Po­li­ti­ker sind sich ei­nig bei der So­zi­al­po­li­tik

Stif­tung Lie­benau lädt zum Po­di­ums­ge­spräch vor der Bun­des­tags­wahl ein – Bert­hold Broll: Dia­log fort­füh­ren

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Meckenbeuren/Immenstaad - Von Sieg­fried Groß­kopf

- Die fünf Wahl­kreis­kan­di­da­ten von CDU, SPD, Bünd­nis­grü­nen, Lin­ken und FDP für die Bun­des­tags­wahl am 24. Sep­tem­ber ha­ben ges­tern im Schloss der Stif­tung Lie­benau ih­re Zie­le in der So­zi­al­po­li­tik for­mu­liert. Und die Ei­nig­keit war groß.

Ge­lobt wur­de uni­so­no et­wa das Bun­des­teil­ha­be­ge­setz, das fort­ge­schrie­ben wer­den soll. Har­mo­nie herrsch­te auch bei der For­de­rung, die Be­ru­fe im So­zi­al­be­reich at­trak­ti­ver zu ge­stal­ten. Al­len Un­ken­ru­fen zum Trotz ist de­ren Image nicht so schlecht: In 2016 ha­ben 68 000 jun­ge Men­schen bun­des­weit dort ei­ne Aus­bil­dung be­gon­nen.

Mo­de­riert von Ul­rich Do­bler von der St­abs­stel­le Po­li­tik & In­ter­na­tio­na­les der Stif­tung und das Po­li­ti­kDeutsch er­klärt von El­ke Schätz­le von der Lie­benau Teil­ha­be, lob­te Vor­stands­vor­sit­zen­der Bert­hold Broll ein­gangs das in den ver­gan­ge­nen vier Jah­ren von der Gro­ßen Ko­ali­ti­on Ge­leis­te­te in der So­zi­al­po­li­tik. Auf­grund der grund­le­gen­den Ve­rän­de­run­gen sei­en al­ler­dings vie­le Fra­gen noch of­fen und der Um­bau nicht auf Knopf­druck zu be­wäl­ti­gen. Der Dia­log müs­se fort­ge­führt wer­den. Bei­spiels­wei­se zur Fra­ge, wie mit dem Fach­kräf­te­man­gel im So­zi­al­be­reich um­ge­gan­gen wer­den soll. Als Mit­glied im Ge­sund­heits­aus­schuss des Bun­des­tags konn­te MdB Lothar Rieb­sa­men (CDU) aus sei­nem Ex­per­ten-Vor­sprung schöp­fen.

Zum Teil­ha­be­ge­setz, das seit 1. Ja­nu­ar in Kraft ist, sag­te er, „was mög­lich war in den ver­gan­ge­nen vier Jah­ren, ha­ben wir gut hin­be­kom­men“. Wich­tig sei in der nächs­ten Le­gis­la­tur­pe­ri­ode, ei­ne Kas­se ein­zu­rich­ten, um Be­trie­be zu un­ter­stüt­zen, die Men­schen mit Han­di­cap ein­stel­len. In die­sen Fir­men soll es ei­ne Be­treu­ung und Ver­tre­tung (wie ein Be­triebs­rat) für die­se Men­schen ge­ben, de­ren Sor­gen manch­mal an­de­re sei­en, als die von Nicht­be­hin­der­ten.

Le­on Hahn (SPD) for­der­te, Men­schen mit Be­hin­de­rung in den Mit­tel­punkt zu stel­len. Das könn­te mit mehr Per­so­nal ge­lin­gen. Sie sei­en gleich­wer­ti­ge Mit­glie­der der Ge­sell­schaft. Ih­nen soll auch ein Wahl­recht ein­ge­räumt wer­den, in wel­cher Ein­rich­tung sie le­ben wol­len. Clau­dia Haydt (Lin­ke) weiß von Dut­zen­den Fäl­len in Ba­den-Würt­tem­berg, wo Men­schen zwangs­wei­se und oh­ne Wahl­frei­heit zu­ge­wie­sen wer­den. Mar­kus Böh­len (Bünd­nis­grü­ne) hält In­klu­si­on im An­satz zwar für rich­tig, al­ler­dings „zu kurz ge­sprun­gen“. In Schu­len sei für ei­ne in­di­vi­du­el­le Be­treu­ung Geld und Per­so­nal nö­tig, das es da­für nicht aus­rei­chend ge­be. Um­setz­bar sei In­klu­si­on. Chris­ti­an Stef­fen-Stiehl (FDP) kri­ti­siert die zeit­auf­wen­di­ge Do­ku­men­ta­ti­ons­pflicht in den Ein­rich­tun­gen, die der Hin­wen­dung zu den Pfle­gen­den ab­ge­he. Das The­ma Pfle­ge wer­de noch ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung. Die aus­ge­bil­de­te Heim­er­zie­hungs­pfle­ge­rin Clau­dia Haydt sieht das Teil­ha­be­ge­setz auf dem Weg in die rich­ti­ge Rich­tung. Al­ler­dings spie­ge­le es das Recht auf selb­stän­di­ges Le­ben nicht wi­der.

Le­on Hahn for­der­te ein Mo­dell, um Kom­mu­nen bei der Um­set­zung zu un­ter­stüt­zen und die Teil­ha­be vor Ort ge­währ­leis­ten zu kön­nen. Denn: Man­che Städ­te und Ge­mein­den ha­ben mehr oder we­ni­ger Geld als an­de­re. Lothar Rieb­sa­men sieht die Kom­mu­nen und Land­krei­se an­ge­spro­chen, die aus Ber­lin da­für fünf Mil­li­ar­den Eu­ro er­hal­ten.

Ob das aus­reicht sei noch of­fen. Er ist al­ler­dings zu­ver­sicht­lich, denn die Steu­er­ein­nah­men sei­en der­zeit nicht nur in Ber­lin, son­dern auch bei den Kom­mu­nen „her­vor­ra­gend“.

Die Per­so­nal­aus­stat­tung zu ver­bes­sern, da­mit sich die Men­schen in den Ein­rich­tun­gen auf­ge­ho­ben füh­len, ist ei­nes der wei­te­ren An­lie­gen. Die Pfle­gen­den soll­ten bes­ser be­zahlt wer­den, weil vie­le vom Ge­halt nicht le­ben könn­ten. Es müs­se soich noch ei­ne Men­ge än­dern.

FO­TO: SIEG­FRIED GROSSKOPF

Auf dem Po­di­um herrscht weit­ge­hend Ei­nig­keit zur So­zi­al­po­li­tik.

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