Der Gip­fel des Gip­fels

Das ers­te Tref­fen von Trump und Pu­tin stand in Ham­burg im Zen­trum des In­ter­es­ses

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Nachrichten & Hintergrund - Von Sa­bi­ne Lenn­artz

- Do­nald Trump, Wla­di­mir Pu­tin und ein Hand­schlag – der Gip­fel des Gip­fels, das war un­be­strit­ten das ers­te per­sön­li­che Tref­fen des ame­ri­ka­ni­schen und des rus­si­schen Prä­si­den­ten am Ran­de des G20-Gip­fels. Un­freund­lich­kei­ten im Vor­feld, Schuld­zu­wei­sun­gen und die rus­si­sche Ein­mi­schung in den ame­ri­ka­ni­schen Wahl­kampf ha­ben im Vor­feld die per­sön­li­che Kon­takt­auf­nah­me der bei­den Prä­si­den­ten er­schwert. Und doch ge­lang ei­ne faust­di­cke Über­ra­schung. Die bei­den ei­nig­ten sich auf ei­ne Waf­fen­ru­he für ei­nen Teil Sy­ri­ens.

Ham­burg ist im Aus­nah­me­zu­stand. Der ICE fährt nur bis Ham­burg Haupt­bahn­hof – weil in Al­to­na „Per­so­nen auf den Glei­sen sit­zen“, wie es in der Durch­sa­ge heißt. Im Ho­tel wird man freund­lich be­grüßt: „We­nigs­tens ha­ben Sie es ge­schafft.“

Und die Gip­fel­teil­neh­mer in der Mes­se wis­sen dies. EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­an-Clau­de Juncker ver­si­chert, man wis­se genau, was drau­ßen in Ham­burg vor sich geht. Stra­ßen­kämp­fe, bren­nen­de Au­tos.

Und auch drin­nen ist die G20Welt nicht in Ord­nung. Es gibt Aus­ein­an­der­set­zun­gen über Frei­han­del und Kli­ma, Flücht­lin­ge und Hun­ger­be­kämp­fung. Und als die deut­sche Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel mit­tags um 13 Uhr die Gäs­te noch ein­mal of­fi­zi­ell be­grüßt, kün­digt sie schon ei­ne schlaf­lo­se Nacht für ih­re Sher­pas, die Un­ter­händ­ler an, die das Ab­schluss­kom­mu­ni­qué fer­tig­stel­len müs­sen.

Trump als Links­au­ßen

Pro­blem­fäl­le wie US-Prä­si­dent Trump und den tür­ki­schen Prä­si­den­ten Er­do­gan hat sie be­reits ei­nen Tag zu­vor per­sön­lich ge­spro­chen. Jetzt steht Trump weit ent­fernt von der Kanz­le­rin ganz links, als das ers­te Fa­mi­li­en­fo­to auf­ge­nom­men wird. Frank­reichs Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron steht Mer­kel er­kenn­bar nä­her. „Herz­lich will­kom­men in Deutsch­land“sagt An­ge­la Mer­kel, und er­klärt das Sym­bol des Ham­bur­ger Gip­fels, den see­män­ni­schen Kreuz­kno­ten. „Je grö­ßer die Be­las­tung ist, des­to fes­ter wird die­ser Kno­ten.“Mer­kel hat schwie­ri­ge Ge­sprä­che vor sich, und sie ver­weist auf die Ver­ant­wor­tung der G20, auf Mil­li­ar­den Men­schen, die auf po­si­ti­ve Er­geb­nis­se des Gip­fels hof­fen. Sie ap­pel­liert noch ein­mal an die Kom­pro­miss­be­reit­schaft der Teil­neh­mer, al­ler­dings „oh­ne sich zu sehr zu ver­bie­gen“. Ein ers­ter Hin­weis dar­auf, dass mit Trump ver­mut­lich kei­ne Ei­ni­gung über Kli­ma­schutz er­zielt wer­den kann. Auch beim Frei­han­del sind die Ver­hand­lun­gen schwie­rig. Trump droht mit Straf­zöl­len ge­gen die Stahl­in­dus­trie, Mer­kel will ver­su­chen, ei­ne Ei­ni­gung dar­über hin­zu­be­kom­men, dass die Über­pro­duk­ti­on im Rah­men der G20 ge­löst wird.

