Auch so­zia­le Wer­te ste­hen auf dem St­un­den­plan

Leh­rer und ei­ne Schul­so­zi­al­ar­bei­te­rin küm­mern sich um die So­zi­al­ar­beit an den wei­ter­füh­ren­den Schu­len

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Hagnau / Meersburg / Uberlingen - Von Na­di­ne Sapot­nik

- Leh­rer ha­ben vor­ran­gig die Auf­ga­be Wis­sen zu ver­mit­teln, doch da­mit ist ihr Job nicht ge­tan. Ne­ben­bei müs­sen sie sich auch um die so­zia­len Be­lan­ge küm­mern. An den bei­den wei­ter­füh­ren­den Schu­len in Meers­burg gibt es Schul­so­zi­al­ar­beit – wenn auch in un­ter­schied­li­chen For­men.

Die Schul­so­zi­al­ar­beit an der Som­mer­talschu­le ist nicht weg­zu­den­ken. Die­ser Mei­nung sind Schul­lei­ter, Jür­gen Rit­ter, und Schul­so­zi­al­ar­bei­te­rin, Andrea Le­bek. Sie küm­mert sich um Ein­zel­fäl­le, in­ter­ve­niert bei Kri­sen von ein­zel­nen Schü­lern und ver­sucht, Kon­flik­te zwi­schen Schü­lern zu lö­sen. Da­bei ar­bei­tet die stu­dier­te So­zi­al­päd­ago­gin eng mit Leh­rern zu­sam­men.

Le­bek hat ei­ne 75-Pro­zent-Stel­le an der Schu­le, fi­nan­ziert wird sie von der Stadt. „Aus schu­li­scher Sicht wä­re ei­ne um­fang­rei­che­re Stel­le durch­aus denk­bar“, sagt Rit­ter. Er ist der Mei­nung, dass die so­zia­len Auf­fäl­lig­kei­ten in den ver­gan­ge­nen zehn bis 15 Jah­ren an sei­ner Schu­le zu­ge­nom­men ha­ben. Ihm ist es wich­tig, dass die Kin­der nicht nur Wis­sen ver­mit­telt be­kom­men, das Au­gen­merk soll auch auf per­sön­li­che Her­aus­for­de­run­gen oder so­zia­le Kon­flik­te ge­rich­tet wer­den.

Doch da­bei sto­ßen die Leh­rer an ih­re Gren­zen. „Die Leh­rer ha­ben nicht die Ka­pa­zi­tät, sich ne­ben dem Lehr­stoff dar­um zu küm­mern“, sagt Rit­ter. Es sei zu­dem wich­tig, dass die Schü­ler nicht nur auf der Ebe­ne der Leh­rer al­lein an­ge­spro­chen wer­den. Durch Andrea Le­bek wer­den die Kin­der und Ju­gend­li­chen noch ein­mal auf ei­ner an­de­ren Ebe­ne an­ge­spro­chen. Le­bek küm­mert sich um Kin­der, die den Un­ter­richt stö­ren oder, bei de­nen auf­fällt, dass sie sich in den ver­gan­ge­nen Wo­chen ver­än­dert ha­ben. Die So­zi­al­päd­ago­gin sucht dann zu­nächst das Ge­spräch mit dem be­trof­fe­nen Kind, oft fol­gen dann Ge­sprä­che mit den El­tern. „Mein Haupt­auf­trag ist es, der Kin­des­wohl­ge­fähr­dung ent­ge­gen­zu­wir­ken“, sagt Le­bek. Bei den Ge­sprä­chen kom­men auch oft Schleich­tie­re zum Ein­satz oder Hand­pup­pen. Spre­chen die Schü­ler durch sie, füh­len sie sich oft woh­ler und trau­en sich eher zu er­zäh­len, was in ih­nen vor­geht.

