Sto­cken­de Sa­nie­rungs­plä­ne

Frei­bad Obe­rei­sen­bach: Für Bau­be­ginn 2018 feh­len die Mit­tel – Ver­wal­tung soll För­de­rungs­mög­lich­kei­ten prü­fen

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Tettnang - Von An­ja Rei­chert

- Wie geht es mit dem Frei­bad in Obe­rei­sen­bach wei­ter? Seit Jah­ren kämpft der För­der­ver­ein um den Er­halt des Ba­des. Sai­son für Sai­son wird das Not­wen­digs­te ge­macht, um das Bad funk­ti­ons­fä­hig zu hal­ten, doch jähr­lich stei­gen auch die Kos­ten für die In­stand­hal­tung. Ei­ne Sa­nie­rung des Ba­des scheint un­aus­weich­lich. In der Ge­mein­de­rats­sit­zung zeig­te sich am Mitt­woch ei­ne Ten­denz: Die Rä­te wol­len das Bad er­hal­ten. Doch noch ist nichts Kon­kre­tes be­schlos­sen. Kos­ten von mehr als zwei Mil­lio­nen Eu­ro ver­zö­gern ei­ne Ent­schei­dung – und ei­ne bal­di­ge Rea­li­sie­rung.

1973 ist das Frei­bad in Obe­rei­sen­bach ge­baut wor­den. 2003 grün­de­te sich auf­grund der dro­hen­den Schlie­ßung der För­der­ver­ein zur Er­hal­tung des Frei­ba­des Obe­rei­sen­bach. 2006 er­klär­te sich das Un­ter­neh­men Vau­de be­reit den Be­trieb des Ba­des zu über­neh­men, die Stadt die Be­triebs­kos­ten. Die Kon­stel­la­ti­on von Ver­ein, Un­ter­neh­men und Stadt funk­tio­niert, doch das Bad ist in die Jah­re ge­kom­men.

Be­reits 2011 hat ei­ne Stu­die ge­zeigt, dass „mit­tel- bis lang­fris­tig ei­ne grund­le­gen­de Sa­nie­rung“des Ba­des not­wen­dig ist. Sechs Jah­re spä­ter schrei­tet die Kor­ro­si­on in den Lei­tungs­sys­te­men wei­ter vor­an, die Was­ser­fil­ter­tech­nik macht Pro­ble­me. Das Kom­bi­becken be­dür­fe stän­di­ger Pfle­ge und Aus­bes­se­rung, die Über­lauf­rin­nen sei­en nicht mehr DIN-kon­form, heißt es in ei­ner Stu­die zwei­er Pla­nungs­bü­ros, die 2016 be­auf­tragt wur­den, zu un­ter­su­chen, wie das Bad er­hal­ten wer­den kön­ne. Zu­dem sei­en die Was­ser­auf­be­rei­tungs­an­la­gen auf­grund zahl­rei­cher tech­ni­scher Män­gel sa­nie­rungs­be­dürf­tig. Die Män­gel be­stün­den ei­ner­seits im bau­li­chen Zu­stand von Steue­rung, Ag­gre­ga­te und Be­häl­ter, an­de­rer­seits in ei­ner nicht norm­ge­rech­ten Was­ser­auf­be­rei­tungs­tech­nik.

Nun sol­len Be­cken, Tech­nik­ge­bäu­de und Was­ser­auf­be­rei­tungs­tech­nik er­neu­ert wer­den. Ei­ne Um­set­zung wä­re in ei­ner durch­gän­gi­gen Bau­maß­nah­me für rund 2,3 Mil­lio­nen Eu­ro oder in zwei Bau­ab­schnit­ten für rund 2,43 Mil­lio­nen Eu­ro mög­lich, so die Pla­nung.

