind die Stra­fen aber deut­lich mil­der. Heu­te droht noch ein Ver­lust von 20 Pro­zent.

FO­TO: DPA

Je­der So­lar­strom-Er­zeu­ger steht in der Ver­ant­wor­tung, sei­ne An­la­ge kor­rekt an­zu­mel­den, ur­teil­ten die BGH-Rich­ter.

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