Min­dest­lohn spal­tet Dis­ku­tan­ten

Kan­di­da­ten für die Bun­des­tags­wahl be­ant­wor­ten bei der Po­di­ums­dis­kus­si­on Fra­gen

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Markdorf - Von Bri­git­te Wal­ters

- Die Zeit ist viel zu kurz ge­we­sen, nach über zwei St­un­den Dis­kus­si­on hat­ten die zahl­rei­chen Zu­hö­rer bei der Po­di­ums­dis­kus­si­on zur Bun­des­tags­wahl am Frei­tag in der Stadt­hal­le noch et­li­che Fra­gen.

Das Mehr­ge­ne­ra­tio­nen­haus (MGH) und die Schwä­bi­sche Zei­tung hat­ten al­le Kan­di­da­ten des hei­mi­schen Wahl­krei­ses ein­ge­la­den, ih­re Vor­stel­lun­gen und die ih­rer Par­tei zur So­zi­al­po­li­tik dar­zu­le­gen. Da­zu wa­ren ge­kom­men: Mar­kus Böh­len (Grü­ne), Le­on Hahn (SPD), Clau­dia Haydt (Die Lin­ke), Lothar Rieb­sa­men (CDU) und Chris­ti­an Stef­fen-Stiehl (FDP). Mo­de­riert wur­de die Ver­an­stal­tung von Re­na­te Hold (MGH) und Ju­lia Frey­da, Re­dak­ti­on Mark­dorf Schwä­bi­sche Zei­tung.

Zu Be­ginn der Fra­ge­run­de gab es gleich un­ter­schied­li­che Mei­nun­gen zum Min­dest­lohn und zur da­mit ver­bun­de­nen Do­ku­men­ta­ti­on. Chris­ti­an Stef­fen-Stiehl (FDP) be­zwei­fel­te, dass es den Min­dest­lohn flä­chen­de­ckend ge­ben müs­se, zu­dem hielt er die Do­ku­men­ta­ti­ons­auf­la­gen für über­trie­ben. Ganz an­ders Le­on Hahn (SPD), die Auf­zeich­nun­gen sei­en die bes­te Mög­lich­keit den Min­dest­lohn zu um­ge­hen. Es sei gut dass es den Min­dest­lohn ge­be, al­ler­dings sei er zu ge­ring, es soll­ten zwölf Eu­ro sein, mein­te Clau­dia Haydt (Die Lin­ke).

Beim The­ma Fa­mi­li­en­ar­beits­zeit wün­sche die SPD ei­nen hö­he­ren Kin­der­geld­an­spruch für Al­lein­er­zie­hen­de, er­klär­te Le­on Hahn. Es sei wich­tig, dass si­che­re Struk­tu­ren für die Ganz­tags­be­treu­ung ge­schaf­fen wer­den, ver­trat Lothar Rieb­sa­men die Mei­nung der CDU. Die Lin­ke set­ze sich für die Er­hö­hung des Lohn­ni­veaus von Frau­en ein, sag­te Clau­dia Haydt. Ein Zu­hö­rer kri­ti­sier­te das hem­mungs­lo­se Pro­fit­stre­ben in der Wirt­schaft.

Dem stimm­te Mar­kus Böh­len (Grü­ne) zu, die Sche­re zwi­schen Arm und Reich ge­he im­mer wei­ter aus­ein­an­der. Die Wahl im Sep­tem­ber sei ei­ne Ge­rech­tig­keits­wahl, es kön­ne nicht sein, dass gro­ße Kon­zer­ne kaum oder kei­ne Steu­ern zah­len, er­reg­te sich Le­on Hahn (SPD). Ka­pi­tal­er­trä­ge und Ein­kom­men müss­ten gleich be­steu­ert wer­den. Auch für Lothar Rieb­sa­men steht fest, die Be­steue­rung der Kon­zer­ne muss selbst­ver­ständ­lich sein.

Fra­gen zu Fach­kräf­ten

Auf­grund des Fach­kräf­te­man­gels in der Pfle­ge woll­te ei­ne Zu­hö­re­rin wis­sen, ob die Fach­kraft­quo­te ge­senkt wer­den kön­ne. Dem wi­der­sprach Lothar Rieb­sa­men, we­ni­ger Fach­pfle­ge be­deu­te we­ni­ger Qua­li­tät. Er wünsch­te sich mehr For­schung im Be­reich von De­menz und Alz­hei­mer, um de­ren Aus­wir­kun­gen zu min­dern und da­mit die Pfle­ge zu er­leich­tern. Die Pfle­ge­kräf­te wünsch­ten sich mehr Zeit für die Be­treu­ung des Ein­zel­nen, stell­te Le­on Hahn fest.

Die an­ge­reg­te Bür­ger­ver­si­che­rung fand Mar­kus Böh­len gut, al­le müss­ten da­rin ein­zah­len. Dies lö­se nicht das Ren­ten­pro­blem, kon­ter­te Hahn, wer ein­zahlt, be­kom­me Un­ter­stüt­zung. Es müs­se die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze er­höht wer­den, wünsch­te sich Haydt. Wer viel ver­die­ne, kön­ne auch mehr zah­len.

Die Lin­ke le­ge sich mit den Rei­chen an und wol­le ei­ne Um­ver­tei­lung, ant­wor­te­te Haydt auf die Frage, war­um man sie und ih­re Par­tei wäh­len soll. Er ver­tre­te seit acht Jah­ren den Bo­den­see­kreis in Ber­lin, viel sei da­bei er­reicht wor­den, die­se er­folg­rei­che Ar­beit wol­le er fort­set­zen, er­klär­te Rieb­sa­men (CDU). Die FDP ha­be ein an­de­res Kon­zept, sie wol­le den Men­schen hel­fen, den so­zia­len Auf­stieg zu schaf­fen, warb Chris­ti­an Stef­fenStiehl.

Die Grü­nen sei­en die bes­se­re Al­ter­na­ti­ve, sie sei­en die ein­zi­ge Par­tei, die das The­ma Um­welt im Wahl­pro­gramm ha­be, sag­te Mar­kus Böh­len. Die SPD wol­le die Re­gie­rung stel­len, da­mit mehr Ge­rech­tig­keit ge­schaf­fen wer­den kön­ne, er­klär­te Le­on Hahn. Zu­dem sol­le der Land­kreis hör­bar in Ber­lin ver­tre­ten sein.

FO­TO: WAL­TERS

Auf­merk­sam ver­fol­gen die Zu­hö­rer in der Stadt­hal­le bei der Po­di­ums­dis­kus­si­on die Ar­gu­men­te der ein­zel­nen Par­tei­en und Kan­di­da­ten zur Bun­des­tags­wahl und zur So­zi­al­po­li­tik.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.