23-jäh­ri­ger Ra­ser muss ins Ge­fäng­nis

Drei Jah­re Haft für Tod ei­ner 14-Jäh­ri­gen – BGH kas­siert Ur­teil ge­gen Köl­ner Ra­ser

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Panorama - Von Kat­ja Spon­holz

(dpa) - Ein 23-jäh­ri­ger Saar­län­der, der im Au­gust in ei­ne Grup­pe Ju­gend­li­cher ge­rast war und da­bei ei­ne 14-Jäh­ri­ge ge­tö­tet und an­de­re ver­letzt hat, muss ins Ge­fäng­nis. We­gen fahr­läs­si­ger Tö­tung, vor­sätz­li­cher Ge­fähr­dung des Stra­ßen­ver­kehrs und fahr­läs­si­ger Kör­per­ver­let­zung ver­ur­teil­te ihn das Amts­ge­richt Saar­lou­is am Don­ners­tag zu drei Jah­ren Haft.

Das Ge­richt blieb da­mit nur leicht un­ter dem An­trag der Staats­an­walt­schaft, die drei Jah­re und vier Mo­na­te ge­for­dert hat­te. Der Ver­tei­di­ger hat­te auf ei­ne Be­wäh­rungs­stra­fe plä­diert, weil sei­nem Man­dan­ten le­dig­lich der Vor­wurf ge­macht wer­den kön­ne, dass er vor ei­ner Kur­ve „zu spät wie­der ver­lang­samt“ha­be.

Tat­säch­lich war Den­nis M. mit ei­nem Opel Za­fi­ra, den er zu ei­nem Renn­au­to mit 250 PS um­ge­baut hat­te und für den die Be­triebs­er­laub­nis er­lo­schen war, mit et­wa Tem­po 90 in ei­ne en­ge Rechts­kur­ve ge­rast. Dort war er von der Stra­ße ab­ge­kom­men und in die Grup­pe von drei Ju­gend­li­chen ge­schleu­dert. „Das war kein Au­gen­blicks­ver­sa­gen, das je­dem hät­te pas­sie­ren kön­nen“, ur­teil­te Rich­ter Micha­el Wag­ner, „son­dern Sie fuh­ren mit höchst­mög­li­cher Ge­schwin­dig­keit, um Fun zu ha­ben und Ih­re Gren­zen zu tes­ten.“

Ent­setzt zeig­te er sich, dass Den­nis M. fast ein Jahr nach dem Un­fall noch im­mer ein Fo­to von sei­nem Au­to als Pro­fil­bild bei Face­book ha­be – „von ei­nem Au­to, das so viel Un­glück über so vie­le Men­schen ge­bracht hat. Das ist mit nor­ma­lem Men­schen­ver­stand nicht mehr fass­bar“, sag­te der Rich­ter.

Nicht nur die bei­den Au­gen­zeu­gen und Freun­de des to­ten Mäd­chens, son­dern auch des­sen El­tern und de­ren zehn­jäh­ri­ger Bru­der, der seit dem Un­fall kaum noch spre­che, be­fin­den sich noch im­mer in psy­cho­lo­gi­scher Be­hand­lung. „Sie hät­ten ei­ni­ges tun kön­nen, um mei­nen Man­da­ten den Pro­zess und die Ver­ar­bei­tung der Tra­gö­die ein biss­chen zu er­leich­tern“, warf die An­wäl­tin der Op­f­er­fa­mi­lie dem An­ge­klag­ten vor. Der An­ge­klag­te ha­be kei­ner­lei Reue oder Be­trof­fen­heit ge­zeigt. „Aber al­les, was Sie da­zu ge­tan ha­ben, hat da­zu ge­führt, dass der Pro­zess zu ei­nem wei­te­rem Trau­ma ge­wor­den ist.“

Der Vor­sit­zen­de Rich­ter sag­te, er näh­me dem An­ge­klag­ten nicht ab, dass sei­ne Ent­schul­di­gung an die El­tern im Schluss­wort „tat­säch­lich von Reue ge­prägt“sei. Wag­ner nann­te in sei­ner Be­grün­dung für das Straf­maß auch „ge­ne­ral­prä­ven­ti­ve Er­wä­gun­gen“und ver­wies auf die Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­ho­fes in Karls­ru­he. Die­ser hat­te am Mor­gen ein Ur­teil des Köl­ner Land­ge­richts ge­gen zwei Män­ner teil­wei­se auf­ge­ho­ben, weil die Haft­stra­fen zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt wa­ren. Bei ei­nem Au­to­ren­nen in Köln war ei­ne 19 Jah­re al­te Rad­fah­re­rin töd­lich ver­letzt wor­den.

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