Wie­der ein Hauch von Hou­di­ni

An­ge­li­que Ker­ber zit­tert sich ins Ach­tel­fi­na­le und schöpft neue Hoff­nung – „Viel­leicht ist das der Wen­de­punkt“

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Sport -

(SID/dpa) - Ein Bild bringt die Er­in­ne­run­gen zu­rück. Und da­mit die Hoff­nung. An­ge­li­que Ker­ber reißt das rech­te Bein in die Hö­he und den Mund weit auf. Die Un­ter­ar­me win­kelt sie an, die freie Hand ballt sie zur Faust. Mit der lin­ken um­klam­mert sie ih­ren Schlä­ger. Vor Glück schreit sie laut auf.

Nach Wo­chen vol­ler Nie­der­la­gen, Selbst­zwei­feln und Kri­tik war Ker­bers Ju­bel­po­se – in ih­rem traum­haf­ten Ten­nis­jahr 2016 ein Mar­ken­zei­chen – bei­na­he in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten. In Wim­ble­don hat die Kie­le­rin sie wie­der­ent­deckt, und auch wenn sie noch auf der Su­che nach ih­rer Best­form ist: Im­mer­hin den Kampf­geist hat Ker­ber ge­fun­den. Er war stets ih­re größ­te Stär­ke.

Auch Ritt­ner at­met auf

Auch Bun­des­trai­ne­rin Bar­ba­ra Ritt­ner at­me­te nach dem Kri­mi über 2:17 St­un­den auf. „Das war ein Sieg mit Herz und Lei­den­schaft, auch wenn ab und zu noch die letz­te Über­zeu­gung ge­fehlt hat“, sag­te die Fe­dCup-Che­fin. Doch noch ist es nicht mehr als ei­ne va­ge Hoff­nung, dass die 29-Jäh­ri­ge durch den Ar­beits­sieg ge­gen die Welt­rang­lis­ten-70. Ro­gers die „Hand­brem­se im Kopf “ge­löst hat, wie es sich Ritt­ner wünscht. Zum drit­ten Mal in fünf Ta­gen zit­ter­te Ker­ber, zum drit­ten Mal be­hielt sie die Ner­ven, doch je­des Mal wur­de es knap­per.

Heu­te (12.30/Sky) im Ach­tel­fi­na­le ge­gen die Spa­nie­rin Gar­bi­ne Mu­guru­za war­tet zu­dem ei­ne äu­ßerst heik­le Auf­ga­be auf die Vor­jah­res­fi­na­lis­tin. Ge­gen die French-Open-Sie­ge­rin von 2016 und Wim­ble­don-Fi­na­lis­tin von 2015 hat Ker­ber die ver­gan­ge­nen vier Par­ti­en al­le­samt ver­lo­ren. Im di­rek­ten Ver­gleich liegt sie 3:4 zu­rück. Doch das sa­ge „nichts aus“, so Ker­ber. „Ich kann nicht nur hof­fen und rü­ber­brin­gen“, sag­te Ker­ber vor dem Du­ell mit der Spa­nie­rin, in Wim­ble­don die­ses Jahr noch oh­ne Satz­ver­lust. Da­für schla­ge die „zu doll, da­für ist sie zu gut und er­fah­ren“.

Trotz spricht aus ih­rer Stim­me, und trot­zig muss Ker­ber sein, um sich und ih­re Geg­ne­rin auf dem Court quä­len zu kön­nen. Die Rol­le der Bran­chen­füh­re­rin, die al­lei­ne durch ma­jes­tä­ti­sche Aus­strah­lung die Kon­kur­renz ein­schüch­tert, lag ihr nie. Das Bild der Kämp­fe­rin mit weit auf­ge­ris­se­nem Mund und ge­ball­ten Fäus­ten taugt eher da­zu, sich ver­lo­re­nen Re­spekt zu­rück­zu­ho­len.

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