Ei­ne Fa­mi­lie als Die­bes­ban­de

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Meersburg/überlingen -

(naa) - Mit ei­ner dreis­ten Ma­sche ist es ei­ner Fa­mi­lie aus Über­lin­gen ge­lun­gen, An­fang 2014 in ei­nem ört­li­chen Dis­coun­ter kos­ten­los an Wa­ren im Wert von meh­re­ren Tau­send Eu­ro zu kom­men. Be­zahlt ha­ben die Mut­ter (49), ih­re Söh­ne (22,23) und ei­ne Tan­te aus Ha­gnau (55) jetzt mit ei­ner Ver­ur­tei­lung zu Frei­heits­stra­fen zwi­schen 16 und 24 Mo­na­ten. Al­le Stra­fen wur­den un­ter stren­gen Auf­la­gen zur Be­wäh­rung aus­ge­setzt.

Für die vor­be­straf­te 49-jäh­ri­ge An­ge­klag­te war das Er­geb­nis denk­bar knapp. Sie war ge­ra­de aus dem Ge­fäng­nis ent­las­sen wor­den, als man En­de 2013 auf die Idee kam, auf kri­mi­nel­le Art Geld zu spa­ren. Der 22Jäh­ri­ge und sei­ne Mut­ter muss­ten sich au­ßer­dem für den Dieb­stahl von 250 Eu­ro aus ei­nem Münz­au­to­ma­ten ver­ant­wor­ten. Die Ma­schi­ne hat­te das Geld nicht mehr auf­neh­men kön­nen, was beim Ein­zah­ler un­be­merkt blieb. „Das hat kei­ner ge­dacht, dass das straf­bar ist“, ver­such­te sich die 49-Jäh­ri­ge zu ent­schul­di­gen. Noch wäh­rend der Ge­richts­ver­hand­lung gab sie das Geld zu­rück. Nach­träg­lich stell­te sich al­ler­dings her­aus, dass ins­ge­samt 500 Eu­ro lie­gen­ge­blie­ben wa­ren und ge­stoh­len wur­den.

Die Idee für den um­fang­rei­chen Dieb­stahl von Le­bens­mit­teln, Dro­ge­rie­ar­ti­keln, Ti­er­nah­rung, Elek­tro­ge­rä­ten und Be­klei­dung ent­stand, als der 22-jäh­ri­ge Sohn in dem Ein­kaufs­markt als Aus­hil­fe ar­bei­te­te, und zwar re­gel­mä­ßig in der zwei­ten Ta­ges­hälf­te bis zur Schlie­ßung. Ge­gen Abend gin­gen dann Mut­ter, Bru­der und Tan­te in dem Markt „ein­kau­fen“. Nach­dem sie über Han­dy in­for­miert wur­den, in wel­cher Ab­tei­lung der 22-Jäh­ri­ge ge­ra­de be­schäf­tigt war, be­dien­ten sie sich dort aus den Re­ga­len und de­po­nier­ten die Wa­ren an ei­ner fest­ge­leg­ten Stel­le in den Ge­schäfts­räu­men. Ei­ni­ge Klei­nig­kei­ten pack­ten sie in ih­re Ein­kaufs­wa­gen und be­zahl­ten sie an der Kas­se. Manch­mal gab die Mut­ter auch te­le­fo­ni­sche Ein­kaufs­lis­ten an ih­ren Sohn durch und der such­te die Sa­chen dann zu­sam­men. In je­dem Fall seil­te er die Ta­schen mit Schnü­ren über ei­ne Mau­er in den Hof der Wa­re­n­an­nah­me ab. Dort nahm die Fa­mi­lie die Wa­ren dann ent­ge­gen.

Vor Ge­richt leg­ten al­le Ge­ständ­nis­se ab. Der 22-Jäh­ri­ge und sei­ne Mut­ter müs­sen ei­ne The­ra­pie ma­chen und, wie Bru­der und Tan­te, Wie­der­gut­ma­chung leis­ten.

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