Das Röss­le ist wie­der ge­schlos­sen

Ge­nos­sen­schaft ist auf Päch­ter­su­che

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Erste Seite - Von Mar­ti­na Wol­ters

Die Ge­nos­sen­schaft in Sa­lem ist wie­der auf Päch­ter­su­che.

Mit­te Mai des ver­gan­ge­nen Jah­res hat die ei­gens da­für ge­grün­de­te Ge­nos­sen­schaft die Tra­di­ti­ons­gast­stät­te „Röss­le“in Sa­lem-Mit­tels­ten­wei­ler wie­der­er­öff­net und das neue Päch­ter­ehe­paar Gi­uli­et­ta-An­na Bri­en­za und Sem-Ja­phet Kanz­in­ger der Öf­fent­lich­keit prä­sen­tiert. Knapp ein Jahr spä­ter, ge­nau­er seit dem 1. Ju­li, sind die Gast­haus­tü­ren wie­der ver­schlos­sen. Die Ge­nos­sen­schafts­vor­stän­de su­chen ei­nen neu­en Be­trei­ber.

„Wir sind auf der Su­che nach ei­nem neu­en Päch­ter“, sag­te Vor­stands­mit­glied El­mar Notheis auf Nach­fra­ge der Schwä­bi­schen Zei­tung. Als Grün­de führt er „wirt­schaft­li­che Pro­ble­me“auf Päch­ter­sei­te an. In der jüngs­ten Haupt­ver­samm­lung sei­en die Ge­nos­sen­schafts­mit­glie­der über die Schlie­ßung in­for­miert wor­den.

„Die Reiß­lei­ne ge­zo­gen“

Gleich­wohl be­tont Notheis, Kanz­in­ger sei stets be­flis­sen ge­we­sen, sich nach Kun­den­wün­schen zu rich­ten. Mehr­fach ha­be der ge­bür­ti­ge Kon­stan­zer mit lang­jäh­ri­ger Er­fah­rung im Gas­tro­no­mie­be­reich das Spei­sen­an­ge­bot über­ar­bei­tet und ver­schie­de­ne Ak­tio­nen an­ge­bo­ten, lei­der nur mit mä­ßi­gem Er­folg. Als dann schließ­lich die Pacht nicht ein­ge­gan­gen sei, hät­ten sich die Vor­stands­mit­glie­der „ge­gen­über der Ge­nos­sen­schaft ver­pflich­tet ge­fühlt“und in Ab­stim­mung mit dem Wirt die Reiß­lei­ne ge­zo­gen“, er­zählt Notheis.

Ho­he Per­so­nal- und Ener­gie­kos­ten hät­ten in kei­nem Ver­hält­nis zur durch­schnitt­li­chen Be­su­cher­zahl ge­stan­den, er­klär­te Kanz­in­ger im Te­le­fon­ge­spräch. Die Be­triebs­kos­ten hät­ten haupt­säch­lich über die Dorf­be­woh­ner ge­deckt wer­den sol­len. Denn tou­ris­ti­schen Durch­gangs­ver­kehr gibt es so gut wie kei­nen. Die La­ge sei nicht op­ti­mal, be­tont er. Si­cher ha­be es auch gu­te Zei­ten und Stamm­gäs­te ge­ge­ben, aber letzt­lich sei das Gan­ze für ihn „be­triebs­wirt­schaft­lich nicht mehr stemm­bar“ge­we­sen. Die aus­ste­hen­de Pacht wer­de aber be­gli­chen und al­les ord­nungs­ge­mäß ab­ge­wi­ckelt, so Kanz­in­ger.

Grün­de da­für, dass die Ge­nos­sen­schafts­idee, das Tra­di­ti­ons­gast­haus in der Dorf­mit­te wie­der­zu­be­le­ben, bis­lang nicht auf­ging, gibt es ver­schie­de­ne für Kanz­in­ger. Zum ei­nen sind für ihn „bei­de Sei­ten zu en­thu­si­as­tisch“ge­we­sen. Auch die Ge­nos­sen­schafts­vor­ga­ben nach ei­ner bür­ger­li­chen Kü­che hat der ge­lern­te Wein­kü­fer in sei­nem Röss­le­all­tag nicht be­stä­tigt ge­fun­den. Der Trend ge­he mehr zu Piz­za, Ham­bur­gern und Dö­ner und weg vom Gut­bür­ger­li­chen“, sagt er.

Ei­nen „un­glück­li­chen Start“räumt Kanz­in­ger eben­falls ein. Auf­grund von tech­ni­schen und ört­li­chen De­fi­zi­ten bei gleich­zei­tig gro­ßem Be­su­cher­an­drang sei es an­fäng­lich zu Eng­päs­sen ge­kom­men. So et­was spre­che sich lei­der viel schnel­ler her­um, als al­les das, was an­schlie­ßend gut lief, meint auch Notheis ent­täuscht.

Wie es wei­ter­geht mit dem „Röss­le“ist noch of­fen. An­non­cen in Rich­tung Päch­ter­su­che sind nach An­ga­ben Nothei­sens be­reits ge­schal­tet. Das Päch­ter­kon­zept soll­te pas­sen zum Hin­ter­land und ent­spre­chend güns­ti­ge­re Prei­se an­bie­ten, fin­det er.

FO­TO: MW

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Das Röss­le in Mit­tels­ten­wei­ler braucht ei­nen neu­en Päch­ter.

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