Un­wet­ter: Na­di­ne Zächs Woh­nung ist un­be­wohn­bar

Zwei Ta­ge nach Sturm und Ha­gel in Fried­richs­ha­fen wer­den die Schä­den erst rich­tig sicht­bar

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Friedrichshafen - Von Sa­rah Scha­ba­ber­le, Chris­toph Dier­king, Ralf Schä­fer und Ha­gen Schön­herr Woh­nung ver­wüs­te­te www.schwa­ebi­sche.de/ un­wet­ter17

- Die Auf­räum­ar­bei­ten nach dem Un­wet­ter vom ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de sind im vol­len Gan­ge. Die Schä­den, die Stark­re­gen und Sturm an­rich­te­ten, wa­ren zum Teil ver­hee­rend. 369 Ein­sät­ze von Feu­er­wehr und tech­ni­schem Hilfs­werk zähl­te die Stadt ins­ge­samt und hat des­halb nach­träg­lich den „öf­fent­li­chen Not­stand“er­klärt. Das dürf­te auch die Fol­ge­kos­ten für Be­trof­fe­ne sen­ken.

Das, was ein­mal die Woh­nung von Na­di­ne Zäch und Ben­ja­min Fi­scher war, liegt auf ei­nem gro­ßen Hau­fen vor dem Haus. Mö­bel, Pols­ter, her­aus­ge­ris­se­nes La­mi­nat, al­les ist auf­ge­quol­len und reif für den Sperr­müll. Das Un­wet­ter, das am ver­gan­ge­nen Sams­tag­abend über Fried­richs­ha­fen nie­der­ging, hat al­les zer­stört.

Hilf­los muss­te das jun­ge Paar mit an­schau­en, wie das Was­ser rund um ih­re Sou­ter­rain-Woh­nung in der Ried­le­park-Sied­lung im­mer wei­ter an­stieg. „Zu­erst kam es zur Haus­tür rein, dann zur Ter­ras­sen­tür. Durchs Kü­chen­fens­ter und Schlaf­zim­mer­fens­ter – von über­all kam das Was­ser“, schil­dert Zäch. Da­bei woh­nen sie ei­gent­lich di­rekt ne­ben ei­nem Auf­fang­be­cken, das bei stär­ke­ren Re­gen­fäl­len, das Was­ser auf­neh­men soll. „Das hat uns das Ge­nick ge­bro­chen“, sagt Zäch, „der Ablauf war ver­stopft, des­halb ist es über­ge­lau­fen.“

Ge­gen 17.30 Uhr gin­gen bei der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr Fried­richs­ha­fen die ers­ten No­t­ru­fe ein. Zu­nächst wa­ren es noch ein paar um­ge­stürz­te Bäu­me, es folg­ten voll­ge­lau­fe­ne Kel­ler und über­flu­te­te Stra­ßen. Nach ei­ner St­un­de sei­en es schon über 90 Ein­sät­ze ge­we­sen, be­rich­tet Stadt­brand­meis­ter Lou­is Lau­rösch, der Hil­fe bei be­nach­bar­ten Weh­ren an­for­der­te. Die ka­men aus dem Deg­gen­hau­ser­tal, Sa­lem, Über­lin­gen, Ober­teu­rin­gen, Mark­dorf und Me­cken­beu­ren nach Fried­richs­ha­fen. Ein ver­gleich­ba­res Un­wet­ter ha­be er in Fried­richs­ha­fen noch nicht er­lebt, sagt Lau­rösch, der 1976 zur frei­wil­li­gen Feu­er­wehr kam. „Das war deut­lich mehr als 1999 bei Or­kan Lothar.“

Bei Zäch und Fi­scher spru­del­te das Was­ser zwi­schen­zeit­lich aus Du­sche und Toi­let­te in die Zwei-Zim­merWoh­nung. In­ner­halb we­ni­ger Mi­nu­ten stand es meh­re­re Zen­ti­me­ter hoch. Freun­de und Nach­barn ka­men mit Ei­mern und ver­such­ten, das Was­ser aus der Woh­nung zu schöp­fen und die per­sön­li­chen Din­ge des Paa­res zu ret­ten. Die drei Kat­zen hat­te das Paar im Au­to in Si­cher­heit ge­bracht.

