Der Kampf ge­gen den Still­stand

Rek­to­rin Ur­su­la He­f­ler geht nach 16 Jah­ren an der Grund­schu­le Deg­gen­hau­ser­tal in den Ru­he­stand

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Salem/deggenhausertal - Von Mar­vin We­ber

- Nach 41 Jah­ren im Schul­be­trieb und 16 Jah­ren als Rek­to­rin an der Grund­schu­le im Deg­gen­hau­ser­tal geht Ur­su­la He­f­ler in der kom­men­den Wo­che in den Ru­he­stand. Mit dem Be­ginn der Som­mer­fe­ri­en am Don­ners­tag, 27. Ju­li, be­ginnt für sie ein neu­er, aber wahr­schein­lich nicht we­ni­ger ar­beits­in­ten­si­ver, Le­bens­ab­schnitt.

Ge­ra­de die letz­ten Jah­re an der Grund­schu­le in Wit­ten­ho­fen sei­en von vie­len Ve­rän­de­run­gen ge­prägt ge­we­sen. „Es war die Zeit der gro­ßen Um­brü­che“, sagt die 65-Jäh­ri­ge. Ne­ben ge­sell­schaft­li­chen Ve­rän­de­run­gen ha­be sich auch im Schul­we­sen in den ver­gan­ge­nen zwei Jahr­zehn­ten ei­ni­ges ge­tan. „Der Blick über den Tel­ler­rand ist mir im­mer sehr wich­tig ge­we­sen. Ste­hen­blei­ben be­deu­tet nichts Gu­tes“, sagt He­f­ler. In ih­rem No­tiz­buch hat sie da­zu den pas­sen­den Spruch no­tiert: „Lie­ber auf neu­en We­gen stol­pern, als auf al­ten We­gen auf der Stel­le tre­ten“, steht auf ei­nem klei­nen Zet­tel auf der ers­ten Sei­te.

Nach die­sem Mot­to ha­be sie be­son­ders in ih­rer Zeit als Rek­to­rin an der Grund­schu­le im Deg­gen­hau­ser­tal ge­ar­bei­tet. Die Ein­füh­rung des Ganz­tags­be­trieb sei da­bei ei­ner der we­sent­li­chen und wich­tigs­ten Schrit­te ge­we­sen. „Die päd­ago­gi­sche Ar­beit muss sich auch den Ve­rän­de­run­gen in der Ge­sell­schaft an­pas­sen“, sagt He­f­ler. Da­mals ha­be es noch ei­nen gro­ßen Auf­schrei im Deg­gen­hau­ser­tal dies­be­züg­lich ge­ge­ben. „Wir ha­ben uns mit der Fra­ge be­schäf­tigt, was nach dem Un­ter­richt­sen­de ge­schieht. Vie­le der Schü­ler kom­men von klei­nen Hö­fen oder aus ab­ge­le­ge­nen Wei­lern. Wenn dann nach der Schu­le et­was ge­bo­ten wer­den soll, müs­sen die El­tern meist als Fahr­dienst ein­sprin­gen“, sagt sie. Heu­te sind die meis­ten ih­rer rund 150 Schütz­lin­ge an der Grund­schu­le zwi­schen 7.45 und ma­xi­mal 15.20 Uhr vor Ort. Ur­su­la He­f­ler

In zwölf bis 15 AGs kön­nen die Schü­ler am Nach­mit­tag aus ei­nem breit ge­fä­cher­ten An­ge­bot wie zum Bei­spiel Ten­nis, Ko­chen, Nä­hen, Tan­zen oder die Wald-AG wäh­len. In der rund zwei­stün­di­gen Mit­tags­pau­se gibt es für die Schü­ler au­ßer­dem die Mög­lich­keit in der Haus­auf­ga­ben­be­treu­ung al­le Auf­ga­ben für den nächs­ten Tag un­ter Auf­sicht zu er­le­di­gen. „Wenn die Kin­der dann nach Hau­se kom­men, sind sie kom­plett fer­tig“, sagt die Rek­to­rin. Da­bei sei es ihr wich­tig, nicht nur ein Be­treu­ungs­son­dern auch ein Bil­dungs­an­ge­bot in den Nach­mit­tags­stun­den an­bie­ten zu kön­nen.

Ei­ne wei­te­re gro­ße Ve­rän­de­rung, die ih­re Ar­beit stark ge­prägt ha­be, sei die Ein­füh­rung des jahr­gangs­über­grei­fen­den Un­ter­richts im Schul­jahr 2006/2007 ge­we­sen. „Die Ruck­sä­cke der Kin­der in der ers­ten Klas­se sind mitt­ler­wei­le sehr un­ter­schied­lich ge­packt“, sagt He­f­ler. Der ei­ne Schü­ler kön­ne be­reits le­sen, der an­de­re eben noch nicht. Seit­dem ler­nen die meis­ten der Schü­ler mit äl­te­ren Jahr­gän­gen zu­sam­men. „Wir ha­ben mit die­sem Kon­zept tol­le Er­fah­run­gen ge­macht“, sagt sie.

Auch wenn He­f­ler nach sehr lan­ger Zeit in Zu­kunft nicht mehr das Schul­ge­bäu­de in Wit­ten­ho­fen be­tre­ten wird, wer­de ihr im Ru­he­stand nicht die De­cke auf den Kopf fal­len. Ne­ben ih­ren zahl­rei­chen eh­ren­amt­li­chen Tä­tig­kei­ten, wie zum Bei­spiel ih­re Ar­beit im Ge­mein­de­rat von Sa­lem, freue sie sich be­son­ders auf das Rei­sen mit ih­rem Mann. „Wir be­su­chen ger­ne Or­te, die nicht so ein­fach zu er­rei­chen sind“, sagt sie. Die Schu­le und die Ar­beit als Leh­re­rin und Rek­to­rin wer­de sie den­noch sehr ver­mis­sen. „Der Ab­schied fällt mir schwer. Es war im­mer un­glaub­lich toll zu se­hen, wie die Kin­der die Grund­schu­le nach vier Jah­ren als ge­reif­te und Per­sön­lich­kei­ten ver­las­sen“, sagt sie.

„Wir ha­ben uns mit der Fra­ge be­schäf­tigt, was nach dem Un­ter­richt­sen­de ge­schieht.“

FO­TO: MAR­VIN WE­BER

Mit viel Spaß bei der Ar­beit: Ur­su­la He­f­ler sucht in der Pau­se den Kon­takt zu den Kin­dern.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.