Ge­füh­le spie­len ver­rückt

Aus Mo­zar­to­per wird kun­ter­bun­te Ver­wechs­lungs­ko­mö­die mit Mu­sik

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Meersburg/überlingen - Von Chris­tel Voith

- Als künst­le­ri­scher Lei­ter des neu­en Über­lin­ger Som­mer­thea­ters hat Bern­hard Sten­ge­le vom Thea­ter Ge­ra-Al­ten­burg, wo er noch bis En­de der Spiel­zeit Di­rek­tor ist, die hei­te­re Som­mer­ko­mö­die „So ma­chen’s al­le“nach Über­lin­gen mit­ge­bracht. Das kun­ter­bun­te, für Open-Air-Auf­füh­run­gen kon­zi­pier­te Schau­spiel mit Mu­sik hat sich bes­tens in den Rah­men der Ka­pu­zi­ner­kir­che ge­fügt und bei der Pre­mie­re am Don­ners­tag­abend viel Bei­fall ge­ern­tet.

„So ma­chen’s al­le“– wer bei die­ser Über­schrift an Mo­zarts „Co­si fan tut­te“denkt, liegt rich­tig, denn die Mo­zart­sche Kon­stel­la­ti­on liegt der Ko­mö­die zu­grun­de, auch die Na­men der Fi­gu­ren sind die glei­chen ge­blie­ben, aber es ist et­was ganz An­de­res her­aus­ge­kom­men. Die Haus­au­to­ren in Ge­ra, Olav Krö­ger als Tex­ter und Ma­nu­el Kres­sin als Kom­po­nist, ha­ben nur die An­la­ge über­nom­men: die her­be Fior­di­li­gi (An­ne Die­mer) liebt den mun­te­ren Gu­gliel­mo (Ma­nu­el St­ruf­fo­li­no), ih­re an­schmieg­sa­me Schwes­ter Dor­a­bel­la (Va­nes­sa Ro­se) den auf­rech­ten Fer­ran­do (Thors­ten Da­ra) – al­le vier sind über­zeugt, der Lie­be ih­res Le­bens ewig treu zu blei­ben. Doch da sagt Don Al­fon­so (Ul­rich Mil­de) den Män­nern ins Ge­sicht: „Sie wird dich be­trü­gen!“Und er schlägt die be­kann­te Wet­te vor: Nach ei­nem Schein-Ab­schied sol­len die Män­ner in Ver­klei­dung zu­rück­kom­men und um die je­weils an­de­re wer­ben. Als „Duo In­fer­na­le“hilft De­spi­na, hier die er­fah­re­ne Tan­te (Mecht­hild Scro­ba­ni­ta), dem Zy­ni­ker, die jun­gen Frau­en ein­zu­wi­ckeln.

Die Au­to­ren samt Re­gis­seur Bern­hard Sten­ge­le ver­le­gen die Ko­mö­die in die fünf­zi­ger Jah­re, bun­te Ko­s­tü­me wei­sen zu­gleich in die Com­me­dia dell’ar­te, da­zu passt das Mas­ken­spiel: Ge­sichts­mas­ken ge­nü­gen und die Frau­en sind von den Frem­den ent­zückt. Schein-Selbst­mor­de und die Wun­der­hei­lung durch Dok­tor Ko­ko­lo­res ali­as De­spi­na stam­men noch aus Mo­zarts Oper, doch dann spinnt Olav Krö­ger das Li­bret­to in ge­reim­ter Form ins Heu­te fort: Kei­ne Schein-Hei­rat der neu­en Paa­re, kei­ne reui­ge Rück­kehr zum al­ten Part­ner, son­dern al­le vier fin­den – mit ge­wis­ser Ver­zö­ge­rung -, im­mer mehr Ge­fal­len am Part­ner­tausch: „Wie son­der­bar, plötz­lich über­fällt mich die Lie­be!“, träl­lert Fior­di­li­gi, macht sich ih­rer­seits in Män­ner­klei­dern und Mas­ke an Fer­ran­do her­an, der ent­setzt fürch­tet, dass er sich in ei­nen jun­gen Mann ver­guckt hat: „Ich steck in ei­ner Kri­se, ich glau­be, ich bin schwul!“In höchs­tem Glück schmie­gen sich zu­letzt al­le vier an die neu­en Part­ner – für wie lan­ge wohl?

Ge­wollt über­zeich­net, schrill und pa­the­tisch oder auch mal poe­tisch ha­ben die Spie­ler die Ver­wechs­lungs­ko­mö­die durch­ge­zo­gen. Die Mu­si­ker spie­len da­zu live neu kom­po­nier­te Schla­ger à la 50er-Jah­re. Ver­gnüg­lich kos­tü­miert sit­zen Paul Am­rod am Kla­vier und Key­board, Phil­ipp Rein­hei­mer am Schlag­zeug und Kat­ha­ri­na Bri­en spielt auf Sa­xo­fon, Kla­ri­net­te oder E-Bass leich­te, be­wusst auch schnul­zi­ge Un­ter­hal­tung und auf Fer­ran­dos be­son­de­ren Wunsch ei­nen herz­er­wei­chen­den Blues. „Das ist al­les äu­ßerst bi­zarr“, meint Tan­te De­spi­na, als ih­ren Nich­ten die frem­den Män­ner­küs­se schme­cken, sie könn­te auch die gan­ze Ko­mö­die da­mit mei­nen.

Wei­te­re Auf­füh­run­gen in der Ka­pu­zi­ner­kir­che Über­lin­gen bis 16. Ju­li.

FO­TO: HEL­MUT VOITH

Noch wei­nen Dor­a­bel­la (rechts, Va­nes­sa Ro­se) und Fior­di­li­gi (An­ne Die­mer) ih­ren Ga­la­nen nach.

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