Dass sich Trump ver­biegt, lässt sich nicht be­haup­ten. Sein Tref­fen mit Pu­tin galt als äu­ßerst schwie­rig, Schließ­lich soll Russ­lands Prä­si­dent in den ame­ri­ka­ni­schen Wahl­kampf ein­ge­grif­fen ha­ben, und Trump steht in den USA mäch­tig un­ter Druck, des­we­gen mit Pu­tin Ta­che­les zu re­den. Schon am Vor­tag bei sei­nem Be­such in Po­len kri­ti­sier­te er Pu­tin hef­tig, die­ser ge­he de­sta­bi­li­sie­rend vor, in der Ukrai­ne, in Sy­ri­en.

Doch am Mor­gen in Ham­burg, wo der Mil­li­ar­där Trump mit sei­ner De­le­ga­ti­on im Gäste­haus des Se­nats am Fe­en­teich über­nach­tet, twit­tert er fröh­lich, er freue sich auf das Tref­fen mit Pu­tin. „Viel zu dis­ku­tie­ren“, ge­be es.

Zeit­gleich mit Kli­ma­ges­prä­chen

Der frü­he­re Ge­heim­agent Wla­di­mir Pu­tin über­nach­tet der­weil im Park Hyatt in ei­ner 231 Qua­drat­me­ter gro­ßen Prä­si­den­ten­sui­te. Die ist zwar nicht ganz so groß wie die 435 Qua­drat­me­ter Sui­te vom sau­di­schen Kö­nig Sal­man im Vier Jah­res­zei­ten, aber auch kom­for­ta­bel.

Am Nach­mit­tag war es dann so weit. Wäh­rend die an­de­ren Gip­fel­teil­neh­mer über das Kli­ma dis­ku­tier­ten, tra­fen sich Pu­tin und Trump zum Zwei­er­ge­spräch. Und zwar genau zu der Zeit, als der Gip­fel über das Kli­ma be­rät. Hat das viel­leicht die Be­ra­tun­gen leich­ter ge­macht?, wird An­ge­la Mer­kel ge­fragt. Nein, meint die Kanz­le­rin, denn Trump ha­be zu Be­ginn der Sit­zung teil­ge­nom­men. Und im Üb­ri­gen be­grü­ße sie es sehr, dass sich Trump und Pu­tin per­sön­lich tref­fen.

Ein kur­zer, aber freund­li­cher Hän­de­druck er­öff­ne­te das Zwei­er­ge­spräch von Trump und Pu­tin, die bei­den Staats­chefs wur­den nur von ih­ren Au­ßen­mi­nis­tern be­glei­tet. Sie woll­ten sich in klei­ner Run­de tref­fen. „Es ist ei­ne Eh­re hier zu sein und sich mit Ih­nen zu tref­fen“, sag­te Trump höf­lich zu Pu­tin.

Bes­ser als te­le­fo­nie­ren

Russ­lands Prä­si­dent Pu­tin ent­geg­ne­te eben­so zu­vor­kom­mend, dass Te­le­fon­ge­sprä­che ja nie ge­nug sei­en, dass man schwie­ri­ge The­men bes­ser im per­sön­li­chen Ge­spräch lö­sen kann. „Ich hof­fe, dass un­ser Tref­fen gu­te Er­geb­nis­se brin­gen wird.“Drei St­un­den spä­ter stand fest: das Ge­spräch hat deut­lich er­kenn­ba­re Früch­te ge­tra­gen. Der Gip­fel des Gip­fels war er­folg­reich.

FO­TO: AFP

Zeit für ei­nen Hän­de­druck: Die Prä­si­den­ten Wla­di­mir Pu­tin (links) und Do­nald Trump sind sich in Ham­burg erst­mals be­geg­net.

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