Kan­di­da­ten se­hen G8 kri­tisch

Schü­ler dis­ku­tie­ren im BZM mit den Be­wer­bern für den Bun­des­tag

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Markdorf/bermatingen/service - Von Ju­lia Frey­da

MARKDORF - In ei­ner Po­di­ums­dis­kus­si­on des Gym­na­si­ums am Bil­dungs­zen­trum (BZM) ha­ben Schü­ler den Bun­des­tags­kan­di­da­ten von CDU, FDP, Grü­nen, Lin­ke und SPD auf den Zahn ge­fühlt. Auch ei­ni­ge der rund 50 Zu­hö­rer nutz­ten die Ge­le­gen­heit, um den Po­li­ti­kern ih­re Fra­gen zu stel­len.

Der Wirt­schafts­kurs der Ober­stu­fe hat­te mit Leh­rer Jo­chen Jeh­le als The­men Bil­dung, Si­cher­heit und Steu­ern vor­be­rei­tet, um die je­wei­li­gen Stand­punk­te von Lothar Rieb­sa­men (CDU), Le­on Hahn (SPD), Mar­kus Böh­len (Grü­ne), Chris­ti­an Stef­fen-Stiehl (FDP) und Clau­dia Haydt (Die Lin­ke) ab­zu­fra­gen. Et­wa woll­ten die Mo­de­ra­to­ren Jakob Vah­len­siek und Bi­jan Khos­ra­vi-Fa­rid wis­sen, wie die Kan­di­da­ten zu ei­ner Zen­tra­li­sie­rung der Bil­dungs­po­li­tik ste­hen. Stef­fen-Stiehl plä­dier­te da­für, um ein­heit­li­che Stan­dards zu ha­ben. Auch Rieb­sa­men sprach sich da­für aus und be­ton­te: „Es darf kei­ne An­glei­chung auf ei­nem nied­ri­gen Ni­veau ge­ben, son­dern muss auf ei­nem gu­ten Ni­veau ge­sche­hen.“Hahn nann­te als Vor­teil der Zen­tra­li­sie­rung die Ver­gleich­bar­keit von Ab­schlüs­sen, gab aber auch zu be­den­ken: „Ein bun­des­ein­heit­li­ches Bil­dungs­sys­tem ist trä­ge und schwer zu re­for­mie­ren.“Haydt kri­ti­sier­te, dass die der­zei­ti­ge Kle­in­staa­te­rei nicht mehr in die glo­ba­li­sier­te Welt pas­se. Die Lin­ken set­zen sich für ei­nen ein­heit­li­chen Bil­dungs­rah­men­plan ein, der Schu­len in­di­vi­du­el­le Gestaltungsmöglichkeiten ge­be. Mar­kus Böh­len wand­te ein, dass mit ei­ner Zen­tra­li­sie­rung nicht un­be­dingt auch Chan­cen­gleich­heit ent­ste­he.

In der Fra­ge­run­de woll­ten die Zu­schau­er wis­sen, wie die Kan­di­da­ten zu G8 und ei­ner Ober­stu­fe an Ge­mein­schafts­schu­len (GMS) ste­hen. Bei G8 sprach Stef­fen-Stiehl sich da­für aus, es an­zu­bie­ten, aber Schü­lern die Wahl zu er­mög­li­chen. Ei­ne gym­na­sia­le Ober­stu­fe an GMS sah er skep­tisch. Rieb­sa­men wies dar­auf hin, dass Abitur nach neun Jah­ren an be­ruf­li­chen Gym­na­si­en mög­lich sei und nicht zu­sätz­lich an GMS an­ge­bo­ten wer­den müs­se. Beim The­ma G8 sag­te er: „Mög­li­cher­wei­se müs­sen dort Feh­ler ein­ge­se­hen und kor­ri­giert wer­den.“Hahn sprach sich bei G8 eben­falls da­für aus, Schü­lern die Wahl zu er­mög­li­chen. Klar plä­dier­te er aber für ei­ne gym­na­sia­le Ober­stu­fe an GMS, da die­se die Ver­knüp­fung von Her­kunft und Bil­dungs­er­folg am ehes­ten lö­sen könn­ten. Haydt plä­dier­te eben­falls für Chan­cen­gleich­heit und kri­ti­sier­te, dass G8 die so­zia­le Aus­le­se in der Bil­dung ver­grö­ßert ha­be. Böh­len stell­te klar: „G8 hät­ten wir nicht ge­braucht. Mehr Zeit tut den Schü­lern gut.“Ei­ne gym­na­sia­le Ober­stu­fe an GMS wür­de er be­grü­ßen, das wür­de aber auch wie­der­um Res­sour­cen kos­ten.

Mehr Po­li­zei­prä­senz ge­wünscht

Beim The­ma Si­cher­heit frag­ten die Mo­de­ra­to­ren nach kon­kre­ten Maß­nah­men für ei­ne bes­se­re innere Si­cher­heit. Al­le ver­ur­teil­ten da­bei die jüngs­ten Aus­schrei­tun­gen beim G20-Gip­fel in Ham­burg. Haydt merk­te aber auch an, dass in der De­bat­te nicht das De­mons­tra­ti­ons­recht über Bord ge­wor­fen wer­den dür­fe. Sie sprach sich in der Si­cher­heits­po­li­tik für Dee­s­ka­la­ti­on als Stra­te­gie aus. Rieb­sa­men sah ein, dass in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten zu viel Po­li­zei ab­ge­baut wor­den sei und dies nun vom Bund kor­ri­giert wer­den müs­se. Auch Hahn sprach sich für ei­nen Auf­bau der Po­li­zei­kräf­te aus. Böh­len sieht eben­falls ei­ne Stär­kung der Po­li­zei und Jus­tiz als er­for­der­lich. Ei­nen Ein­satz der Bun­des­wehr im In­ne­ren leh­ne er aber ab. Stef­fenStiehl sieht die Lö­sung auch in ei­ner stär­ke­ren Po­li­zei­prä­senz. Mas­sen­über­wa­chung leh­ne er aber ab.

Bei der Fra­ge wie sie über ei­ne Ver­län­ge­rung des Af­gha­nis­tan-Man­dats ab­stim­men wür­den, gab nur Haydt ei­ne kla­re Ant­wort: Sie wür­de mit Nein stimmen. Die vier üb­ri­gen Kan­di­da­ten woll­ten sich nicht grund­sätz­lich fest­le­gen. Rieb­sa­men woll­te die Ent­schei­dung da­von ab­hän­gig ma­chen, wie sich die La­ge ent­wick­le. Hahn wies dar­auf hin, dass ein En­de des Ein­sat­zes auch ei­ne Ver­schlech­te­rung für die Men­schen be­deu­ten kön­ne. Das sah auch Böh­len so. Stef­fen-Stiehl merk­te an: „Das Ziel des Ein­sat­zes muss er­reicht wer­den, sonst war al­les ver­ge­bens.“

FO­TO: JUL

Schü­ler stel­len kri­ti­sche Fra­gen zur Bil­dungs­po­li­tik.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.