Ist das ty­pisch chi­ne­sisch?

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Markdorf - Von Chris­toph Dier­king

in­mal woll­te mein Bru­der un­be­dingt zum Chi­ne­sen. Es ist schon län­ger her, aber die Ge­schich­te wird in mei­ner Fa­mi­lie im­mer noch er­zählt. Mein Bru­der muss zu die­sem Zeit­punkt un­ge­fähr sechs Jah­re alt ge­we­sen sein.

Un­be­dingt woll­te er „so rich­tig chi­ne­si­sches Es­sen pro­bie­ren“. Und quen­gel­te her­um: „Wir müs­sen los! So­fort!“Er konn­te es kaum noch ab­war­ten.

Chi­ne­sisch es­sen, was für ein groß­ar­ti­ger Vor­schlag. Auf der Au­to­fahrt phi­lo­so­phier­ten wir über die herr­li­chen Ge­rich­te. Über die Peking-Sup­pe, die es im­mer vor­weg gibt. Über die Früh­lings­rol­len, die mit fri­schem Ge­mü­se ge­füllt sind. Das Hähn­chen, das auf kna­cki­gen So­ja­spros­sen ge­bet­tet ist. Mit süß­sau­rer Sau­ce, in der fri­sche Ana­nasstück­chen schwim­men.

Die le­cke­ren Brat­nu­deln, die mit Ei am bes­ten schme­cken. Und die ge­ba­cke­ne Ba­na­ne. Mit viel Ho­nig. Zum Nach­tisch. Mein Bru­der woll­te al­les pro­bie­ren.

Der Rei­he nach be­stell­ten wir. Ich ent­schied mich für die Brat­nu­deln. Die es­se ich beim Chi­ne­sen im­mer. Nach mir war mein Bru­der an der Rei­he: „Ei­ne Por­ti­on Pom­mes. Mit Ket­schup.“Sprach­lo­sig­keit. Ist das ty­pisch chi­ne­sisch? Die hät­te er auch zu Hau­se be­kom­men kön­nen.

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