Zwei­fel an Zu­läs­sig­keit von Fahr­ver­bo­ten

Kri­tik an Ein­schrän­kun­gen für äl­te­re Die­sel in Stuttgart – Rechts­gut­ach­ten kommt

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Wir Im Süden - Von Oli­ver Schma­le und Antonia Lan­ge

(lsw) - Die in Stuttgart ge­plan­ten Fahr­ver­bo­te für äl­te­re Die­sel-Fahr­zeu­ge wer­den im­mer un­wahr­schein­li­cher. Der Bund hält das Vor­ha­ben für nicht zu­läs­sig. Der Ar­beit­ge­ber­ver­band Süd­west­me­tall, der eben­falls an der Zu­läs­sig­keit zwei­felt, hat in­des ein Rechts­gut­ach­ten zu dem The­ma in Auf­trag ge­ge­ben, wie Ar­beit­ge­ber­chef Ste­fan Wolf der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Stuttgart sag­te. Das Er­geb­nis wird dem­nach En­de des Mo­nats er­war­tet.

Ab 2018 sind in Stuttgart an Ta­gen mit ho­her Schad­stoff­be­las­tung Fahr­ver­bo­te für be­son­ders schmut­zi­ge Die­sel-Fahr­zeu­ge ge­plant. Am Frei­tag war be­kannt ge­wor­den, dass das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um die­se für recht­lich nicht un­zu­läs­sig hält, die „Schwä­bi­sche Zei­tung“be­rich­te­te. Grund ist dem Land zu­fol­ge, dass da­durch aus Sicht des Bun­des ei­ne Art Zo­ne ge­bil­det wer­de. Die vom Land ge­wünsch­te blaue Pla­ket­te, um dre­cki­ge Die­sel fern­zu­hal­ten, lehnt Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CDU) aber ab.

„Es wer­den Maß­nah­men ge­plant, für die es kei­ne recht­li­che Grund­la­ge gibt“, sag­te Ar­beit­ge­ber­chef Wolf. „Das Bun­des­recht der Um­welt­zo­nen schützt Fahr­zeu­ge mit grü­ner Pla­ket­te vor Fahr­ver­bo­ten.“

Die Ver­bo­te sind für äl­te­re Die­sel vor­ge­se­hen, die die jüngs­te Ab­gas­norm Eu­ro 6 nicht er­fül­len. Die Au­to­bran­che ar­bei­tet an Nach­rüs­tungs­mög­lich­kei­ten, um sie noch ab­zu­wen­den.

Nach der Ein­schät­zung des Bun­des sieht sich auch die CDU-Frak­ti­on im Süd­wes­ten be­stä­tigt. „Wir be­grü­ßen die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ters, dass stre­cken­be­zo­ge­ne Fahr­ver­bo­te recht­lich nicht zu­läs­sig sind, wenn durch die Kom­bi­na­ti­on von Stra­ßen letzt­lich ei­ne Fahr­ver­bots­zo­ne ge­bil­det wird“, sag­te Frak­ti­ons­chef Wolf­gang Rein­hart. An­ge­sichts des wach­sen­den po­li­ti­schen Wi­der­stands und recht­li­cher Be­den­ken for­der­te SPD-Frak­ti­ons­chef Andre­as Stoch die grün­schwar­ze Lan­des­re­gie­rung auf, bei den Plä­nen für Fahr­ver­bo­te „die Reiß­lei­ne zu zie­hen“.

Kla­ge der Um­welt­hil­fe

Am Mitt­woch wird vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Stuttgart ei­ne Kla­ge der Deut­schen Um­welt­hil­fe ge­gen das Land Ba­den-Würt­tem­berg ver­han­delt. Die Um­welt­hil­fe will den jüngst über­ar­bei­te­ten Luf­t­rein­hal­te­plan für die Lan­des­haupt­stadt da­hin ge­hend prü­fen, ob ge­nug ge­tan wird, die Be­las­tung der Luft mit Stick­oxi­den schnell zu sen­ken. Die EU-Grenz­wer­te wer­den in Stuttgart seit Jah­ren über­schrit­ten.

Die grün-schwar­ze Lan­des­re­gie­rung lässt sich beim The­ma Fahr­ver­bo­te in­des ein Hin­ter­tür­chen of­fen. Sie kann sich vor­stel­len, dar­auf zu ver­zich­ten, wenn ei­ne Nach­rüs­tung von Die­sel­fahr­zeu­gen rasch und dau­er­haft wirk­sam kommt, hat­te Ver­kehrs­mi­nis­ter Win­fried Her­mann (Grü­ne) zu­letzt ge­sagt.

Grü­nen-Frak­ti­ons­chef Andre­as Schwarz sieht den Bund in der Pflicht: „In Berlin müs­sen drin­gend al­le tech­ni­schen und recht­li­chen Fra­gen zur Nach­rüs­tung ver­bind­lich ge­klärt wer­den, da­mit sie zü­gig er­fol­gen und als­bald Wir­kung zei­gen kann“, sag­te er.

Und: „Der Bund wird nicht um­hin kom­men, die blaue Pla­ket­te ein­zu­füh­ren, denn sie ist das bes­te Mit­tel, um all­ge­mei­ne Fahr­ver­bo­te zu ver­mei­den.“

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