Hel­fer­kreis St. Co­lum­ban fei­ert vier­tes Grill­fest für Flücht­lin­ge

Tref­fen von Hel­fern und neu­en Mit­bür­gern ist gut be­sucht und wird mitt­ler­wei­le von Neu­an­kömm­lin­gen mit­or­ga­ni­siert

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Friedrichshafen - Von Le­na Rei­ner

(sz) - Zum vier­ten Mal fand das Grill­fest des Hel­fer­krei­ses St. Co­lum­ban am Sams­tag­mit­tag auf dem gleich­na­mi­gen Kir­chen­ge­län­de statt. Es war einst die ers­te grö­ße­re Ak­ti­on nach der Grün­dung des Krei­ses im Mai 2014. Heu­te ist die Fei­er im Som­mer schon so et­was wie Tra­di­ti­on und auch ein Ri­tu­al zum Auf­takt hat sich fest eta­bliert.

Ein gro­ßes bun­tes Schwung­tuch wird von al­len ge­hal­ten und nach­ein­an­der he­ben die das Tuch an, die aus ei­nem be­stimm­ten Land stam­men: Sy­ri­en, Irak, Li­ba­non und Ni­ge­ria sind ver­tre­ten. Doch die An­we­sen­den sind sich si­cher: Es wer­den noch Ver­tre­ter aus mehr Na­tio­na­li­tä­ten im Lau­fe des Nach­mit­tags da­zu­sto­ßen.

Sa­rah Kess­ler vom Hel­fer­kreis ist be­geis­tert von der Ent­wick­lung der Ge­mein­schaft: „Es ist jetzt ein ech­tes Mit­ein­an­der“, er­klärt sie. Wäh­rend die ers­ten Ver­an­stal­tun­gen noch mehr „für die Ge­flüch­te­ten“or­ga­ni­siert wor­den sei­en, fin­de jetzt al­les mit ge­mein­sa­mer Tat­kraft statt und tat­säch­lich: Ob der Auf­bau oder die Be­treu­ung des Grills, ob das Nach­fül­len der Ge­trän­ke­krü­ge oder das Ab­räu­men leer ge­ges­se­ner Tel­ler, hier packt je­der ganz selbst­ver­ständ­lich mit an, gleich, wo er oder sie her­kommt.

Auch sonst ha­be sich so man­ches ver­än­dert: „Wir kön­nen in­zwi­schen Deutsch mit­ein­an­der spre­chen, vie­le sind ja nun be­reits drei oder vier Jah­re hier“., schil­dert Kess­ler und An­ne­ma­rie Fri­cker er­gänzt, dass ih­re Fes­te und vor al­lem die re­gel­mä­ßi­gen Tref­fen zum Frei­tags­kaf­fee in­zwi­schen noch mehr an Be­deu­tung ge­won­nen hät­ten.

Vie­le der Neu­an­kömm­lin­ge sei­en von den Ge­mein­schafts­un­ter­künf­ten nun in die An­schluss­un­ter­brin­gun­gen ge­zo­gen oder ver­legt wor­den. Die­se lä­gen oft nicht am sel­ben Ort wie die vor­he­ri­ge Un­ter­kunft und so sei ein Ort wich­tig, an dem sie Leu­te ken­nen­ler­nen könn­ten. „Da pas­siert wirk­lich viel: Es wer­den zu­sam­men Woh­nun­gen ge­sucht oder An­trä­ge aus­ge­füllt“, weiß Kess­ler. Als An­lauf­stel­le für Fra­gen aus al­len Le­bens­la­gen die­ne das Ca­fé da­durch. „Un­ser gro­ßer Vor­teil ist, dass wir al­le per­sön­lich ken­nen, Vie­les ist schließ­lich Ver­trau­ens­sa­che“, be­grün­det Fri­cker.

Ne­ben dem Ca­fé fin­de au­ßer­dem re­gel­mä­ßig ein Fuß­ball­trai­ning für Ju­gend­li­che und Er­wach­se­ne statt, die Fahr­rad­werk­statt ha­be sich eta­bliert und au­ßer­dem sol­len bald Fahr­rad­kur­se für Frau­en fol­gen. Ste­pha­nie Glatt­haar möch­te die­se an­bie­ten, die Nach­fra­ge nach die­sem Stück mehr Mo­bi­li­tät und Un­ab­hän­gig­keit sei groß.

Pfar­rer Bernd Her­bin­ger be­für­wor­tet das gro­ße En­ga­ge­ment für die ge­flüch­te­ten Men­schen und be­tont: „Auf gro­ßer po­li­ti­scher Ebe­ne kön­nen wir na­tür­lich nicht mit­ent­schei­den, aber für mich ist klar: Wir müs­sen all de­nen hel­fen, die bei uns in Eu­ro­pa sind.“Men­schen in Not die Hil­fe zu ver­wei­gern mit dem Ar­gu­ment, es kön­ne fal­sche Si­gna­le sen­den oder „zu ein­la­dend“wir­ken, hal­te er für falsch.

FO­TO: LE­NA REI­NER

Das Kin­der­schmin­ken wird gern an­ge­nom­men: Spi­der­man ist als Mo­tiv be­son­ders be­liebt.

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