Fach­lich frag­wür­dig

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Erste Seite - Von Ka­ra Ball­arin k.ball­arin@schwa­ebi­sche.de

Die Emp­feh­lung der Ex­per­ten war ein­deu­tig. Ers­tens: Aus den zwölf Po­li­zei­prä­si­di­en in Ba­den-Würt­tem­berg sol­len 14 wer­den. Zwei­tens: Der Stand­ort Tutt­lin­gen soll auf­ge­ge­ben und ein neu­er in Ober­schwa­ben ge­schaf­fen wer­den. Dem zwei­ten Rat sind die Re­gie­rungs­frak­tio­nen von Grü­nen und CDU ge­folgt, dem ers­ten nicht. Und das, ob­wohl sie po­li­zei­fach­li­che Ar­gu­men­te zur Ma­xi­me ih­res Han­delns er­ho­ben hat­ten.

Dass sie ih­rer ei­ge­nen Ma­xi­me nicht ge­folgt sind, zeigt nicht nur der jetzt ge­fun­de­ne Kom­pro­miss mit sei­nen 13 Po­li­zei­prä­si­di­en. Was die Zahl der Prä­si­di­en be­trifft, müs­sen sich die Grü­nen kri­ti­sie­ren las­sen. Die Frak­ti­on hat­te sich auf zwölf Stand­or­te fest­ge­legt. Da­mit wich sie klar vom fach­li­chen Rat der Ex­per­ten ab. Die Grü­nen müs­sen sich fra­gen las­sen, war­um sie sich die Kos­ten für das emp­foh­le­ne 14er-Mo­dell über­haupt spa­ren woll­ten.

Auch das Ge­zer­re und Ge­scha­cher um die Stand­or­te war eher un­wür­dig. Sach­lich­keit trat in den Hin­ter­grund. Die Grü­nen hat­ten der CDU-Frak­ti­on be­reits ver­gan­ge­ne Wo­che in­di­rekt „Kirch­turms­po­li­tik“vor­ge­wor­fen. Na­tür­lich will je­der Ab­ge­ord­ne­te für sei­nen Wahl­kreis das Bes­te er­rei­chen. Das ist le­gi­tim, den­noch soll­ten fach­li­che Ar­gu­men­te im Vor­der­grund ste­hen.

Die Ver­zö­ge­rung oder die „Zan­gen­ge­burt“, wie CDU-Frak­ti­ons­chef Wolfgang Rein­hart den Kom­pro­miss nun nann­te, hat aber auch In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl mit zu ver­ant­wor­ten. Ein deut­li­ches Wort zur Zahl der Prä­si­di­en und zur Stand­ort­fra­ge fehlt bis heu­te. Dass der Kom­pro­miss auf 13 Prä­si­di­en hin­aus­lau­fen wür­de, dürf­te nun nie­man­den mehr über­ra­schen. Auch nicht, dass im Grun­de kei­ner kom­plett ver­liert – we­der sein Ge­sicht in Stutt­gart noch Wäh­ler­stim­men zu Hau­se. Tutt­lin­gen wird – in wel­cher Form auch im­mer – kom­pen­siert, Wai­b­lin­gen ist lang­fris­tig nicht gänz­lich vom Tisch.

Mehr Po­li­zei­be­am­te, die drau­ßen, bei den Men­schen, ih­ren Di­enst tun, gibt es da­durch al­ler­dings nicht. Hier nach­zu­bes­sern scheint drin­gen­der als die Dis­kus­si­on um po­li­zei­li­che Ver­wal­tungs­stand­or­te.

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