Auf Trump und Pu­tin fo­kus­siert

Wie der G20-Gip­fel in den USA wahr­ge­nom­men wird – Kri­tik am Prä­si­den­ten

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Nachrichten & Hintergrund - Von Frank Herr­mann

- Der ame­ri­ka­ni­sche Blick auf die Welt kann manch­mal ziem­lich eng sein. Das gilt et­wa dann, wenn in der Fer­ne ein gro­ßer Kon­gress vom For­mat des G20-Gip­fels über die Büh­ne geht und sich die Au­gu­ren in Wa­shing­ton fast aus­schließ­lich für The­men in­ter­es­sie­ren, die im in­nen­po­li­ti­schen Kon­text ei­ne Rol­le spie­len. So ver­hält es sich je­den­falls nach der Kon­fe­renz in Ham­burg. Ver­folgt man die in­ner­ame­ri­ka­ni­sche De­bat­te dar­über, drängt sich der Ein­druck auf, als sei­en 18 der 20 Staats- und Re­gie­rungs­chefs nur bes­se­re Sta­tis­ten ge­we­sen, nur Rand­fi­gu­ren, um ei­ne Ku­lis­se zu bil­den, die Ku­lis­se für die Be­geg­nung Do­nald Trumps mit Wla­di­mir Pu­tin.

An dem ers­ten Tref­fen der bei­den hat sich im Nach­hin­ein hef­ti­ger Streit ent­zün­det, nicht zu­letzt dar­an, was ei­gent­lich be­spro­chen wur­de – und wie. Wes­sen Darstel­lung stimmt, die des Kremls oder die des Wei­ßen Hau­ses? Hat Trump dem rus­si­schen Prä­si­den­ten hin­rei­chend klar­ge­macht, dass es die Ame­ri­ka­ner für pro­ble­ma­tisch hal­ten, wenn rus­si­sche Ha­cker ih­re Wahl­kämp­fe zu ma­ni­pu­lie­ren ver­su­chen?

Kri­tik an ge­plan­tem Ar­beits­kreis

über die Ver­gan­gen­heit re­den, son­dern sich auf die Zu­kunft kon­zen­trie­ren. Als Til­ler­sons Amts­kol­le­ge Ser­gej La­w­row er­klär­te, Trump ha­be ak­zep­tiert, dass Pu­tin jeg­li­che Ha­cker-Ein­mi­schung ver­nei­ne, gab es in der US-Gip­felde­le­ga­ti­on kei­nen, der Ein­spruch ein­ge­legt hät­te. Wäh­rend der Prä­si­dent aus Deutsch­land ab­reis­te, oh­ne sich zum Ab­schluss den Fra­gen der Pres­se zu stel­len, be­ließ es Fi­nanz­mi­nis­ter Ste­ven Mnu­ch­in wäh­rend des Heim­flugs an Bord der Air Force One bei ein paar dür­ren Sät­zen. Er wol­le nicht kom­men­tie­ren, was an­de­re Leu­te zu sa­gen hät­ten, im Üb­ri­gen sei­en sich Trump und Pu­tin da­rin ei­nig, dass der Blick nach vorn ge­hen müs­se. Um­so auf­ge­brach­ter re­agiert nun die Op­po­si­ti­on. Dass die Mi­nis­ter den Be­teue­run­gen Pu­tins genau­so viel Glau­ben schenk­ten wie den Er­kennt­nis­sen der ei­ge­nen Ge­heim­diens­te, sei ei­ne gro­be Pflicht­ver­let­zung, zürnt Chuck Schu­mer, der rang­höchs­te De­mo­krat im Se­nat.

Der Al­lein­gang des Oval Of­fice beim Kli­ma­schutz, das ist der zwei­te Punkt, der die Ge­mü­ter er­regt. Richard Haass, Chef ei­nes an­ge­se­he­nen Thinktanks, sieht in Trumps Be­har­ren auf ei­nem Ex­tra-Pas­sus in der Gip­fel­er­klä­rung ei­nen wei­te­ren Be­leg für den Ein­fluss der Na­tio­na­lis­ten un­ter sei­nen Be­ra­tern. An­ge­führt von Ste­ve Ban­non, hät­ten sie die in­ter­ne Kli­ma­de­bat­te vor­erst für sich ent­schie­den, sagt Haass.

Wie der Prä­si­dent die Din­ge sieht, hat­te er be­reits am Frei­tag – we­nig be­ach­tet an­ge­sichts des Ham­bur­ger Tru­bels – in ei­ner Vi­deo­an­spra­che deut­lich ge­macht. Die kla­re Bot­schaft sei die, sag­te Trump: „Wir wer­den es an­de­ren Na­tio­nen nicht län­ger er­lau­ben, uns aus­zu­nut­zen.“Des­halb ha­be er be­schlos­sen, sich von dem ein­sei­ti­gen Pa­ri­ser Kli­ma­ab­kom­men zu ver­ab­schie­den. „Und glau­ben Sie mir, es war ein­sei­tig, kein gu­ter De­al für un­ser Land.“

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