Es geht um Teil­ha­be im um­fas­sen­den Sinn

Bei­rat für so­zia­le Zu­kunfts­ge­stal­tung ge­grün­det – Ober­teu­rin­gen geht neue We­ge der Bür­ger­be­tei­li­gung

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Oberteuringen/immenstaad/meckenbeuren - Von An­ton Fuchs­loch

- Ober­teu­rin­gen wächst. Be­ste­hen­de Wohn­ge­bie­te wer­den er­wei­tert, neue kom­men hin­zu. Ein neu­es Kin­der­haus, ein Haus der Pfle­ge, Dut­zen­de Woh­nun­gen und ei­ne För­der­ein­rich­tung für Men­schen mit Be­hin­de­run­gen sind im Ent­ste­hen. Bald soll auch die Schu­le er­wei­tert und für den Ganz­tags­be­trieb aus­ge­baut wer­den. Die Ge­bäu­de sind nur die Hard­ware: der Rah­men, in dem sich das Le­ben ab­spielt. Um das täg­li­che Mit­ein­an­der zu or­ga­ni­sie­ren und zu gestal­ten braucht es mehr als nur Be­ton und Zie­gel. „Es wird dar­auf an­kom­men, Teil­ha­be im um­fas­sen­den Sin­ne zu er­mög­li­chen und zu för­dern“, sagt Bür­ger­meis­ter Karl-Heinz Beck. Des­halb ha­be er die Grün­dung ei­nes so­zia­len Bei­rats an­ge­regt.

Es ge­he nicht nur um Men­schen mit Be­hin­de­rung, son­dern um Bür­ger­be­tei­li­gung: auch nicht be­zo­gen nur auf Pro­jek­te, son­dern auf das Ge­mein­we­sen im Gan­zen. Ober­teu­rin­gen geht mit die­sem in­klu­si­ven An­satz neue We­ge, die mitt­ler­wei­le lan­des­weit Be­ach­tung fin­den, wie sich auch bei ei­ner Ta­gung in Bad Boll am Wo­che­n­en­de ge­zeigt ha­be, so der Bür­ger­meis­ter. „Wir kön­nen mit der Ent­wick­lung der Soft­ware nicht erst an­fan­gen, wenn die Hard­ware steht.“Ein Gre­mi­um, das al­le Ak­teu­re an ei­nen Tisch bringt, ver­netzt und Ide­en lie­fe­re sei ein ers­ter Schritt.

„Auf der Ba­sis ge­mein­sa­mer Wer­te macht es sich die­ser Bei­rat zu­künf­tig zur Auf­ga­be, das so­zia­le Ge­fü­ge der Ge­mein­de kon­ti­nu­ier­lich im Blick zu hal­ten und The­men mit Hand­lungs­be­darf her­aus­zu­stel­len“, sagt die In­klu­si­ons­be­auf­trag­te der Ge­mein­de, An­ni­ka Tau­be. Sie hat den Pro­zess fe­der­füh­rend in die Hand ge­nom­men und al­le re­le­van­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen und Grup­pen ein­ge­la­den mit­zu­ma­chen.

An­fäng­lich ha­be es noch Klä­rungs­be­darf hin­sicht­lich der Auf­ga­ben und des Po­ten­zi­als des ge­plan­ten Bei­rats ge­ge­ben. Nach und nach ha­be sich die Ei­nig­keit zwi­schen den ver­schie­de­nen Ak­teu­ren auf der Grund­la­ge des al­le ver­bin­den­den In­ter­es­ses her­aus­ge­stellt, das Mit­ein­an­der in der Ge­mein­de künf­tig ver­ein­s­und grup­pen­über­grei­fend mit­zu­ge­stal­ten.

„Die Grün­dung des Bei­rats ist mo­ti­viert von dem Wunsch, vor­han­de­ne Kräf­te, Er­fah­rungs­wis­sen und Res­sour­cen zu bün­deln, um auf ein­fa­chem Weg Ko­ope­ra­ti­ons­mög­lich­kei­ten un­ter­ein­an­der zu er­wei­tern“, so Tau­be. Au­ßer­dem ge­he es den Ak­teu­ren dar­um, ver­eins- und grup­pen­über­grei­fend ge­mein­sam The­men zu iden­ti­fi­zie­ren, die al­le Bür­ger an­ge­hen und in de­nen Hand­lungs­be­darf be­steht. Als Bei­spiel nennt sie den Ju­gend­raum, der seit ei­ni­gen Jah­ren brach­liegt und wie­der­be­lebt wer­den könn­te.

Durch die vie­len Neu­zu­zü­ge und neu ent­ste­hen­den Ein­rich­tun­gen wach­se und ver­än­de­re sich das so­zia­le Ge­fü­ge. Gleich­zei­tig ge­be es so­zia­le The­men, die gro­ße Tei­le der Bür­ger­schaft be­tref­fen. Für die gu­te In­te­gra­ti­on von Neu­bür­gern sei ein Will­kom­mens­brief und ei­ne Will­kom­mens­ver­an­stal­tung zu we­nig. Die­sem The­ma will sich der Bei­rat bei sei­nem nächs­ten Tref­fen im Herbst als Ers­tes wid­men.

Ge­mein­sa­me Wer­te als Ba­sis

Zwei bis drei Tref­fen im Jahr sind für den Bei­rat ge­plant. Die Mit­glie­der kom­men zu­sam­men und tau­schen sich auf der Grund­la­ge ge­mein­sam fest­ge­leg­ter Wer­ten über ih­re Wahr­neh­mung aus, in wel­chen Be­rei­chen des so­zia­len Mit­ein­an­ders Hand­lungs­be­darf be­steht. Laut Tau­be ge­hört zu die­sen Wer­ten, dass je­der zu ei­ner für­ein­an­der sor­gen­den Ge­mein­schaft bei­trägt und Ver­ant­wor­tung für so­zi­al Schwä­che­re über­nimmt. Es ge­hör­te da­zu, den Zu­sam­men­halt zwi­schen den Ge­ne­ra­tio­nen zu stär­ken, und das Po­ten­zi­al ei­ner Mit­wir­kung in Ver­ei­nen stär­ker wahr­nehm­bar zu ma­chen. Es gel­te, An­schluss­mög­lich­kei­ten für Fa­mi­li­en mit klei­nen Kin­dern, für Se­nio­ren und über­haupt für Bür­ger in al­len Le­bens­pha­sen zu schaf­fen und da­durch da­zu bei­zu­tra­gen, Ängs­te vor den Ve­rän­de­run­gen in Ober­teu­rin­gen ab­zu­bau­en.Al­le sol­len sich in der Ge­mein­de an­ge­nom­men, si­cher und mit sei­nen Be­lan­gen ge­hört füh­len.

Hat der Bei­rat die The­men her­aus­ge­stellt, dann sind die Ge­mein­de, In­klu­si­ons­be­auf­trag­te, Ge­mein­we­sen­ar­bei­ter der Le­bens­räu­me für Jung und Alt so­wie je nach The­ma en­ga­gier­te Bür­ger und Fach­kräf­te ge­fragt, ak­tiv zu wer­den und zum Bei­spiel In­fo­ver­an­stal­tun­gen oder Be­tei­li­gungs­werk­stät­ten zu or­ga­ni­sie­ren. Dar­aus kön­nen neue eh­ren­amt­li­che Struk­tu­ren oder auch Vor­schlä­ge für neue pro­fes­sio­nel­le Struk­tu­ren ent­ste­hen, sagt Tau­be.

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