Er­lö­ser­fi­gur kehrt zu­rück

Be­woh­ner und Fest­gäs­te fei­ern ih­ren Sal­va­tor Mun­di in Rie­dets­wei­ler

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Meersburg/hagnau - Von Mar­ti­na Wol­ters

- Mit Fest­got­tes­dienst, Fest­akt und Fei­er ha­ben Meers­bur­ger Bür­ger und ins­be­son­de­re sol­che aus Rie­dets­wei­ler das 25. Ka­pel­len­ju­bi­lä­um so­wie die Rück­kehr der seg­nen­den Er­lö­ser­fi­gur „Sal­va­tor Mun­di“ge­fei­ert. Kul­tur­amts­lei­te­rin Chris­ti­ne Joh­ner freu­te sich, dass die Stadt ab so­fort zwei Kunst­wer­ke be­sit­ze: das wert­vol­le Ori­gi­nal aus den Hän­den von Bild­hau­er Da­vid Zürn im Stadt­ar­chiv und die ge­ra­de voll­ende­te Re­plik von Kunst­schnit­zer Hans- Ge­org Benz.

„Wir ha­ben ei­nen Ein­woh­ner mehr in Rie­dets­wei­ler“, mein­te Ge­org Dre­her mit Blick auf die le­bens­gro­ße Heils­fi­gur, die nach ei­nem Vier­tel­jahr­hun­dert end­lich wie­der ih­ren Platz ein­nimmt in der Au­ßen­ni­sche der Se­bas­tians­ka­pel­le im Meers­bur­ger Teil­ort.

De­tails zur Ka­pel­len­ge­schich­te, an­ge­rei­chert mit net­ten An­ek­do­ten, er­fuh­ren die An­we­sen­den im Interview, das Bür­ger­meis­ter Ro­bert Sche­rer mit Ge­org Dre­her führ­te. So er­zähl­te Dre­her da­von, wie er als Fünf­jäh­ri­ger in der Rui­ne der rund 450 Jah­re al­ten Ur­sprungs­ka­pel­le ge­spielt ha­be. Die Fest­gäs­te im von der Dorf­ge­mein­schaft schmuck her­ge­rich­te­ten Rie­sen­zelt hör­ten, dass der Bub beim Ab­räu­men der bau­fäl­li­gen Res­te im Jahr 1964 zu­ge­gen war und dort ein Gold­kett­chen fand. Die Ket­te ha­be er nicht be­hal­ten dür­fen. Als Ent­schä­di­gung gab es ei­ne Hand­voll Geld aus dem ehe­ma­li­gen Op­fer­stock. Die Ent­täu­schung des jun­gen Dre­hers, als er fest­stel­len muss­te, dass es sich um Vor­kriegs­wäh­rung han­delt, quit­tier­ten die Fest­be­su­cher mit amü­sier­tem La­chen.

Bis zum Ent­ste­hen des heu­ti­gen Klein­odes am Al­ten Orts­weg sei­en dann wei­te­re 28 Jah­re ver­gan­gen, be­rich­te­te Dre­her. Als Ge­burts­tags­ge­schenk zum 90. für Prä­lat Schuh wur­de das Kirch­lein in Zu­sam­men­ar­beit von Bau­hof, Bür­gern und 101ern schließ­lich wie­der­auf­ge­baut. Auf der Su­che nach ei­ner pas­sen­den Glo­cke, war so­gar das his­to­ri­sche Ori­gi­nal un­ter ei­ner Werk­bank zum Vor­schein ge­kom­men.

Das kost­ba­re Ab­bild des seg­nen­den Chris­tus mit Welt­ku­gel aus dem Jahr 1625 der be­kann­ten, ober­schwä­bi­schen Bild­hau­er­werk­statt Zürn wur­de re­stau­riert. Zu­nächst war es im Stadt­ar­chiv, dann spä­ter im Rat­haus­saal un­ter­ge­bracht. Nach ei­ner gro­ßen Zürn-Aus­stel­lung durf­te der Sal­va­tor Mun­di laut Dre­her schließ­lich aus Grün­den des Denk­mal­schut­zes nicht mehr im Rat­haus auf­ge­stellt wer­den. Um­so mehr freu­te es ihn, nun ei­ne „Eins-zu-Eins-Ko­pie vor Ort zu ha­ben.

Ein si­che­rer Platz

„Wir wer­den si­cher ei­nen für die Öf­fent­lich­keit zu­gäng­li­chen Platz un­ter ent­spre­chen­den kli­ma­tisch ein­wand­frei­en Be­din­gun­gen fin­den“, ver­sprach Bür­ger­meis­ter Sche­rer für den zu­künf­ti­gen Ver­bleib der Ori­gi­nal-Hei­land­skulp­tur.

Die Kul­tur­amts­lei­te­rin lob­te die Per­fek­ti­on der Zürn­schen Ar­beit und hob gleich­zei­tig die des Owin­ger Künst­lers her­vor. Benz ha­be mehr als ei­ne Ko­pie ge­schaf­fen. „Es ist et­was Neu­es, et­was Be­seel­tes ent­stan­den“, sag­te sie mit Blick auf die Re­plik aus Lin­den­holz. War­um die Er­lö­ser­fi­gur ge­ra­de in der heu­ti­gen, schnell­le­bi­gen Zeit ih­re Be­rech­ti­gung hat, führ­te Pfar­rer Mat­thi­as Schnei­der aus.

Ähn­lich der At­las­ge­stalt aus der grie­chi­schen My­tho­lo­gie fühl­ten sich Men­schen heu­te zu­neh­mend ein­ge­spannt. „ In Chris­ti Hand re­la­ti­vie­ren sich die Din­ge, die auf uns las­ten“, mein­te der Stadt­pfar­rer im Hin­blick auf die neue Fi­gur ober­halb der Ka­pel­len­tür. Sie ru­fe al­len ih­re fro­he Er­lö­sungs-Bot­schaft zu, so der Geist­li­che.

FO­TO: WOL­TERS

Be­vor die Er­lö­ser­fi­gur in der Au­ßen­ni­sche der Se­bas­tians­ka­pel­le in Rie­dets­wei­ler ge­weiht wer­den kann, muss Ge­org Dre­her (auf der Lei­ter) das Ver­hül­lungs­tuch von Hand ent­fer­nen.

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