So oder so, es ist ei­ne In­ves­ti­ti­on, die oh­ne Zu­schüs­se für die Stadt kaum zu schaf­fen ist. Die Ver­wal­tung geht da­von aus, dass die Kos­ten für die Sa­nie­rung über das Ent­wick­lungs­pro­gramm Länd­li­cher Raum (ELR) mit bis zu 40 Pro­zent oder ma­xi­mal 750 000 Eu­ro der be­zu­schuss­fä­hi­gen Kos­ten ge­för­dert wer­den kön­nen. Ei­ne kon­kre­te Zu­sa­ge hat die Stadt al­ler­dings nicht, kann der An­trag erst ge­stellt wer­den, wenn das wei­te­re Vor­ge­hen klar ist. Ne­ben der Un­klar­heit über för­der­fä­hi­ge Kos­ten und tat­säch­li­che Zu­schüs­se, müss­te rund ein Jahr vor Bau­be­ginn laut Pla­nungs­bü­ro mit der Pla­nung be­gon­nen wer­den. Heißt: Will man im Herbst 2018 mit der Sa­nie­rung be­gin­nen, müss­te der Rat zü­gig ent­schei­den und Pla­nungs­mit­tel im sechs­stel­li­gen Be­reich in den Haus­halt schie­ben. Auch wenn die CDU-Frak­ti­on „ganz klar hin­ter dem Frei­bad Obe­rei­sen­bach“ste­he, se­he sie größ­ten­teils nicht die Mög­lich­keit da­für, so Andre­as Huch­ler (CDU). Die Bau­maß­nah­me soll noch ein­mal um ein Jahr ge­scho­ben wer­den, die Pla­nungs­kos­ten sol­len in den Haus­halt 2018, der Rest auf die Haus­hal­te 2019 und 2020 ver­teilt wer­den.

Frei­wil­lig­keit ver­sus Pflicht

Doch auch für die kom­men­den Jah­re ha­ben die Rä­te ih­re Zwei­fel und for­dern zu­nächst ei­nen Blick auf die Pro­jekt­lis­ten, um zu se­hen, wel­che Pro­jek­te im Haus­halt vor­ge­se­hen sind. Es ste­he au­ßer Fra­ge, dass das Frei­bad ei­ne schö­ne Ein­rich­tung sei und, dass För­der­ver­ein und Be­trei­ber ein au­ßer­ge­wöhn­li­ches En­ga­ge­ment an den Tag leg­ten, so Hans Schöpf (Grü­ne). Aber: „Wir sind im Frei­wil­lig­keits­be­reich und wir tun uns schwer au­ßer­halb der ei­gent­li­chen Haus­halts­be­ra­tun­gen hier Knöp­fe ran­zu­ma­chen. Auch ha­ben wir im Pflicht­be­reich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ei­ni­ge Din­ge ge­scho­ben. Wir müs­sen uns im Rah­men un­ser haus­halts­tech­ni­schen Mit­tel be­we­gen und da se­he ich kei­ne Mög­lich­keit, heu­te et­was auf den Weg zu brin­gen.“Er wol­le nur er­wäh­nen, dass in der Pro­jekt­lis­te zum Bei­spiel ei­ne Sport­hal­le am Man­ze­berg ste­he, die rea­li­siert wer­den soll­te, be­vor die Stadt­hal­le den „Geist auf­gibt“. Bür­ger­meis­ter Bru­no Wal­ter ver­weist zu­dem auf die Kin­der­gar­ten­be­darfs­pla­nung und die Wohn­raum­stu­die, die neue Kin­der­ta­ges­stät­ten und Woh­nun­gen not­wen­dig ma­chen. „Wenn ich ei­ne ganz­heit­li­che Be­trach­tungs­wei­se ha­be, weiß ich, dass die Fi­nanz­si­tua­ti­on der nächs­ten Jah­re spitz sein wird, weil wir Pflicht­auf­ga­ben ha­ben, die wir er­le­di­gen müs­sen.“

Am Mitt­woch­abend hat der Ge­mein­de­rat le­dig­lich ei­nen Be­schluss ge­fasst: Die Ver­wal­tung wird be­auf­tragt, die Grund­la­gen für die An­trags­stel­lung so­wie die Ge­wäh­rung ei­nes Zu­schus­ses nach dem ELR und au­ßer­dem die För­de­rung nach wei­te­ren Zu­schüs­sen zu prü­fen. Dann sol­le auch der Blick auf die Pro­jekt­lis­ten ge­wor­fen wer­den.

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FO­TO: PR

In­stand­hal­tungs­ar­bei­ten vor Sai­son­start in Obe­rei­sen­bach: Von dem Alu­mi­ni­um­be­cken blät­tert die Far­be ab. Es muss ge­rei­nigt und ab­ge­schlif­fen wer­den, die Lö­cher wer­den zu­ge­schweißt und im­mer wie­der muss das Be­cken neu ge­stri­chen wer­den.

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