Gleich­zei­tig bie­tet Le­bek aber auch An­ge­bo­te für die gan­ze Klas­se an, bei de­nen auch mal et­was an­de­res als blo­ße Wis­sens­ver­mitt­lung im Fo­kus steht. „Ich möch­te nicht nur die Frau für das Schlim­me sein“, sagt sie. So durch­lau­fen al­le Fünft­kläss­ler erst ein­mal ein soziales Trai­ning. „Da­bei ler­nen sie auch Re­geln und wie man mit be­stimm­ten Din­gen um­geht“, sagt sie. Hin­zu­kommt auch noch ei­ne Hüt­ten­fahrt, bei der sich die Kin­der selbst or­ga­ni­sie­ren müs­sen, wo­zu auch das Ko­chen ge­hört.

Ein ähn­li­ches Trai­ning gibt es auch am Dros­te-Hüls­hoff-Gym­na­si­um. Andrea Kurz, Leh­re­rin für Bio­lo­gie, hat vor kur­zer Zeit ein Se­mi­nar be­sucht zum So­zi­al­trai­ning „Li­ons Qu­est“. Die­ses Pro­gramm setzt sie im ge­sam­ten Klas­sen­ver­bund um. Sie bringt den Fünft­kläss­lern schon we­ni­gen Wo­chen nach Be­ginn am Gym­na­si­um bei, wie sie mit­ein­an­der um­ge­hen soll­ten. „Auf die­sen Wer­ten kann dann bei spä­te­ren Kon­flik­ten auf­ge­baut wer­den“, sagt sie. Das sei sehr wich­tig.

Am Dros­te-Hüls­hoff-Gym­na­si­um gibt es kei­ne Schul­so­zi­al­ar­bei­te­rin. „Wir hät­ten es aber ei­gent­lich nö­tig“, sagt Schul­lei­ter Phil­ipp Strack. An­läs­se gä­be es ge­nug, bei de­nen ein Schul­so­zi­al­ar­bei­ter in­ter­ve­nie­ren kön­ne. „Es gibt Fäl­le, wie Mob­bing über das Smart­pho­ne“, sagt Strack. Doch auch, wenn es an dem Gym­na­si­um nie­man­den gibt, der sich aus­schließ­lich um die Schul­so­zi­al­ar­beit küm­mert, ar­bei­ten al­le Leh­rer in die­sem Be­reich mit – auch, wenn ih­re Ka­pa­zi­tä­ten da­für be­grenzt sind.

Doch je­den Kon­flikt be­kom­men die Leh­rer nicht mit, der un­ter den Schü­lern herrscht. „Wir ah­nen viel­leicht man­ches“, sagt Kurz. Sie ist der Mei­nung, dass auch für die Kin­der und Ju­gend­li­chen bes­ser wä­re, wenn es ei­ne Kraft an der Schu­le gä­be, die sich aus­schließ­lich um so­zia­le Be­lan­ge küm­mern wür­de und nicht vor­ran­gig zur Wis­sens­ver­mitt­lung an­ge­stellt ist. Denn ei­ni­ges wür­den Schü­lern nur un­gern Leh­rern er­zäh­len.

Die Ein­zel­fall­be­treu­ung, die an der Som­mer­talschu­le ei­nen gro­ßen Be­reich für Schul­so­zi­al­ar­bei­te­rin Andrea Le­bek ein­nimmt, über­nimmt am Gym­na­si­um Andrea Dres­se­ler. Sie ist an der Schu­le Ver­trau­ens­leh­re­rin und küm­mert sich um Schü­ler mit Lern­schwie­rig­kei­ten, aber auch um Streit­schlich­tung. Ih­re Auf­ga­be ist es, her­aus­zu­fin­den, wo Pro­ble­me zwi­schen Schü­lern, Leh­rern und El­tern herr­schen und die­se ge­mein­sam zu lö­sen.

FO­TO: SAPOT­NIK

Der Schul­lei­ter der Som­mer­talschu­le, Jür­gen Rit­ter, und So­zi­al­päd­ago­gin Andrea Le­bek ar­bei­ten so eng es nur geht zu­sam­men.

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