In Wag­gers­hau­sen lief das Was­ser von der Bau­stel­le der B31 un­ter an­de­rem in ei­nen Kin­der­treff. Die Feu­er­wehr ver­such­te mit Sand­sä­cken ge­gen zu­hal­ten. Auch im Kli­ni­kum Fried­richs­ha­fen drück­te das Was­ser durch die Ka­na­li­sa­ti­on in den Ein­gangs­be­reich, der zeit­wei­se kom­plett un­ter Was­ser stand. Of­fen­bar hat­ten die Ab­läu­fe auf dem Dach die Was­ser­men­gen nicht mehr auf­neh­men kön­nen, be­rich­tet Kli­ni­kumSpre­che­rin Su­sann Gan­zert. „Un­se­re Tech­ni­ker sa­gen, wir sind mit ei­nem blau­en Au­ge da­von ge­kom­men.“Die me­di­zi­ni­schen Ge­rä­te sei­en zu je­der Zeit ein­satz­be­reit ge­we­sen.

Schä­den hat es auch im Park­haus am See ge­ge­ben. Ein Blitz­schlag be­schä­dig­te die Tech­nik in den Auf­zü­gen. „Was­ser ist nicht ein­ge­drun­gen“, sagt Se­bas­ti­an Dix, Pres­se­spre­cher des Stadt­werks am See. Roll­stuhl­fah­rer und Fa­mi­li­en mit Kin­der­wa­gen hät­ten das Park­haus nicht mehr ver­las­sen kön­nen. Des­halb ha­be man sich ent­schlos­sen, das Park­haus zu schlie­ßen. „Tech­ni­ker ha­ben ei­nen Auf­zug be­reits re­pa­riert“, teilt Dix mit. Seit Mon­tag­mit­tag ist das Park­haus wie­der ge­öff­net. Auch der zwei­te Auf­zug wer­de vor­aus­sicht­lich am Di­ens­tag wie­der in Be­trieb sein.

Ei­ne ers­te Prü­fung hat ge­zeigt, dass sich die Schä­den an der Sport­bad-Bau­stel­le in Gren­zen hal­ten, vor al­lem, weil die Bau­stel­le noch im Roh­bau­zu­stand ist. Das Was­ser ist in­zwi­schen ab­ge­pumpt, die Auf­räum­ar­bei­ten sind im Gan­ge. Da bis­her noch kei­ne der Roh­bau­leis­tun­gen ab­ge­nom­men wor­den sind, müs­sen sich nun die be­auf­trag­ten Un­ter­neh­men und de­ren Ver­si­che­run­gen um die Scha­dens­re­gu­lie­rung küm­mern.

„Das schafft kein Ka­nal“

Kei­ne Ka­na­li­sa­ti­on kön­ne mit sol­chen Was­ser­men­gen fer­tig wer­den, heißt es au­ßer­dem von der Stadt Fried­richs­ha­fen. In­ner­halb von we­ni­gen St­un­den wur­de et­wa ein Zehn­tel der Nie­der­schlags­men­ge ei­nes gan­zen Jah­res über Fried­richs­ha­fen ent­la­den. „Im Nor­mal­fall und auch bei stär­ke­ren Ge­wit­tern rei­chen die Ka­nä­le in Fried­richs­ha­fen aus. Auch dass Ka­nä­le bis zur Stra­ßen­ebe­ne voll­lau­fen, ist üb­ri­gens ein­ge­plant und bei Stark­re­gen auch sinn­voll: In sol­chen Fäl­len die­nen die voll­ge­stau­ten Ka­nä­le dann ge­wollt und kurz­fris­tig als Rück­stau­raum für die Was­ser­mas­sen, bis die­se durch die Ka­na­li­sa­ti­on ab­flie­ßen kön­nen“, schreibt die Stadt auf An­fra­ge der Schwä­bi­schen Zei­tung.

Beim Ried­le­park ge­lang es dem Tech­ni­schen Hilfs­werk schließ­lich den Ab­fluss des Auf­fang­be­ckens frei zu be­kom­men. Die Feu­er­wehr Sa­lem pump­te dann das Was­ser aus der Woh­nung von Zäch und Fi­scher, die vor­erst nicht mehr be­wohn­bar ist. Glück im Un­glück: Das Paar, das ei­gent­lich nächs­te Wo­che um­zie­hen woll­te, durf­te nun schon ein paar Ta­ge frü­her in die neue Woh­nung.

Ei­nen Ein­blick in die von Na­di­ne Zäch und Ben­ja­min Fi­scher gibt un­ser Vi­deo auf

FO­TOS: SA­RAH SCHA­BA­BER­LE

Mit Ei­mern ver­such­te Na­di­ne Zäch, das Was­ser aus der Woh­nung zu schöp­fen. La­mi­nat und Mö­bel sind hin.

So­vie­le Punk­te wie es Ein­sät­ze gab, fin­den auf der Kar­te der Feu­er­wehr gar nicht Platz.

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