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Das neue Al­bum von Bro­ken So­ci­al Sce­ne ist al­les, nur kei­ne Hin­ter­grund­be­schal­lung

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Szene - Von Da­ni­el Dre­scher

- Ka­na­da ist nicht arm an um­wer­fen­der Mu­sik. Der me­lan­cho­li­sche In­die­folk der lei­der auf­ge­lös­ten Wea­k­ert­hans, der ener­ge­ti­sche Rock von Bil­ly Ta­lent oder der an­fangs bom­bas­ti­sche, in­zwi­schen tanz­ba­re Sound von Ar­ca­de Fi­re: nur drei Bei­spie­le da­für, wie reich das krea­ti­ve Re­ser­voir des nord­ame­ri­ka­ni­schen US-Nach­barn ist. Mit Bro­ken So­ci­al Sce­ne mel­det sich nun ei­ne der wich­tigs­ten Bands der ka­na­di­schen In­die­rock­sze­ne zu­rück. Sie­ben Jah­re liegt das letz­te Stu­dio­al­bum „For­given­ess Rock Re­cord“be­reits zu­rück – ei­ne lan­ge Zeit, in der manch an­de­re Band groß ge­wor­den und wie­der ver­glüht ist.

Doch Bro­ken So­ci­al Sce­ne sind nach wie vor re­le­vant. Ke­vin Dr­ew und Bren­dan Can­ning, der krea­ti­ve Kern des 15 Mu­si­ker um­fas­sen­den Kol­lek­tivs, wol­len mit dem Al­bum vor al­lem zwei Din­ge ver­mit­teln: Es ge­he zum ei­nen dar­um, sich ein­mal 53 Mi­nu­ten lang auf die Mu­sik zu kon­zen­trie­ren und die an­de­ren Din­ge im Le­ben so­lan­ge au­ßer Acht zu las­sen – Smart­pho­nes, Stress, Kri­sen­mel­dun­gen. Zu­dem, so sagt Dr­ew: „Ich hof­fe, sie ver­ste­hen, dass es an­de­re Men­schen da drau­ßen gibt, dass sie nicht al­lei­ne sind.“Die Nai­vi­tät ist ihm da­bei be­wusst.

We­ni­ger sim­pel als die­se In­ten­ti­on sind die Kom­po­si­tio­nen. Das Bild vom Kalei­do­skop, in dem der Blick auf ein Ob­jekt vie­le bun­te Fa­cet­ten of­fen­bart, trifft es hier. Da sind opu­len­te Rock­num­mern wie „Half­way Ho­me“, aber auch leicht­fü­ßi­ge Stü­cke wie „Sky­line“. In „Va­ni­ty Pail Kids“meint man Dark-Wa­ve-Klän­ge wie aus den 1980er-Jah­ren wie­der­zu­er­ken­nen. Groß­ar­ti­ge stimm­li­che Ak­zen­te set­zen auch die bei­den Sän­ge­rin­nen Les­lie Feist und Emi­ly Hai­nes (Metric).

Das mit dem Smart­pho­ne ha­ben Bro­ken So­ci­al Sce­ne hin­be­kom­men: Fast ei­ne St­un­de lang wird al­les an­de­re zur Ne­ben­sa­che – denn das hier ist al­les, nur kei­ne Hin­ter­grund­mu­sik.

FO­TO: MATT BARNES

Zu­sam­men ist man we­ni­ger al­lein: Bro­ken So­ci­al Sce­ne sind ein fan­tas­ti­sches Kol­lek­tiv.

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