„Hei­mat“zwi­schen Ana­to­li­en und Deutsch­land

Au­to­rin Ipek De­mir­tas liest aus ih­rem Ro­man „Win­ter­mäd­chen“

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Salem/heiligenberg - Ver­an­stal­tung

(sz) - Dem The­ma „Hei­mat“ist Au­to­rin Ipek De­mir­tas nach­ge­gan­gen, als sie beim Linz­gau Li­te­ra­tur Ver­ein im Fach­werk 11 in Sa­lem aus ih­rem Ro­man „Win­ter­mäd­chen“las.

Sie be­rich­te­te zu­nächst von ih­rer Her­kunft, ih­rem Wer­de­gang als Mi­gran­ten­kind und ih­rer Kar­rie­re als Ma­na­ge­rin. De­mir­tas wuchs bei Ver­wand­ten in ei­nem Berg­dorf in Ana­to­li­en auf und lern­te mit sie­ben Jah­ren erst ih­re El­tern ken­nen, die sie dann nach Deutsch­land hol­ten.

Die au­to­bio­gra­fi­schen Er­leb­nis­se bil­den den Kern ih­res Ro­mans „Win­ter­mäd­chen“. Sie las­sen den Le­ser er­füh­len, wie es ei­nem klei­nen Kind oh­ne El­tern­schutz er­gan­gen sein mag, das bei ei­ner Tante in ei­nem ar­cha­isch ge­präg­ten Kul­tur­kreis auf­wächst. Angst, Hun­ger und Ver­las­sen­heit wur­den bit­ter spür­bar. Und die Be­geg­nung mit ih­rem ei­ge­nen Text ver­an­lass­te die Au­to­rin dann auch, die Vor­le­se­rol­le an Do­do Wart­mann zu über­ge­ben.

Kul­tu­rel­le Zer­ris­sen­heit

Der Prot­ago­nist des Ro­mans ist Ha­run Ka­ra, ein Mann. Sei­ne Kind­heits­er­in­ne­run­gen stan­den bei der Le­sung im Mit­tel­punkt. Er, der an­schei­nend mus­ter­gül­tig In­te­grier­te mit deut­schem Pass, wird dar­in durch ei­ne Be­geg­nung mit sei­ner al­ten Hei­mat in ei­ne Le­bens­kri­se ge­wor­fen, in der er sei­ner kul­tu­rel­len Zer­ris­sen­heit und sei­ner un­voll­stän­di­gen Iden­ti­täts­ent­wick­lung ge­gen­über­steht. Er muss er­ken­nen, dass er we­der in der Tür­kei noch in Deutsch­land be­hei­ma­tet ist und sich als Mensch zwi­schen zwei Wel­ten er­lebt.

Ipek De­mir­tas ge­lingt es deut­lich und be­rüh­rend, die Nö­te der Mi­gran­ten­kin­der, na­ment­lich der Deutsch­Tür­ken zu be­schrei­ben. Sie ver­weist da­mit auf de­ren kul­tu­rel­le Zer­ris­sen­heit, die in die Gesellschaft hin­ein wirkt.

Was „Hei­mat“sei, spür­te dann im An­schluss an die Le­sung ein Dia­log nach, der zwi­schen De­mir­tas und dem Pu­bli­kum statt­fand. In ei­ner regen Dis­kus­si­on wur­de sicht­bar, dass Hei­mat und Hei­mat­ge­fühl aus früh­kind­li­chen Prä­gun­gen er­wächst und für je­den Men­schen ei­ne an­de­re Far­be trägt, je­doch im­mer das Ge­fühl von Wär­me, Ge­bor­gen­heit und „Voll­stän­dig­keit“ver­mit­telt.

Die nächs­te von LiLiVe ist ei­ne Ma­ti­nee mit dem Shan­ty Chor Über­lin­gen am 23.Ju­li um 11 Uhr im Na­tur­bad in Leu­stet­ten.

FO­TO: PR

Au­to­rin Ipek De­mir­tas spricht über ih­re Her­kunft und ih­ren Wer­de­gang als Mi­gran­ten­kind.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.