Die­ses Jahr bleibt die Mü­cken­pla­ge am Bo­den­see aus

Vie­le Lar­ven sind nicht ge­schlüpft: Ur­sa­chen sind der nied­ri­ge Was­ser­stand und Tro­cken­heit – Ti­ger­mü­cken am Ober­rhein

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Friedrichshafen/salem/meersburg - Von Chris­toph Dier­king

– „Bssss“ist das Ge­räusch, mit dem sich die läs­ti­gen Blut­sau­ger an­kün­di­gen. Im letz­ten Jahr wa­ren vie­le Mü­cken am Bo­den­see un­ter­wegs, um den Men­schen das Le­ben schwer zu ma­chen. Doch in die­sem Jahr ist es an­ders: „Vie­le Mü­cken­lar­ven sind nicht ge­schlüpft“, sagt Gerhard Kerst­ing, der Lei­ter des Na­tur­schutz­zen­trums Eriskirch.

Stech­mü­cken­weib­chen be­vor­zu­gen feuch­te Bö­den, um ih­re Eier ab­zu­le­gen. In­fra­ge kom­men Wald­bö­den und Wie­sen, die sich in Was­ser­nä­he be­fin­den. Wenn das Was­ser steigt, schlüp­fen die Lar­ven. Der­zeit ist der Was­ser­stand des Bo­den­sees nied­rig. Des­halb sei­en we­ni­ger Mü­cken un­ter­wegs, lässt Kerst­ing wis­sen. Ei­ne wei­te­re Ur­sa­che sei die Tro­cken­heit, die im Früh­ling und Som­mer vor­ge­herrscht ha­be. Stech­mü­cken­männ­chen ha­ben ei­ne ge­rin­ge­re Le­bens­er­war­tung als ih­re weib­li­chen Art­ge­nos­sen, die et­wa sechs Wo­chen alt wer­den. „Die Männ­chen le­ben nur für die Lie­be“, sagt Kerst­ing und fügt hin­zu: „Nur die Weib­chen ste­chen.“Über das Blut neh­men sie Ei­wei­ße auf, die sie brau­chen, um Eier zu ent­wi­ckeln.

Die asia­ti­sche Ti­ger­mü­cke ist in Ba­den-Würt­tem­berg nach­ge­wie­sen wor­den. Bis­her al­ler­dings nur an we­ni­gen Or­ten. Das In­sekt ist ro­bus­ter als die ein­hei­mi­sche Stech­mü­cke. Und es steht im Ver­dacht, für den Men­schen ge­fähr­li­che Vi­ren zu über­tra­gen. „Mir ist nicht be­kannt, dass die Ti­ger­mü­cke im Bo­den­see­kreis ver­brei­tet ist“, sagt Kerst­ing. „Aber am Ober­rhein gibt es sie.“

Mü­cken, die nicht ste­chen

Wer abends am Bo­den­see spa­zie­ren geht, wird Mü­cken be­mer­ken, die sich in Säu­len auf- und ab­wärts be­we­gen. Die­se be­fin­den sich – zum Leid­we­sen vie­ler Rad­fah­rer – häu­fig auch auf dem Rad­weg. Es han­delt sich um Zuck­mü­cken. „Die ste­chen nicht“, er­klärt Kerst­ing. „Mü­cke ist nicht gleich Mü­cke.“Die In­sek­ten er­fül­len im Öko­sys­tem wich­ti­ge Funk­tio­nen: Zuck­mü­cken­weib­chen le­gen ih­re Eier im Was­ser ab. Weil die Lar­ven Al­gen fres­sen, ver­bes­sern sie die Was­ser­qua­li­tät. Gleich­zei­tig sind sie ei­ne wich­ti­ge Nah­rungs­quel­le für Fi­sche. Die ge­schlüpf­ten Zuck­mü­cken wer­den wie­der­um von Vö­geln ge­fres­sen, vor al­lem von Schwal­ben.

FO­TO: DPA

Nur die weib­li­chen Mü­cken ste­chen. Sie be­nö­ti­gen die Ei­wei­ße aus dem Blut, um Eier zu ent­wi­ckeln.

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