Ra­che an der ers­ten Lie­be

GZG-Schü­ler brin­gen Dür­ren­matts „Be­such der al­ten Da­me“auf die Büh­ne

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Friedrichshafen - Von Ly­dia Schä­fer

- Die Thea­ter AG des Graf-Zep­pe­lin-Gym­na­si­ums zeigt im GZH „Der Be­such der al­ten Da­me“. Die Tra­gi­ko­mö­die des Schwei­zer Schrift­stel­lers Fried­rich Dür­ren­matt brach­te dem Au­tor die fi­nan­zi­el­le Un­ab­hän­gig­keit und der Prot­ago­nis­tin des Stücks, Kla­ra Wä­scher, ih­re Ra­che. Denn der Wunsch nach Ver­gel­tung, die Fra­ge nach Schuld und Süh­ne und die Kor­rup­ti­on der Men­schen prä­gen das Stück.

Ein Stück, mit ei­ner tra­gi­schen Ge­schich­te, um­rahmt von Mo­ti­ven der Ko­mö­die – ein ty­pi­scher Dür­ren­matt, der es in sei­nen Ge­schich­ten ver­steht, Wahn und Witz zu kom­bi­nie­ren.

Ei­ne Mil­li­ar­de für Ge­rech­tig­keit

„Geld re­giert die Welt“– des­sen ist sich auch die schwer­rei­che Clai­re Zacha­nassi­an be­wusst, die nach über vier Jahr­zehn­ten in ihr Hei­mat­dorf Gül­len zu­rück­kehrt. Da­mals hieß sie noch Kla­ra Wä­scher und wur­de im zar­ten Al­ter von 17 Jah­ren von Al­f­red Ill ge­schwän­gert. Die­ser hat mit­hil­fe be­sto­che­ner Zeu­gen ei­nen Va­ter­schafts­pro­zess vor Ge­richt ge­won­nen. Ent­ehrt und arm ver­ließ Kla­ra ih­re Hei­mat und ar­bei­te­te als Pro­sti­tu­ier­te. Sie ver­lor das Kind, hei­ra­te­te aber spä­ter ei­nen mil­lio­nen­schwe­ren Mann, dem noch wei­te­re lu­kra­ti­ve Ehen folg­ten. Geld er­mög­lich­te ihr den Traum von der Ra­che an ih­rer ers­ten Lie­be.

Heim­lich hat­te sie die Lie­gen­schaf­ten von Gül­len im Lau­fe der Jah­re auf­ge­kauft und lang­sam aus­ge­blu­tet. Die Stadt steht mitt­ler­wei­le vor dem fi­nan­zi­el­len Ru­in. Sie will der Stadt ei­ne Mil­li­ar­de schen­ken, vor­aus­ge­setzt Al­f­red Ill stirbt. Die For­de­rung der al­ten Da­me, „ei­ne Mil­li­ar­de für Ge­rech­tig­keit“, ent­setzt die Güll­ner. Nach au­ßen hin fei­ern sie Al­f­red Ill als ei­nen be­son­ders lie­bens­wer­ten Bür­ger, doch Bür­ger­meis­ter, Pfar­rer, Kauf­leu­te und so­gar Al­f­red Ills Fa­mi­lie be­gin­nen mit Aus­sicht auf die Fi­nanz­sprit­ze, über ih­re Ver­hält­nis­se zu le­ben. Der Be­trof­fe­ne spürt, wie sich die Sch­lin­ge im­mer en­ger um sei­nen Hals zeiht. Er will zu­nächst aus­wan­dern, stellt sich dann aber sei­nem Schick­sal.

Küh­le Hä­me steht Schü­le­rin Ve­re­na Sey­boldt ins Ge­sicht ge­schrie­ben, wenn die Schü­le­rin in ih­rer Rol­le als al­te Da­me den Güll­nern ins Ge­sicht sieht. Sie spielt wun­der­bar ei­ne ver­bit­ter­te, rach­süch­ti­ge Frau, die un­nach­gie­big ihr Ziel ver­folgt.

Auch Da­vid Sey­boldt über­zeugt als Al­f­red Ill. Zu­nächst noch süf­fi­sant freund­lich in Er­war­tung ei­nes Geld­se­gens. Doch dann wan­delt er sich zum ängst­li­chen, ver­un­si­cher­ten Mann, der letzt­end­lich sein Schick­sal re­si­gniert an­nimmt.

Schwarz, ge­ris­sen, ge­flickt

Die Trost­lo­sig­keit der Stadt spie­gelt sich schon in der Klei­dung der 21 Darstel­ler wi­der: Schwarz, ge­ris­sen und ge­flickt. Doch mit dem ver­meint­li­chen Wohl­stand kehrt die Far­be ins Le­ben zu­rück.

Mit sim­plen Mit­teln hat Re­gis­seu­rin Dag­mar Ma­der es ver­stan­den, Bil­der im Kopf der Zu­schau­er ent­ste­hen zu las­sen. Die Far­be Gelb steht für Reich­tum und Schwarz für Trost­lo­sig­keit. Schü­ler und Büh­nen­mo­bi­li­ar ver­wan­deln sich mit­tels Schil­der in Re­qui­si­ten – wirk­lich groß­ar­tig.

FO­TO: LY­DIA SCHÄ­FER

Die Thea­ter AG des Graf-Zep­pe­lin-Gym­na­si­ums in­sze­niert den „Be­such der al­ten Da­me“von Fried­rich Dür­ren­matt.

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