Wech­sel­stim­mung ver­zwei­felt ge­sucht

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Erste Seite - Von Ras­mus Buch­stei­ner po­li­tik@schwa­ebi­sche.de

Er müht sich red­lich, setzt Bot­schaf­ten – aber Mar­tin Schulz dringt da­mit kaum durch, bis­lang je­den­falls. Mag der SPD-Kanz­ler­kan­di­dat nun auch sei­nen Zu­kunfts­plan prä­sen­tiert ha­ben, in dem si­cher­lich viel Ver­nünf­ti­ges steht: Die ganz gro­ße Zu­spit­zung hat er nicht ge­schafft.

Bil­dungs­al­li­anz, Chan­cen­kon­to, In­ves­ti­ti­ons­pflicht – al­les re­spek­ta­ble Vor­schlä­ge, un­ter dem Strich aber kaum ge­eig­net, grund­sätz­lich et­was an der La­ge der So­zi­al­de­mo­kra­ten zu än­dern. Zehn Wo­chen vor der Bun­des­tags­wahl ist im Land von Wech­sel­stim­mung nichts zu spü­ren. Der SPD-Rück­stand in den Um­fra­gen scheint ze­men­tiert zu sein. Schulz kämpft ge­gen ei­ne Kanz­le­rin, die sich ge­schickt mit Wohl­fühl-Bot­schaf­ten in Sze­ne setzt und der in­halt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung aus­weicht. An­ge­la Mer­kel hat in­zwi­schen so­viel Rück­halt in der Be­völ­ke­rung wie vor der Flücht­lings­kri­se.

Her­aus­for­de­rer wer­den im Wahl­kampf nur dann über­zeu­gen kön­nen, wenn sie er­folg­reich den Ein­druck er­we­cken, über mehr po­li­ti­schen In­stinkt und Durch­set­zungs­kraft zu ver­fü­gen als der je­wei­li­ge Amts­in­ha­ber. Mar­tin Schulz hat in die­ser Hin­sicht ei­ne schwar­ze Wo­che hin­ter sich. Dem Kanz­ler­kan­di­da­ten ist die De­bat­te über die G20-Kra­wal­le von Ham­burg ent­glit­ten. Die SPD wirk­te da­bei selt­sam un­sor­tiert. Ist das Ren­nen be­reits ge­lau­fen? Die zu­rück­lie­gen­den Land­tags­wah­len zei­gen, dass sich sol­che Schlüs­se ver­bie­ten. Die Ver­hält­nis­se kön­nen sich im Schluss­spurt noch ver­än­dern.

Der po­li­ti­schen Kul­tur in Deutsch­land tä­te es üb­ri­gens gut, wenn die Sa­che noch ein­mal span­nend wür­de und es mehr um Sachthe­men gin­ge. Die Kanz­le­rin mag kein In­ter­es­se an ei­ner zu­ge­spitz­ten Aus­ein­an­der­set­zung ha­ben, aber ein „Schlaf­wa­gen“-Wahl­kampf birgt für die Uni­on das Ri­si­ko, die ei­ge­nen Leu­te nicht aus­rei­chend zu mo­bi­li­sie­ren. Glaubt man den Um­fra­gen, weiß mehr als die Hälf­te der deut­schen Wäh­ler noch nicht, wem sie am 24. Sep­tem­ber ih­re Stim­men ge­ben will. Wenn Mar­tin Schulz ei­ne Chan­ce hat, dann liegt sie ge­nau in die­sem Be­fund.

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