Haupt­sa­che rot? Blut­wig be­vor­zugt Rote­bee­te­saft

Mu­si­cal der Re­al­schu­le St. Eli­sa­beth über ve­ge­ta­ri­schen Vam­pir the­ma­ti­siert ADHS und Aus­gren­zung

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Friedrichshafen -

(ler) - Spit­ze Eck­zäh­ne, blas­se Ge­sich­ter, dunk­le Au­gen­rin­ge und wil­de Fri­su­ren: So kennt man sie, die blut­sau­gen­den Vam­pi­re. Beim Mu­si­cal „Blut­wig und Lud­wig“, das die Krea­tiv-AGs und der Sechst­kläss­ler­chor der Re­al­schu­le St. Eli­sa­beth ge­mein­sam auf die Büh­ne brin­gen, han­delt es sich al­ler­dings um kei­ne klas­si­sche Vam­pir­ge­schich­te.

Der klei­ne Vam­pir Blut­wig (ab­wech­selnd dar­ge­stellt von Lu­is Götz­ger und An­na Dam­son) trinkt näm­lich viel lie­ber Rote­bee­te­saft als Blut und ist des­halb ei­ne Schan­de für sei­ne Fa­mi­lie. Auch der Men­schen­jun­ge Lud­wig (ge­spielt von Ma­ik Lu­new­ski und Cor­ne­lia Frank) hat ein Pro­blem, das ihm viel Spott ein­bringt: Er stot­tert. Vi­el­leicht ver­ste­hen sich die bei­den Bei­na­he-Na­mens­vet­tern des­we­gen so gut, als sie sich zum ers­ten Mal be­geg­nen, weil sie bei­de Au­ßen­sei­ter sind? Oder hilft ih­nen die Freund­schaft zu dem völ­lig An­ders­ar­ti­gen, ei­ne Lö­sung für das ei­ge­ne Pro­blem zu fin­den? Der Be­such bei der Psy­cho­lo­gin, die bei Blut­wig im Hand­um­dre­hen ADHS dia­gnos­ti­ziert, zeigt je­den­falls nicht die ge­wünsch­te Wir­kung.

„Uns ist wich­tig, dass die Stü­cke ge­halt­voll sind und ei­ne Bot­schaft ha­ben“, er­klärt Ka­rin Bank, die ge­mein­sam mit Uta Schu­bert die Lei­tung in­ne­hat. So sei die Wahl auf die eher un­ge­wöhn­li­che Vam­pir­ge­schich­te ge­fal­len. „Es ist nicht ein­fach, gleich­zei­tig zu stot­tern und trotz­dem ver­ständ­lich zu re­den“, schil­dert Frank ih­re größ­te Her­aus­for­de­rung, wäh­rend Si­mo­na Völ­ker es am an­spruchs­volls­ten fin­det, dass die bei­den Rol­len, die sie spielt, in ei­ner Sze­ne mit­ein­an­der re­den müs­sen. „Das ist manch­mal ganz schön ir­ri­tie­rend, weil ich ja auch die an­de­re Rol­le ken­ne.“Apro­pos Rol­le: Um die pas­sen­de Be­set­zung für je­den Part zu fin­den, sei­en sie an­fangs in ganz un­ter­schied­li­che Cha­rak­te­re ge­schlüpft. „Frau Bank hat dann ge­schaut, was am bes­ten zu uns passt“, er­klärt Ma­ya Prätz­lich, die in die­sem Jahr schon zum zwei­ten Mal ei­nen Mann auf der Büh­ne gibt. Für sie sei es ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung, so streng mit ih­rem Büh­nen­sohn um­zu­ge­hen. „Ich wür­de nie so mit mei­nem Kind re­den, wenn ich ei­nes hät­te“, ist sie sich si­cher. Gro­ße Ei­nig­keit herrscht der­weil dar­über, dass die Ar­beit an dem Mu­si­cal, die ein hal­bes Jahr ge­dau­ert ha­be, ganz schön an­stren­gend sei, aber: „Es macht auch to­tal Spaß“. Und die An­stren­gun­gen ma­chen sich be­zahlt: Ob Chor- oder So­lo­ge­sang, Sprech­rol­le oder Tanz­ein­la­ge: Das Mu­si­cal macht Ei­ni­ges her. Chor­lei­te­rin Ju­lia­ne Rauch ist zu­frie­den mit ih­ren Sän­gern und schon bei der Ge­ne­ral­pro­be gibt’s Zwi­schen­ap­plaus für die So­li.

Wer wis­sen mag, wie Blut­wigs und Lud­wigs Ge­schich­te wei­ter­geht, kann dies in der Turn­hal­le von St. Eli­sa­beth, We­ra­stra­ße 23, her­aus­fin­den: am Sams­tag, 15. Ju­li, und Mon­tag, 17. Ju­li, je­weils um 10 Uhr. Der Ein­tritt ist frei.

FO­TO: LE­NA REI­NER

Mit Haft­creme wer­den die Vam­pir­zäh­ne be­fes­tigt.

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