Ge­müt­li­cher Le­be­mann und kor­rup­ter Funk­tio­när: Chuck Bla­zer ist tot

Vor den WM-Tur­nie­ren 1998 und 2010 hat der Ge­ne­ral­se­kre­tär des CON­CA­CAF Schmier­geld an­ge­nom­men – Spä­ter ko­ope­rier­te er mit dem FBI

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Sport -

(dpa/SID) - Die Rol­le als ge­müt­li­cher Weih­nachts­mann mit Rau­sche­bart, der al­le groß­her­zig be­schenkt, schien Chuck Bla­zer ge­ra­de­zu auf den mas­si­gen Leib ge­schnei­dert. Als lang­jäh­ri­ger Fuß­bal­lSpit­zen­funk­tio­när war der am Mitt­woch (Orts­zeit) im Al­ter von 72 Jah­ren ge­stor­be­ne New Yor­ker aber nicht je­ner gü­ti­ge, rot­ge­wan­de­te San­ta Claus, als der er sich für sei­nen Blog fo­to­gra­fie­ren ließ. Als „Draht­zie­her von Sys­te­men, die die Ge­wäh­rung, An­nah­me, Über­ga­be und den Emp­fang ver­deck­ter und il­le­ga­ler Zah­lun­gen, Be­ste­chungs- und Schmier­gel­der be­inhal­te­ten, so­wie an­de­rer Sys­te­me zur Be­rei­che­rung“, pran­ger­te die Ethik­kom­mis­si­on des Welt­ver­ban­des FI­FA Bla­zer an, als sie am 9. Ju­li 2015 die le­bens­lan­ge Sper­re für ihn ver­kün­de­te.

Der schon län­ger an Darm­krebs er­krank­te Ame­ri­ka­ner ge­hör­te als Mit­glied der Exe­ku­ti­ve von 1996 bis 2013 je­nem ex­klu­si­ven FI­FA-Zir­kel an, der die Welt­meis­ter­schaf­ten ver­gab. Bla­zer ge­stand spä­ter die An­nah­me von Schmier­gel­dern vor den WM-Tur­nie­ren 1998 und 2010. Als Ge­ne­ral­se­kre­tär des nord- und mit­tel­ame­ri­ka­ni­schen Kon­ti­nen­tal­ver­ban­des CON­CA­CAF fä­del­te Bla­zer auch für ihn selbst lu­kra­ti­ve Ge­schäf­te mit Über­tra­gungs­rech­ten ein.

Ver­haf­tung im Herbst 2011

Al­ler­dings be­kam er Schwie­rig­kei­ten mit der US-Bun­des­po­li­zei FBI und der ame­ri­ka­ni­schen Steu­er­be­hör­de IRS. Ei­nem Be­richt der „New York Dai­ly News“zu­fol­ge stopp­ten ihn Be­am­te auf der Fifth Ave­nue in Man­hat­tan im Herbst 2011, als er auf dem Weg zum Sze­ne­re­stau­rant „Elai­ne’s“an der Up­per East Si­de war. Sie stell­ten ihn dem­nach vor die Wahl, sich ent­we­der in Hand­schel­len ab­füh­ren zu las­sen oder zu ko­ope­rie­ren. Das FBI droh­te mit ei­ner An­kla­ge we­gen Steu­er­hin­ter­zie­hung in Mil­lio­nen­hö­he, ei­ner le­bens­lan­gen Haft­stra­fe.

Charles Gor­don Bla­zer, ge­nannt Chuck, ent­schied sich fürs Aus­pa­cken, brach­te als Kron­zeu­ge vie­le Ver­fah­ren ins Rol­len und sorg­te da­mit auch für das En­de der Ära von FI­FA-Prä­si­dent Jo­seph „Sepp“Blat­ter. Wäh­rend der Olym­pi­schen Spie­le 2012 in Lon­don soll Bla­zer mit ei­nem ver­steck­ten Mi­kro­fon, ei­ner Wan­ze im Schlüs­sel­an­hän­ger, Ge­sprä­che von Fuß­ball­funk­tio­nä­ren auf­ge­zeich­net ha­ben. Da­mals hielt das FBI die bri­san­ten Er­kennt­nis­se noch ge­heim, um wei­te­re Er­mitt­lun­gen nicht zu ge­fähr­den. Sei­ne An­wäl­tin Ma­ry Mul­li­gan er­klär­te der „New York Ti­mes“zu­fol­ge, Bla­zer ha­be ge­hofft, mit sei­nen Aus­sa­gen für Trans­pa­renz, Re­chen­schaft und Fair­play zu sor­gen. „Chuck hat sein Tun zu­tiefst be­reut und die Ver­ant­wor­tung für sein Ver­hal­ten über­nom­men.“

„Mis­ter 10 Pro­zent“

Vi­el­leicht woll­te der schil­lern­de Funk­tio­när, den Wla­di­mir Pu­tin laut Bla­zer bei ei­nem Be­such we­gen sei­ner grau­en Mäh­ne und des Bar­tes mit Karl Marx ver­glich, auch nur die ei­ge­ne Haut ret­ten und sei­nen Le­bens­stil wei­ter pfle­gen. Der viel­fa­che Groß­va­ter soll im Trump To­wer zwei Ap­par­te­ments ge­habt ha­ben – ei­nes für sich, das an­de­re für sei­ne Kat­zen. Auch mit ei­nem Ara auf der Schul­ter wur­de der Mann ge­sich­tet, da­zu pass­ten far­ben­fro­he Kra­wat­ten mit groß­flä­chi­gen Blu­men­mus­tern.

In ei­nem Rei­se­b­log be­rich­te­te Bla­zer über sei­ne Er­leb­nis­se in­ner­halb und au­ßer­halb der Fuß­ball­welt. Im Au­gust 2011 klag­te er über den Spott, den er auf sich ge­zo­gen ha­be, be­grün­de­te sein zeit­wei­li­ges Schwei­gen aber auch mit Er­mitt­lun­gen ge­gen den be­stech­li­chen CON­CA­CAF-Prä­si­den­ten Jack War­ner und den eins­ti­gen FI­FA-Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat Mo­ham­med bin Ham­mam. Ab so­fort wol­le er sich nun wie­der zu Wort mel­den. „Ich freue mich dar­auf, das Va­ku­um mit ech­ten In­for­ma­tio­nen zu fül­len“, sag­te Mis­ter 10 Pro­zent“, der sich non­cha­lant an et­li­chen De­als mit eben je­nem An­teil be­rei­chert hat­te.

Was Charles Gor­don Bla­zer we­nig spä­ter den US-Be­hör­den zu Pro­to­koll gab, er­schüt­ter­te die Fuß­ball­welt nach­hal­tig.

FO­TO: AFP

Zwei, die sich ziem­lich lan­ge ziem­lich gut ver­stan­den: der frü­he­re FI­FA-Prä­si­dent Jo­seph „Sepp“Blat­ter (links) und der jetzt ver­stor­be­ne Chuck Bla­zer.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.