Wie sich die Kir­che ver­bes­sern soll

Ka­tho­li­sche Pfarr­ge­mein­de ver­schickt Fra­ge­bö­gen und er­hofft sich An­re­gun­gen

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Markdorf/bermatingen/service - Von Mar­vin We­ber

- Mit­glie­der­schwund, Dop­pel­mo­ral und feh­len­de An­pas­sung an die ak­tu­el­len Ge­ge­ben­hei­ten: Mit die­sen Pro­ble­men hat die Kir­che in Deutsch­land be­reits seit vie­len Jah­ren zu kämp­fen. In Ber­ma­tin­gen will die ka­tho­li­sche Pfarr­ge­mein­de pro­ak­tiv ge­gen die­se an­kämp­fen. 1954 Fra­ge­bö­gen hat das Team der Ge­mein­de an al­le Ka­tho­li­ken ab 14 Jah­ren in Ber­ma­tin­gen und Ahau­sen ver­schickt. Mit den Ant­wor­ten er­hofft sich die Pfarr­ge­mein­de An­re­gun­gen, was die ka­tho­li­sche Kir­che vor Ort ver­bes­sern könn­te.

Was wür­de Ber­ma­tin­gen und Ahau­sen gut­tun? Was wün­schen sich die Bür­ger von der ka­tho­li­schen Kir­che? Die­se Fra­gen sol­len durch die Ak­ti­on ge­klärt wer­den. „Ich weiß ei­gent­lich nie ge­nau, was ge­fragt oder ge­wollt ist“, sagt Vi­kar Jo­han­nes Tref­fert. Ne­ben all­ge­mei­nen Fra­gen wie An­ga­ben zur Person und wo die Ge­mein­de­mit­glie­der zum Got­tes­dienst ge­hen, wünscht sich das Ge­mein­de­team auch kon­kre­te An­re­gun­gen und Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge. „Auch mit Kri­tik kön­nen wir gut le­ben. Wir er­hof­fen uns ein Mei­nungs­bild, das in völ­li­ger Of­fen­heit for­mu­liert wird“, sagt der 31-Jäh­ri­ge, der seit rund zwei Jah­ren als Vi­kar in der Ge­mein­de ak­tiv ist.

Ve­rän­de­run­gen vor Ort

„Die Kir­che denkt in Jahr­hun­der­ten und ist so­mit im­mer et­was hin­ter dem ak­tu­el­len Zeit­geist und et­was rea­li­täts­fern“, sagt Tref­fert. Es sei wich­tig nicht im­mer nur zu re­agie­ren, son­dern auch ein­mal selbst­stän­dig ei­nen Schritt nach vor­ne zu ma­chen. „Wir kön­nen hier in Ber­ma­tin­gen na­tür­lich nicht das Welt­ge­sche­hen be­ein­flus­sen, aber für das Ge­mein­de­le­ben vor Ort kön­nen wir mit die­ser Ak­ti­on viel­leicht et­was be­zwe­cken“, sagt der Vi­kar. Ne­ben dem Ta­ges­ge­schäft blei­be ihm je­doch we­nig Zeit und Kraft, um sich über Ve­rän­de­run­gen Ge­dan­ken zu ma­chen. Da­her sei Tref­fert froh, dass er von dem zehn­köp­fi­gen Ge­mein­de­team un­ter­stützt wer­de.

Die Aus­wer­tung der Fra­ge­bö­gen er­folgt in völ­li­ger An­ony­mi­tät. „Wer will, kann aber auch ei­nen per­sön­li­chen Kon­takt an­ge­ben“, sagt Tref­fert. Spä­tes­tens nach den Som­mer­fe­ri­en soll die Aus­wer­tung der Fra­ge­bö­gen er­fol­gen. Der Vi­kar und das Ge­mein­de­team hof­fen na­tür­lich auf mög­lichst vie­le Rück­ant­wor­ten. Die aus­ge­füll­ten Bö­gen kön­nen in ge­kenn­zeich­ne­ten Bo­xen in den Kir­chen in Ber­ma­tin­gen und Ahau­sen, in Kin­der­gär­ten oder bei „Frie­do­lin“in Ahau­sen ab­ge­ge­ben wer­den. Die Ab­ga­be im Pfarr­bü­ro so­wie die Rück­sen­dung per Post sind eben­falls mög­lich. Die Er­geb­nis­se der Aus­wer­tung sol­len an­schlie­ßend im Pfarr­ge­mein­de­rat prä­sen­tiert wer­den. „Auch in an­de­ren Ge­mein­den der Seel­sor­ge­ein­heit Mark­dorf wird un­ser Vor­ha­ben mit gro­ßem In­ter­es­se ver­folgt“, sagt Tref­fert.

Im Fo­kus ste­hen für Vi­kar Tref­fert vor al­lem jun­ge Fa­mi­li­en mit Kin­dern so­wie die Ju­gend­ar­beit, die oh­ne­hin sei­ne „Her­zens­an­ge­le­gen­heit“sei. „Aber auch in an­de­ren Be­rei­chen er­hof­fen wir uns An­re­gun­gen, was in der Ge­mein­de ge­wünscht wird“, sagt er. In den zwei Jah­ren ha­be er be­reits ver­sucht, ers­te Ver­bes­se­run­gen zu er­zie­len. „Wir ha­ben den Got­tes­dienst von 9 Uhr auf 9.30 Uhr ver­legt.“Viel­leicht kön­ne man auch auf An­ge­bo­te ver­wei­sen, die es be­reits gibt, die in der Be­völ­ke­rung je­doch nicht be­kannt sei­en, wie den Be­suchs­dienst für Al­lein­ste­hen­de.

FO­TO: MAR­VIN WE­BER

Vi­kar Jo­han­nes Tref­fert hofft auf mög­lichst vie­le aus­ge­füll­te Fra­ge­bö­gen, die in Bo­xen, wie die­ser in der St. Ge­org Kir­che in Ber­ma­tin­gen, ab­ge­ge­ben wer­den.

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