Neufrach be­hält sei­ne „Grü­ne Mit­te“

Nach Bür­ger­ver­samm­lung ver­wirft Bür­ger­meis­ter Här­le Plä­ne mit Wohn­be­bau­ung

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Salem/heiligenberg/service - Von Mar­vin We­ber

- Der Sport­platz in Neufrach soll als „Grü­ne Mit­te“des Teil­orts er­hal­ten blei­ben. Das gab Bür­ger­meis­ter Man­fred Här­le nach der Bür­ger­ver­samm­lung im Prinz Max am Mitt­woch­abend be­kannt. Als Al­ter­na­ti­ve hät­te sich der Bür­ger­meis­ter vor Ort durch­aus auch ei­ne Kom­bi­na­ti­on aus Frei­zeit­platz und ei­nem klei­ne­ren Neu­bau­ge­biet vor­stel­len kön­nen. Ge­gen die­se Idee hat­te sich vor we­ni­gen Wo­chen ei­ne Bür­ger­initia­ti­ve ge­grün­det, um sich für den Er­halt der Grün­flä­che im Zen­trum der Ort­schaft stark zu ma­chen.

„In mei­ner Zeit als Bür­ger­meis­ter wer­de ich die Flä­che des Sport­plat­zes in Neufrach nicht an­fas­sen und ei­ner Be­bau­ung zu­füh­ren“, sag­te Här­le an die­sem Abend. Von den bei­na­he 300 Zu­schau­ern im Prinz-Ma­xSaal er­hielt er für die­ses Ver­spre­chen laut­star­ken Ap­plaus. Es sei ein The­ma, das wohl vie­len un­ter den Fin­ger­nä­geln bren­ne, be­merk­te Här­le zu Be­ginn der Bür­ger­ver­samm­lung im An­ge­sicht der gro­ßen An­zahl an Bür­gern, die trotz gu­ten Wet­ters ge­kom­men wa­ren.

Bau­plät­ze als Re­fi­nan­zie­rung

Das The­ma ei­ner even­tu­el­len Nach­nut­zung der Flä­che in Neufrach, auf der seit rund 70 Jah­ren der Sport­platz an­ge­sie­delt ist, hat­te Här­le be­reits in sei­ner Neu­jah­res­an­spra­che erst­mals an­ge­ris­sen. Durch die Plä­ne des FC Rot-Weiß Sa­lem, der sei­nen Spiel­be­trieb zu­künf­tig mit ei­nem wei­te­ren Platz auf dem Ge­län­de am Schloss­see zen­tra­li­sie­ren möch­te, wur­de der Ver­wal­tung an­ge­bo­ten, dass der Ver­ein sein Nut­zungs­recht vor Ort ab­gibt. Die Kos­ten für das Vor­ha­ben des FC, das auch die Mo­der­ni­sie­rung des in die Jah­re ge­kom­me­nen Club­heims mit ein­schließt, schätzt der Bür­ger­meis­ter auf mehr als zwei Mil­lio­nen Eu­ro. Da die Ge­mein­de, ab­züg­lich För­der­mit­tel, ei­nen gro­ßen Teil der Sa­nie­rung zah­len müss­te, sei ei­ne Be­bau­ung und der Ver­kauf von Grund­stü­cken in Neufrach für Här­le auch ein Weg ge­we­sen, um ei­nen Teil der Kos­ten für das Vor­ha­ben wie­der her­ein­zu­ho­len.

Vie­le Bür­ger mel­den sich zu Wort

„Die Angst vor ei­ner Be­bau­ung be­las­tet vie­le Bür­ger in Neufrach“, sag­te Hu­go Gom­me­rin­ger, der zu­sam­men mit ei­ni­gen jun­gen Neufra­chern die Initia­ti­ve in die We­ge ge­lei­tet hat­te. Wenn die „Grü­ne Mit­te“als sol­che ver­lo­ren gin­ge, wür­de da­mit auch ein gro­ßes Stück Le­bens­qua­li­tät in der Ort­schaft ver­schwin­den, so Gom­me­rin­ger. „An die­sem Platz fin­det je­den Tag Be­we­gung statt. Es wä­re ein­fach nicht gut, die­se Be­geg­nungs­stät­te für die Bür­ger ab­zu­ge­ben“, sag­te Mar­grit Reb­stock, die seit rund zwei Jah­ren in der Nä­he des Sport­plat­zes wohnt. Dem stimm­te auch Ma­ria Wal­ter zu: „Es gibt Or­te und Plät­ze, die nicht be­baut wer­den soll­ten. Der Platz in Neufrach ge­hört auch da­zu. Ei­ne Be­bau­ung an die­ser Stel­le wä­re ein Ta­bu­bruch“, sag­te Wal­ter.

Auch die jun­gen Initia­to­ren der „Grü­nen Mit­te“mel­de­ten sich an die­sem Abend zu Wort. „Die­ser Platz ist ei­nes der Wahr­zei­chen von Neufrach und muss als Be­geg­nungs­stät­te für Jung und Alt er­hal­ten blei­ben“, sag­te Da­ni­el Busch­le. Auch Con­ny Weiß­mann fand deut­li­che Wor­te: „Die nach­fol­gen­de Ge­ne­ra­ti­on wird es uns in 100 Jah­ren dan­ken, dass wir den Platz er­hal­ten ha­ben“, sag­te sie. Auch nach der Ver­an­stal­tung zeig­te sich die jun­ge Neufra­che­rin mehr als zu­frie­den: „Ich bin sehr glück­lich, dass sich un­se­re Ar­beit aus­ge­zahlt hat. Aber jetzt liegt na­tür­lich noch viel Ar­beit vor uns“, sag­te Weiß­mann.

Die Initia­tiv­grup­pe hat­te mit ih­rem Vor­ha­ben gleich­zei­tig auch ver­spro­chen, sich um die Nach­nut­zung des Ge­län­des Ge­dan­ken zu ma­chen. Ne­ben ei­nem Spiel- und Bolz­platz sol­le es vor Ort auch An­ge­bo­te für die äl­te­ren Bür­ger der Ge­mein­de ge­ben, so un­ter an­de­rem der Wunsch des Bür­ger­meis­ters.

Ne­ben den Dis­kus­sio­nen um den Sport­paltz in Neufrach nutz­te der Bür­ger­meis­ter die Ge­le­gen­heit, die vie­len An­we­sen­den über den ak­tu­el­len Sach­stand zu The­men wie der neu­en Ge­mein­de­mit­te, der Stra­ßen­sa­nie­rung, der Haus­halts­la­ge der Ge­mein­de, neu­en Bau­ge­bie­ten oder der Ein­woh­ner­ent­wick­lung zu in­for­mie­ren.

FO­TOS: MAR­VIN WE­BER

Das Grün in der Orts­mit­te bleibt: Auf dem Sport­platz in Neufrach sol­len kei­ne Bau­grund­stü­cke ent­ste­hen.

Vie­le Bür­ger, wie hier Tho­mas Kränz­ler, nut­zen die Ge­le­gen­heit, um ih­re Mei­nung kund zu tun.

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