30 000 Eu­ro Beu­te: Trio über­fällt Ehe­paar

Ver­hand­lung im Land­ge­richt Ravensburg we­gen schwe­rer räu­be­ri­scher Er­pres­sung

Schwaebische Zeitung (Markdorf) - - Friedrichshafen - Von Sieg­fried Groß­kopf

- Zu­erst ver­spä­te­te sich ein Ver­tei­di­ger um fast ei­ne St­un­de. Dann ent­wi­ckel­te sich der ers­te von fünf ge­plan­ten Ver­hand­lungs­ta­gen zum Ma­ra­thon bis in den spä­ten Abend. We­gen schwe­rer räu­be­ri­scher Er­pres­sung müs­sen sich seit dem gest­ri­gen Di­ens­tag vor dem Land­ge­richt Ravensburg drei Män­ner ver­ant­wor­ten, de­nen zu­nächst ein Über­fall auf ein Tett­nan­ger Ehe­paar in de­ren Haus zur Last ge­legt wird, bei dem sie über 30 000 Eu­ro er­beu­tet ha­ben.

Ein vor­ge­wor­fe­ner Raub­über­fall des Haupt­an­ge­klag­ten in Meers­burg wird mög­li­cher­wei­se ab­ge­trennt. Dort sol­len es 31 000 Eu­ro ge­we­sen sein, die er ha­be mit­ge­hen las­sen.

Stren­ge Kon­trol­len vor dem Ein­lass in den Sit­zungs­saal 1 der Schwur­ge­richts­kam­mer mach­ten klar, wel­ches Ka­li­ber von Tat­vor­wür­fen un­ter dem Vor­sitz von Rich­ter Veit Böh­me zu ver­han­deln sein wür­de. Mach­ten zwei der aus der Un­ter­su­chungs­haft in Kon­stanz und Ulm an­ge­reis­ten Be­schul­dig­ten An­ga­ben zu ih­rer Per­son und nur ei­ner zu den Tat­vor­wür­fen, schwieg der drit­te kom­plett, da er – wie er über­mit­teln ließ – nichts ge­tan ha­be.

Mit Gas­pis­to­le und Klapp­mes­ser

Al­len drei­en wird vor­ge­wor­fen, im März ver­gan­ge­nen Jah­res ei­nem Ehe­paar in Tettnang auf­ge­lau­ert zu ha­ben und mit Sturm­mas­ken un­ter Ver­wen­dung ei­ner täu­schend echt aus­se­hen­den Gas­pis­to­le, so­wie dem Ein­satz ei­nes Klapp­mes­sers un­ter an­de­rem Bar­geld in Hö­he von über 30 000 Eu­ro er­beu­tet zu ha­ben. Da­bei er­litt das Ehe­paar Schnitt­ver­let­zun­gen an den Hän­den. Der Haupt­an­ge­klag­te soll ge­wusst ha­ben, dass das Ehe­paar „im­mer mitt­wochs“ein Re­stau­rant auf­su­chen wür­de. Zwei Tä­ter soll­ten nach ih­rer Rück­kehr ge­gen 21.30 Uhr in das Haus ge­hen, dem Ehe­paar dro­hen und Geld er­pres­sen. So war der Plan und so ge­schah es. Der drit­te An­ge­klag­te hat von der Woh­nung ei­nes Freun­des an­geb­lich das Haus be­ob­ach­tet und Schmie­re ge­stan­den.

Ne­ben dem jetzt auf der An­kla­ge­bank sit­zen­den Trio sol­len vier wei­te­re Män­ner in den Über­fall in­vol­viert ge­we­sen sein, die al­ler­dings (noch) nicht ge­fasst sind. So ein „Dort­mun­der“und ein „Hol­län­der“, die es ge­we­sen sei­en, die im Haus wa­ren, wie ei­ner der An­ge­klag­ten die Tat­aus­füh­rung auf sie schob.

Im Tre­sor liegt „viel, viel Geld“

Die vor ih­rer Fest­nah­me al­le in Fried­richs­ha­fen woh­nen­den An­ge­klag­ten hat­ten die Tat Ta­ge zu­vor aus­ge­klü­gelt. An­schlie­ßend fuh­ren sie nach Tettnang, ob­ser­vier­ten das Haus, gin­gen zum Es­sen und trenn­ten sich. Denn: Je­der wuss­te, was er zu tun hat­te. Vom 34-jäh­ri­gen Haupt­an­ge­klag­ten, der jah­re­lang bei ZF ge­ar­bei­tet hat, war den Mit­an­ge­klag­ten ei­ne gro­ße Beu­te ver­spro­chen wor­den, da es sich bei dem Ehe­paar um ver­mö­gen­de Leu­te hand­le, in de­ren Tre­sor „viel, viel Geld“lä­ge. Über­haupt wohn­ten „in Fried­richs­ha­fen und Um­ge­bung vie­le Rei­che“, hat­te er für das Mit­tun der Kom­pli­zen ge­wor­ben. „Für ei­ne Per­spek­ti­ve in Deutsch­land spricht mo­men­tan nicht viel“, deu­te­te Rich­ter Böh­me ei­nem der An­ge­klag­ten mit dem al­ge­ri­scher Staats­an­ge­hö­rig­keit an, dem die Ab­schie­bung droht und der sich zum Auf­takt in Wi­der­sprü­che zu frü­he­ren Ver­neh­mun­gen ver­strick­te.

Der 34-jäh­ri­ge Haupt­an­ge­klag­te hat drei Aus­bil­dun­gen früh­zei­tig ab­ge­bro­chen. Nach ei­ner ers­ten Fest­nah­me we­gen ei­ner an­de­ren Straf­tat be­reits im Jahr 2003 war er wo­chen­lang flüch­tig. Vom Leih­ar­bei­ter wur­de er zum Festan­ge­stell­ten bei ZF. We­gen sei­ner Haft trenn­te sich die Fir­ma von ihm. Seit No­vem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res sitzt er wie­der.

Fort­ge­setzt wird der Pro­zess am Land­ge­richt Ravensburg am Di­ens­tag, 25. Ju­li, um 9 Uhr.

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