Der Mensch im Mit­tel­punkt – nicht die Ein­rich­tung

SNOBO-Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tun­gen sind im Reichs­tags­ge­bäu­de zu Gast bei Lothar Rieb­sa­men

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Oberteuringen/immenstaad/meckenbeuren -

(sz) - Der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Lothar Rieb­sa­men hat vor Kur­zem zehn Ver­tre­ter des Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tun­gen-Netz­werks Ober­schwa­ben/ Bo­den­see (SNOBO) ins Reichs­tags­ge­bäu­de nach Berlin ein­ge­la­den.

Zu­nächst wa­ren Sieg­fried Peisl und Josef Keß­ler zum Ge­spräch mit dem Ab­ge­ord­ne­ten Hubert Hüp­pe zu­sam­men­ge­kom­men. Hüp­pe, Vor­gän­ger von Ve­re­na Ben­te­le als Bun­des­be­auf­trag­ter, ver­deut­lich­te in punc­to Bun­des­teil­ha­be­ge­setz (BTHG) sei­nen Stand­punkt zur Un­wirk­sam­keits­klau­sel – näm­lich, dass sie im BTHG nur we­nig Be­ach­tung fin­de. Ei­ne Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung, wel­che vom Ar­beit­ge­ber nicht um­fas­send un­ter­rich­tet wird, kann für die zu Ver­tre­ten­den bei Nicht­un­ter­rich­tung kei­ne Stel­lung be­zie­hen. Da­her soll­ten al­le Be­schlüs­se oh­ne Un­ter­rich­tung un­wirk­sam blei­ben. Stand zum Pro­jekt „au­tism at work“dar. SAP hat mo­men­tan 150 be­hin­der­te Mit­ar­bei­ter be­schäf­tigt, im Pro­jekt sind 50 Men­schen mit Asper­ger-Syn­drom zu­sätz­lich ein­be­zo­gen. Josef Keß­ler stell­te die be­ab­sich­tig­te Grün­dung ei­nes bun­des­wei­ten Dach­ver­ban­des von Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tun­gen und des­sen Vor­tei­le vor.

In den ers­ten Ar­beits­markt

Am Tag dar­auf wa­ren al­le zehn Teil­neh­mer mor­gens vor den Ein­gang zum Reichs­tags­ge­bäu­de von Lothar Rieb­sa­men ein­ge­la­den. Nach der Teil­nah­me an ei­ner Bun­des­tags­de­bat­te stand das Ge­spräch mit Uwe Schum­mer, Be­hin­der­ten­be­auf­trag­ter der CDU/CSU-Frak­ti­on, und Rieb­sa­men auf dem Pro­gramm. Schum­mer nahm vor­ab Stel­lung zur Ge­schich­te des Bun­des­teil­ha­be­ge­set­zes und des­sen Neu­funk­ti­on zur Ein­glie­de­rungs­hil­fe. Neu sei vor al­lem, dass es ein Ge­setz ist, das nach for­dern wol­le, es lau­fend wei­ter­zu­ent­wi­ckeln.

Wei­te­res wich­ti­ges The­ma: die In­klu­si­on. Schum­mers An­satz lau­te: Der Mensch im Mit­tel­punkt – nicht die Ein­rich­tung, heißt es in der Pres­se­mit­tei­lung. Bis 2018 soll die Ein­glie­de­rungs­hil­fe durch das Bun­des­teil­ha­be­ge­setz um fünf Mil­li­ar­den Eu­ro ent­las­tet wer­den. Men­schen mit ei­ner Be­hin­de­rung sol­len vor­ran­gig vom zwei­ten in den ers­tenAr­beits­markt kom­men. Für ih­re Ar­beit­ge­ber gibt es bis zu 75 Pro­zent Ar­beits­kos­ten­zu­la­gen als Zu­schuss: Zu­sätz­lich wer­den be­nö­tig­te As­sis­tenz­leis­tun­gen be­zahlt. Schum­mer sieht kei­ne Ge­fähr­dun­gen für Werk­stät­ten für Be­hin­der­te, da die­se zu­neh­men. Schum­mer nahm dann auch das The­ma Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung auf, nach­dem kurz zu­vor die Uni­ons­frak­ti­on mit rund 300 Werk­statt­rä­ten und Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tun­gen im Bun­des­tag kon­fe­riert hat­te. Die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tun­gen sind die wich­tigs­ten CoMa­na­ger bei der Hu­ma­ni­sie­rung der Ar­beits­welt, so Schum­mer. Lothar Rieb­sa­men füg­te hin­zu, dass die Ar­beits­ver­tei­lung ei­nen wei­te­ren wich­ti­gen Punkt dar­stellt. Durch ei­ne aus­ge­gli­che­ne Ver­tei­lung der Ar­beit lie­ßen sich Krank­hei­ten und de­ren Spät­fol­gen, wel­che oft zu ei­ner psy­chi­schen Be­hin­de­rung füh­ren kön­nen, re­du­zie­ren und ver­mei­den.

In Deutsch­land gä­be es der­zeit 830 In­te­gra­ti­ons­fir­men, de­ren Wert sehr groß sei, so Schum­mer. Hier wer­de In­klu­si­on ge­lebt und wei­ter­ent­wi­ckelt. Wich­tig sei die Wahl­frei­heit des Ar­beits­plat­zes für be­hin­der­te Men­schen. Schum­mer und Keß­ler wa­ren sich ei­nig, dass In­klu­si­on funk­tio­nie­ren kön­ne. Es be­dür­fe aber des Wil­lens al­ler Be­tei­lig­ten: der Be­trof­fe-

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